
Es herrscht kein Fraktionszwang – dafür sind die Freien Wähler (FW) bekannt. Sich heftig streiten, die unterschiedlichsten Meinungen aushalten und sich dann doch irgendwie wieder zusammenraufen – das können sie.
Die Stimmung bei der Listenversammlung war mehr als gelöst. 24 Kandidatinnen und Kandidaten konnte die Partei auf ihrer Liste versammeln.
Viele erwähnten bei ihrer Vorstellung, dass sie wegen des fehlenden Fraktionszwangs mit auf der Liste stehen. „Mir gefällt, auch wenn man hart ringt und nicht zum Konsens kommt, trotzdem wählen kann, wie man will“, meinte zum Beispiel Spitzenkandidatin Manuela Mühlöder.
Bemühungen um OB-Kandidatin „gescheitert“
Auch Heinz Gruber, der nach 35 Jahren im Stadtrat nicht mehr antritt, und Alexander Kohler hatten viel Lob für ihre Fraktion übrig.
„Ich bin gescheitert mit meinen Bemühungen“, meinte Wolfgang Hauber hinsichtlich seiner Ankündigung, auch eine Kandidatin oder einen Kandidaten für den OB-Posten ins Rennen zu schicken. Mühlöder bestätigte, dass sie es sich nach ihrer ersten Absage noch einmal überlegt hatte. Am Ende hat sie jedoch aus persönlichen Gründen abgesagt. „Sie hätte das Zeug dazu gehabt“, meinte Hauber.
Auf der Liste sind die unterschiedlichsten Berufe zu finden. Etwas mehr als die Hälfte der Kandidatinnen und Kandidaten ist Parteimitglied, die Frauenquote liegt bei 30 Prozent. Der Listenvorschlag wurde von den neun stimmberechtigten Mitgliedern in der Emetzheimer Rockenstube einstimmig angenommen.
Die Liste und ein ausführliches Wahlprogramm
Als erste Partei stellten die FW ihr ausführliches Parteiprogramm vor – welches von „Klimaschutzmaßnahmen mit Maß und Ziel“ über seniorenspezifische Themen bis hin zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung reicht.
Auf dem Spitzenplatz führt Ortsvereinsvorsitzende Manuela Mühlöder (49) die Liste an. Die Leiterin des Zollamts Ansbach-Weißenburg will sich für eine belebte Altstadt einsetzen und weiterhin für Senioren, Jugendbeteiligung und die Ortsteile.
Ihr folgt Wolfgang Hauber (66) auf Listenplatz 2. Der gebürtige Weißenburger war lange bei der Polizei – unter anderem bei der GSG 9, danach in Weißenburg und Treuchtlingen in leitenden Positionen. Im Anschluss wechselte Hauber in die Politik. Seit siebeneinhalb Jahren sitzt er nun im Landtag und ist Mitglied im Innenausschuss. Seit 2002 ist er Stadtrat, seit 2008 Kreisrat. „Die finanzielle Ausstattung der Kommunen liegt mir am Herzen“, erklärte er.
Viele persönliche Schwerpunkte
Auf Listenplatz 3 steht Stadtrat Alexander Kohler (68). Der stellte zunächst klar, dass er seinen Erstwohnsitz in Weißenburg habe, nicht in Nennslingen. In der Vergangenheit hatte ihn eine andere Partei aufgrund dieses Themas wohl kritisiert. Für Kohler sei durch seine schwerbehinderte Tochter das Thema Inklusion ein Schwerpunkt. Zudem sei ihm als Apotheker der Einzelhandel wichtig – aber nicht nur in der Innenstadt, auch im Randgebiet Weißenburgs.
Thomas Strobl (54), der 2014 als OB-Kandidat für die Freien Wähler antrat, steht wieder auf Listenplatz 4. Er ist Vorsitzender des TSV 1860 und hilft als Anwalt Mieterinnen und Mietern im örtlichen Mieterverein.
Auf Platz 5 steht Bademeister Andreas Schuster (52). Seit 16 Jahren ist er bei den Stadtwerken zudem Betriebsratsvorsitzender. Erst engagierte er sich bei der SPD, 2023 trat er aus und landete schließlich bei den Freien Wählern.
Thema Hallenbad
Er will sich unter anderem dem Thema Hallenbad annehmen. Schuster könne nicht sagen, „wir bauen jetzt ein Bad“, aber er wolle Fragen stellen, was man bislang zu wenig gemacht habe.
Markus Trelka (42) auf Platz 6 kandidierte 2014 für die CSU, nun kandidiert er für die FW. Trelka ist Elektromeister bei Schwan-Stabilo und Ortssprecher für Suffersheim. Georg Hufnagel (61, parteilos) betreibt eine Schreinerei und ist Ortssprecher für Kattenhochstatt. Er möchte sich beim Thema Bauen einbringen. Auf Listenplatz 8 folgt Manfred Bauer (53). Er ist Diplomingenieur und arbeitet im Mobilfunkbereich.
Auf der Liste folgt Stefanie Strobl (50). Sie ist Realschullehrerin und Bezirkspersonalrätin. Ensetzen möchte sie sich für die Jugend und den Austausch zwischen Alt und Jung. Auf Listenplatz 10 steht mit Björn Köbler (47, parteilos) einer der Geschäftsführer von Köbler Zerspan- und Rundschleiftechnik. „Ich rege mich immer auf, ich kritisier‘, aber wenn man selbst nicht dabei ist, dann hat man eigentlich seinen Mund zu halten“, erklärte er seine Kandidatur.
Frischer Wind und mehr Transparenz
Es folgt Jan Hermann (26). Er hat bei der Sparkasse gelernt und ist vor Kurzem von Röttenbach nach Weißenburg gezogen. Hermann würde gerne „frischen Wind reinbringen“ und sich für mehr Transparenz im Stadtrat einsetzen.
Es folgen: Susanne Koppatz (39), die als Bauingenieurin arbeitet, und Jürgen Schnaidt (55, parteilos), der neben seinem landwirtschaftlichen Betrieb in Rothenstein das Wärmenetz in Bieswang beliefert, in vielen Vereinen aktiv ist und Jäger ist.
Karin Stanek (59, parteilos) leitet die Tagespflege in Markt Berolzheim, schwimmt fast jeden Tag im Freibad und engagiert sich für den Tierschutz. Katrin Spuller (48), Sozialwirtin, folgt auf Platz 15. Joachim von Galkowski (70, parteilos), kommt aus Schmalwiesen, ist im Ruhestand und will sich als Betroffener für Behinderte einsetzen.
Von Digitalisierung bis Fachärzte
Tobias Neubert (35, parteilos) ist Elektroniker in Monheim und bei der Feuerwehr Weißenburg. Ihm liegt die Digitalisierung am Herzen. Sarah Dager (22, parteilos) hat syrische Wurzeln und arbeitet als Pharmazeutisch-kaufmännische Leiterin in der Kreuz-Apotheke. Ihre Kollegin Martina Laub (48, parteilos) arbeitet in der Kreuz- und Schloss-Apotheke und will sich für die Versorgung mit Fachärzten einsetzen.
Es folgen David Faber (45, parteilos), Programmierer und „Problemlöser“, Klaus Lehmeyer (61, parteilos), Ingenieur und Energieberater, Anton Petschl (63), selbstständiger Schreinermeister, Heiner Pauckner (64, parteilos), Funktionär im Boxsport und ehemaliger Fahrlehrer, sowie Rudolf Löschel (72), Frauenarzt.
„Kein Raum für extreme Kräfte“
„Kein Raum für extreme Kräfte“ – so steht es im Wahlprogramm der Freien Wähler. Hauber unterstrich, dass für die Liste als gemeinsame Basis das Grundgesetz und die Verfassung gelte. Man wolle versuchen, die AfD möglichst kleinzuhalten im Stadtrat.
„Das spricht mir aus dem Herzen, die brauchen wir gar nicht“, meinte Kandidat Heiner Pauckner dazu. Am Montag war noch nicht bekannt, dass sich die AfD aus dem Wahlkampf vor Ort zurückzieht.







Keine Kommentare