
Die Deutsche Bahn legt mit den Sanierungsarbeiten an den historischen Pegnitzbrücken los und richtet dafür eigens eine Task-Force Pegnitzbrücken ein. Sie soll die Instandsetzung koordinieren, um die Strecke zwischen Hersbruck und Pegnitz spätestens bis Februar 2026 wieder befahrbar zu machen, wie der Leiter Anlagen- und Instandhaltungsmanagement Region Süd bei DB InfraGO AG, Stephan Schmidt, dem Kreistag Nürnberger Land in einem Vortrag mitteilt.
Die Brücken auf der rechten Pegnitztalstrecke stammen allesamt aus der Zeit zwischen 1899 und 1920 und müssen umfassend saniert oder gar neu gebaut werden. Von den insgesamt 23 Eisenbahnbrücken wurden bisher fünf erneuert, 18 Bauwerke stehen noch aus. Eingehende Untersuchungen – inklusive Bohrungen in den Untergrund – hätten gezeigt, dass vorübergehende Sicherungsmaßnahmen notwendig sind, bis die eigentliche Instandsetzung oder Neuerrichtung (voraussichtlich ab 2030) erfolgt, heißt es in der Pressemeldung des Landratsamtes Nürnberger Land.
Für jede Brücke im Pegnitztal gibt es einen „digitalen Zwilling“
Für jede Brücke wurde ein dreidimensionales Modell – ein „digitaler Zwilling“, so Schmidt – erstellt, um auftretende Druckkräfte und ihre Abtragung in den Untergrund nachvollziehen zu können. Dabei sei festgestellt worden, dass es Unregelmäßigkeiten bei der Kraftaufnahme der Widerlager gibt. Auf Basis von Berechnungen von Fachleuten werde jedes einzelne Widerlager so ertüchtigt, wie es für den vorübergehenden Weiterbetrieb der alten Brücken erforderlich ist. So werden beispielsweise Anker gesetzt, um eine zusätzliche Standsicherheit zu gewährleisten, oder die Gründungen der Widerlager mit Beton verfüllt, um die Grundbruchgefahr (das bedeutet, dass der Boden unter einer Brücke oder unter deren Fundamenten, den sogenannten Widerlagern, die Last der Brücke nicht mehr sicher tragen kann) zu bannen. Ein solcher Grundbruch vollzieht sich plötzlich und ohne Ankündigung, erläuterte der Experte den Kreistagsmitgliedern. Daher mussten die Brücken vorsorglich kurzfristig gesperrt werden.
Bereits umgesetzt worden seien erste Entlastungsmaßnahmen für die ÖPNV-Nutzer: So sei ein Schienenersatzverkehr eingerichtet und in die elektronische Fahrplanauskunft eingebaut sowie das Parken am Bahnhof rechts der Pegnitz in Hersbruck gebührenfrei gestellt worden. Darüber hinaus gebe es wöchentliche Abstimmungen der DB InfraGO mit den betroffenen Landkreisen, Städten und Gemeinden und eine enge Zusammenarbeit mit den zuständigen Denkmalschutzbehörden.
Landrat Kroder zur Elektrifizierung der Strecke: „Dann gibt es kein Zurück mehr“
Parallel dazu liefen die Planungen für die Elektrifizierung der Strecke Nürnberg – Marktredwitz – Schirnding – Staatsgrenze zu Tschechien. Die Brücken werden so gebaut, dass die Elektrifizierung der Strecke möglich ist, heißt es in der Pressemeldung des Landratsamts weiter. Im Fokus der Überlegungen stünden gegenwärtig die erforderlichen Aufweitungen der Tunnelbauwerke. Da die Wirtschaftlichkeit der Elektrifizierung erwiesen ist (Nutzen-Kosten-Verhältnis von 1,06), stehe nunmehr die Frage der Finanzierung im Mittelpunkt. Ein Termin zwischen dem Bundesverkehrsministerium und dem Freistaat Bayern zur Klärung dieser Frage stehe aber noch aus. „Wenn sich Bund und Land über die Finanzierung einigen, dann gibt es kein Zurück mehr“, zeigte sich Landrat Armin Kroder in der Kreistagssitzung zuversichtlich.
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1 Kommentar
HansL
Was passiert im Moment? Man untersucht anscheinend erst mal, wie groß die Schäden der Fundamente wievieler Brücken sind.
Gibt es die Chance bis Februar, dass die vorläufigen Reparaturen wieder Bahnverkehr erlauben?
Zwischeninformationen wären schön.
Aber dann? Ist die Strecke überhaupt zu retten? Mit welchen Kosten?
Sollte man als Plan B nicht doch einen Neubautunnel zwischen Vorra und Neuhaus in Erwägung ziehen?
28.10.2025 17:28 Uhr