Weißenburg - Die Liste steht: Am Montag stellte die SPD ihre Stadtratsliste für die Wahl 2026 vor und wagte sich somit als erste Partei aus der Deckung. Neben bekannten Gesichtern konnte die Partei auch einige Neuzugänge gewinnen. Wer steht auf welchem Platz?
22.10.2025 05:00 Uhr

Im Café Retiro fand die Wahl statt. Einstimmig nahmen die 35 anwesenden Wahlberechtigten den Listenvorschlag des Ortsvorstands an, an dem dieser in den letzten Monaten getüftelt hatte. Stadtrat Gerhard Naß, der nicht mehr antritt und an diesem Abend den offiziellen Part übernommen hatte, erklärte, dass der Vorstand im Vorfeld viele Gespräche geführt hatte und alle mit ihrem Listenplatz einverstanden seien. Die SPD ist mit fünf von 24 Sitzen aktuell die zweitstärkste Fraktion im Stadtrat. Bei der Wahl 2014 hatte sie acht Sitze erreicht.

OB Jürgen Schröppel, OB-Kandidatin Eva Reichstadt und Elisabeth Pecoraro waren sich an diesem Abend einig: Man habe eine „tolle Truppe“ (Schröppel) zusammengetrommelt, die „die Stadt repräsentiert“ (Reichstadt). Man freue vor allem auch, „so viele neue Gesichter“ mit auf der Liste zu haben (Pecoraro).

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Eva Reichstadt bei der Vorstellung der Listenkandidatinnen und -kandidaten. © Ina Brechenmacher

Spitzenplätze besetzt

Nicht überraschend: Eva Reichstadt (45; Alter jeweils zum Zeitpunkt der Wahl), die Oberbürgermeisterkandidatin der SPD, führt die Liste auf Platz eins an. Hinter ihr steht Stadtrat und Fraktionsvorsitzender Andreas Kreißl (41). Der Anwalt war 2022 für Inge Pfitzinger-Miedel in den Stadtrat nachgerückt, 2024 übernahm er den Fraktionsvorsitz von Andre Bengel und wurde lange als OB-Kandidat gehandelt.

Auf Platz drei folgt Stadträtin und Vorsitzende des SPD-Ortsvereins Elisabeth Pecoraro (62). Pecoraro bedauere es, im Hinblick auf fehlende Wohnungen in den letzten Jahren nicht mehr erreicht zu haben. Das Thema liege ihr weiterhin sehr am Herzen. Sie würde sich zudem wünschen, dass künftig die demokratischen Parteien im Stadtrat enger zusammenarbeiten. Es folgt Pecoraros Stellvertreter im Ortsverein, Rüdiger Schmidt (40). „Ich glaube, dass Weißenburg Fahrradstadt kann“, sagte das Mitglied des Umweltbeirats zu einem seiner großen Anliegen.

Junge Neuzugänge

Auf einem starken fünften Listenplatz: Gözde Cömert (31). In einer sehr starken Rede erzählte die gebürtige Weißenburgerin von ihrer Familie, die in der Türkei politisch aktiv war und sich schließlich entschied, dem Vater aus Sicherheitsgründen nach Deutschland zu folgen. „Ich möchte auch ein Beispiel sein, dass wir hierher gehören und dass jede Stimme wichtig ist und zählt“, unterstrich die Betreiberin eines nachhaltigen Reisebüros. Ihr liege unter anderem nachhaltiges Wirtschaftswachstum am Herzen.

Gözde Cömert
Gözde Cömert tritt auf dem fünften Listenplatz für die Weißenburger SPD an. © Ina Brechenmacher

Auf Platz sechs steht ein politischer Newcomer, der in den letzten Jahren immer häufiger von sich Reden machte: Taylan Yildiz (20) ist das jüngste Listenmitglied. Der Vorsitzende des Jugendparlaments und Unterbezirksvorsitzender der Jusos setzt sich auch überregional für Jugendvertretungen ein. Er will sich dafür stark machen, dass junge Menschen nicht wegziehen, sondern der Stadt erhalten bleiben. Für seine Rede erntete er großen Applaus.

Tanja Raus-Freudenberg
Tanja Raus-Freudenberg tritt auf Platz 7 der Stadtratsliste der SPD Weißenburg an. © Ina Brechenmacher

Ein neuer Name: Tanja Raus-Freudenberg (45) auf Listenplatz sieben. Die alleinerziehende Mutter zweier Kinder arbeitet bei der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg. Die studierte Soziologin will ihre Erfahrungen aus dem Bereich „zwischen der Vereinbarkeit von Care-Arbeit und Beruf“ einbringen und Netzwerkerin für Frauen und Familien sein. Auf Platz acht folgt ein bekanntes Gesicht: Stadtrat und SPD-Kreisverbandsvorsitzender Harald Dösel (53). Der FOS/BOS-Lehrer ist seit Jahren im Landkreisbündnis gegen Rechts aktiv und würde unter anderem gerne das Wohnbauprojekt „Sigwart-Areal“ vorantreiben.

Plätze 9 bis 17

Weiter auf der Liste stehen: Sabine Britz (49), Gruppenleiterin in einer integrativen Kita und Mitglied des neuen Inklusionsbeirats, Martin Wagner (36), Familienvater, Altstadtbewohner, Beer-Pong-Spieler und Mitglied des SPD-Vorstands, Wiltrud Barth (38), die im Museumspädagogischen Zentrum München arbeitet und sich für Städtebau und Denkmalpflege interessiert, deren Mann Filip Barth (32), der seit vier Jahren Industriemeister ist, gerne Bier braut und Darts spielt und Inge Behrens (80), die seit zwei Jahren in Weißenburg lebt uns als Mutter von Eva Reichstadt „ein ausgesprochener Fan der Bürgermeisterkandidatin“ ist.

Es folgen Mario Bartolovic (58), der bei OP Mobility arbeitet und dort im Betriebsrat sitzt, Kornelia Goth (70), langjähriges SPD-Mitglied und einst Bankkauffrau und Personalratsvorsitzende bei der Sparkasse, Silas König (27), der in Oberhochstatt lebt und als Jugendbildungsreferent arbeitet, und Anette Fay (62), Geschäftsführerin.

Plätze 17 bis 24

Auf Platz 18 folgt Taulant Toplana (31), vierfacher Vater, Verfahrensmechaniker und Gastronom in den Andreasstuben, Roland Hitschfel (67), langjähriges aktives Mitglied der SPD in Weißenburg und Ellingen und Thomas Fay (66), der jüngst am Kreiswahlprogramm mitgearbeitet hat.

Auf Platz 21 steht der einzige parteilose Kandidat der SPD-Liste: Harald Rühl (54) betreibt eine Praxis für Psychotherapie. Es folgen Christian Kazor (38), der als aktives SPD-Mitglied sein „Café Retiro“ für den Anlass zur Verfügung stellte und Martin Britz (61), der bei der Lebenshilfe Altmühlfranken arbeitet und schon einmal für dreieinhalb Jahre im Stadtrat als Nachrücker saß. Den letzten Platz belegt Stadtrat Andre Bengel (61), der mit seiner Kandidatur Eva Reichstadt unterstützen will.

Kämpferische Töne

Rund um die Abstimmung gab es kämpferische Töne zu hören, die die Genossinnen und Genossen auf den Wahlkampf einstimmen sollten. Pecoraro freue sich darauf, am Weltfrauentag, auf den die Kommunalwahl fällt, Eva Reichstadt als Oberbürgermeisterin begrüßen zu dürfen. OB Schröppel erinnerte an den „roten Tsunami“, der im Wahljahr 2008 durch den Landkreis gerollt war. „Unser Ziel ist: Wir spielen nicht auf Platz, sondern auf Sieg“, fügte er hinzu. Ina Brechenmacher