
Die Freien Wähler ziehen kampfeslustig in die Wahlen um den Kreistag. „Wir wollen eine andere, eine bessere Kultur in der Landkreispolitik“, verkündete Josef Miehling, der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler bei der Nominierungsversammlung.
Dort war die Stimmung bestens. Mit nur wenigen Ausnahmen waren die Kandidatinnen und Kandidaten persönlich anwesend. Dazu drängten sich noch etliche Unterstützerinnen und Unterstützer im prall gefüllten Saal des Adlerbräus in Gunzenhausen „So viele waren wir ja noch nie“, war allerorten zu hören. „Ich bin überwältigt“, stellte der Kreisvorsitzende Wolfgang Hauber fest.
Auch beim Blick auf die Liste lässt sich ein gewisser Optimismus seitens der Freien Wähler nachvollziehen. Sie verlieren mit dem Gunzenhausener Stadtrat Dr. Werner Winter nur ein Mitglied aus ihrer achtköpfigen Fraktion. Der Rest zieht wieder in den Wahlkampf. Allerdings ist mit Stefan Bauer im Juli schon ein Kreistagsmitglied verschwunden. Der Gunzenhausener trat nach Differenzen aus der Fraktion aus (wir berichteten).
Spannende Neuzugänge
Die personellen Neuzugänge auf der Liste sollen die Abgänge aber auffangen. Ja, man hofft hinter vorgehaltener Hand sogar auf Zugewinne.
Etwa mit Hubert Stanka, dem dritten Bürgermeister Treuchtlingens, dem Ellinger Bürgermeisterkandidaten Felix Kahn, der Heidenheimer Bürgermeisterkandidatin Betty Spichtinger, der Gunzenhausener Stadträtin Julia Braun, dem Alesheimer Bürgermeisterkandidaten Helmut Zäh oder dem dritten Solnhofener Bürgermeister Mike Hoffman.
Alle sind erstmals auf der Liste der Freien Wähler zu finden und Kandidaten, denen man Zugkraft bei den Wählerinnen und Wählern zutraut. Da gilt bei den Kommunalwahlen aus Sicht von FW-Kreisvorsitzendem Wolfgang Hauber ohnehin immer noch die Formel „Kenn i, mag i, wähl i“.
Insofern kein Wunder, dass man vorne auf der 60 Namen umfassenden Liste wieder diejenigen platziert hat, die seit Jahrzehnten die Kreispolitik der Freien Wähler prägen. Der Weißenburger Landtagsabgeordnete Wolfgang Hauber führt die Liste an, gefolgt vom Pleinfelder Josef Miehling. Es folgen der Langenaltheimer Bürgermeister Alfred Maderer und der Gunzenhausener Bürgermeister-Kandidat Dr. Hans-Jürgen Auinger.
Aussichtsreiches Frauen-Trio
Hubert Stanka ist auf Rang fünf platziert und dürfte gute Chancen haben, in das Gremium einzuziehen. Das gilt auch für ein weibliches Trio, das die Plätze sechs bis acht auf der Liste besetzt. Ulrike Alt aus Pleinfeld, die bereits seit 2002 im Kreistag sitzt, Manuela Mühlöder, die zwischenzeitlich in Weißenburg als OB-Kandidatin gehandelt wurde, sowie die Gunzenhausener Gastronomin Suzi Streckel, die mit ihrem Mann unter anderem drei Mc-Donalds-Restaurants in der Region betreibt.
Die beiden aktuellen Kreisräte Dr. Alexander Kohler aus Weißenburg und Karl Auernhammer aus Burgsalach finden sich auf den Plätzen elf und zwölf und dürfen sich damit ebenfalls Chancen ausrechnen.
Sicher sagen kann das im Vorhinein aber ohnehin niemand, da bei den Kommunalwahlen viel Bewegung in den Listen ist. Die Wähler können ihre 60 Stimmen für den Kreistag quer durch alle Listen verteilen und dabei bis zu drei Stimmen pro Kandidat vergeben und sie so nach oben und nach unten wählen.
Mit der Excel-Liste im Bett
Verantwortlich für die Suche nach den passenden Kandidatinnen und Kandidaten war Josef Miehling. „Ich habe die vergangenen Wochen mit dieser Excel-Liste in meinem Bett geschlafen“, ließ er bei der Versammlung schmunzelnd wissen.
Wolfgang Hauber dankte ihm für das Engagement und stellte fest, dass man mit einem Durchschnittsalter von 53 Jahre nur drei Jahre über dem Altersschnitt der wahlberechtigten Landkreisbürger liege.
In Sachen Geschlechtergleichheit sei man allerdings noch nicht am Ende, räumte Hauber ein. Lediglich elf Frauen finden sich auf der Liste, das sind zwei weniger als bei der CSU im Landkreis. Regional kommen die FW-Kandidaten aus 13 der insgesamt 27 Gemeinden des Landkreises.
Weißenburg als Spitzenreiter
Mit zwölf Kandidaten hat Weißenburg die Nase vorn, gefolgt von Pleinfeld (9), Gunzenhausen (8), Ellingen (7) und Treuchtlingen (6). Beruflich ist auf der Freien-Wähler-Liste eine bunte Vielfalt vertreten. Vom Landwirt, Schreiner und Schlosser über Verwaltungsangestellte, Erzieher und Bademeister bis hin zu Rechtsanwälten, Ingenieuren oder einem Patentprüfer.
In seiner Rede betonte Miehling, dass die Freien Wähler für Sachpolitik stünden. „Wir machen keine reine Opposition. Wenn jemand anders eine gute Idee hat, dann stimmen wir da auch zu.“ Man sei stolz darauf, keinen Fraktionszwang zu haben. „Bei uns ist jeder gefordert, seine Meinung einzubringen. Wir haben hier nicht ein, zwei Vordenker, die die Richtung vorgeben. Alle müssen mitmachen und für ihre Meinung einstehen.“
Die Freien Wähler stünden auch für Offenheit, Toleranz und Gleichberechtigung. Dabei ist aus Sicht von Miehling eine pragmatische und transparente Politik das beste Mittel, um extremistischen Kräften Einhalt zu gebieten. „Das ist unsere Aufgabe, eine Politik zu machen, mit der die Menschen zufrieden sind, dass sie gar keinen Anlass haben, irgendwelchen Rattenfängern, die von der rechten Seite kommen, hinterherzurennen.“
Nicht gleich „Nazis raus“ schreien
Er plädierte auch vehement dafür, mit AfD-Wählern ins Gespräch zu gehen und sie mit Sachargumenten zu überzeugen. „Es ist auch unser Auftrag mit diesen Leuten uns auseinanderzusetzen, es ist nicht hilfreich, wenn man da gleich ‚Nazis raus‘ schreit.“
In der aktuellen Kreispolitik forderte er einen anderen politischen Stil. Klare Kritik übte Miehling an dem neuen Wasserschutzprogramm KeepWater4Later. Er sprach von „Alibi- und Feigenblattmaßnahmen“. „Wenn man jetzt eine ehemalige Güllegrube mit Wasser füllt und das als innovativ verkauft, das ist ja lachhaft“, so Miehling. „Da kommt ja jeder normale Mensch drauf.“
Bei den Personalkosten im Kreis sieht er einen wichtigen Ansatzpunkt, Kosten einzusparen. „Wir müssen den Bürgern auch wieder sagen, dass sie sich ein bisschen mehr selber um ihre Sachen kümmern müssen, dass ihnen der Kreis nicht alles abnehmen kann.“ Man brauche keine Zukunftsinitiative, die allen die Verantwortung nimmt, man brauche vielmehr Eigeninitiative.




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