Nürnberg - Das Land steckt in einer Wachstumskrise, die Konjunktur stagniert seit Jahren. Es gilt, an der Spitze des Fortschritts zu stehen - nicht, alte Stärken künstlich zu bewahren. Dafür braucht es mehr Mut aller, kommentiert Alexander Jungkunz.
28.12.2025 17:55 Uhr

Sie bringen vor allem Männer zum Strahlen und Schwärmen: Oldtimer jedweder Art. Dampflokomotiven, zu erleben im Verkehrsmuseum Nürnberg oder im Museum Neuenmarkt - was für machtvolle Ungetüme! Alte Autos, wie sie auch hier in der Region in etlichen Ausstellungen zu bestaunen sind - wie elegant waren diese Limousinen damals!

Aber es sind eben alles: Oldtimer. Reif für Museen. Veraltete Technik. Wir können froh sein, nicht mehr darauf angewiesen zu sein. Die neuen Züge - okay, heikles Feld bei der DB, noch jedenfalls - sind schneller, leiser, effektiver. Das gilt auch für Elektroautos.

Das Aus vom Verbrenner-Aus bremst die bessere Technik künstlich aus

Doch wir bremsen die neue, bessere Technik nun künstlich aus, weil die Politik in Europa, angetrieben vor allem durch die deutsche Regierung, länger am Verbrenner festhalten will. Das gefällt vielen Autofahrern, die ja auch Wähler sind, der Beschluss ist populär.

Richtig ist er trotzdem nicht: Sämtliche Experten schütteln den Kopf angesichts des Hin und Hers der Politik. Auch die Hersteller hätten lieber das, was für sie entscheidend ist: Klarheit und damit Planungssicherheit. Nun fahren sie notgedrungen doppelgleisig - und die Konkurrenz vor allem aus China fährt den deutschen Produzenten noch mehr davon.

Da wird verlangsamt, was eigentlich zu beschleunigen und voranzutreiben ist: technischer Wandel, Innovation, Erneuerung. Wir stecken, konstatieren Ökonomen, in einer „Erneuerungskrise“: Die alten Erfolgsmodelle schwächeln, aber die neuen Hoffnungsträger kommen nicht genügend in Fahrt - auch wegen des Schlingerkurses der Politik.

Dabei kann Deutschland es wieder schaffen, aufzuholen und Spitzenpositionen zu erlangen. Wie? Mit mehr Mut, alte Pfade zu verlassen und neue zu gehen. „Vorsprung durch Technik“ hieß der Werbespruch eines Automobilherstellers. Für ihn stimmt das noch - für andere Bereiche der Wirtschaft nicht mehr.

„Wir trauern dem letzten Rest des Wirtschaftswunders hinterher“

„Im Grunde trauern wir gerade dem letzten Rest des Wirtschaftswunders hinterher. Damit müssen wir aufhören“, sagt der Arbeitsmarktexperte Enzo Weber vom Nürnberger IAB. Das wäre doch ein guter Vorsatz fürs kommende Jahr: den Wandel offensiver angehen anstatt ihn zu verhindern oder zu verlangsamen - denn das verlängert nur die deutsche Stagnation, die es zu beenden gilt.

Das Rezept ist eigentlich bekannt: Menschen vernetzen sich - mit immer besseren, effizienteren Methoden. Einst waren es Postkutschen, dann kam die Bahn, die Kutschen und Schiffe verdrängte, dann das Auto. Oder Brieftauben, verdrängt vom Telegraph, dann das Telefon, nun Internet mit Künstlicher Intelligenz, die - klug genutzt und geregelt - zum Produktivitäts-Turbo werden kann.

Und den brauchen wir, gerade in Deutschland - weil uns die Arbeitskräfte ausgehen, wenn die Babyboomer in Rente gehen. Auch das ist eine enorme Herausforderung - aber zu meistern, mit Entschlossenheit und Mut. Zaghaftigkeit zerstört da die Chancen, die wir haben. Und beherzt ergreifen sollten.