Nürnberg - Ob im Meeting, in der Kantine oder auf dem Flur: Das „Du“ als Anrede gehört für viele längst zum Arbeitsalltag. Unter Kollegen sollte man sich grundsätzlich duzen, schreibt Volontärin Andrea Baumann in ihrem Pro-Kommentar.
06.10.2026 11:55 Uhr

Duzen ist nicht respektlos – im Gegenteil: Es kann die Zusammenarbeit einfacher machen. Deshalb sollte in Unternehmen grundsätzlich das „Du“ gelten, vom Azubi bis zur Chefetage.

Natürlich kann man seine Kolleginnen und Kollegen weiterhin siezen. Man kann vor jeder Frage überlegen, ob nun das „Sie“ oder das „Du“ angebracht ist. Man kann es kompliziert machen – nötig ist das aber nicht.

Denn das „Du“ ist schlicht umgänglicher. Es schafft Nähe, ohne automatisch Grenzen einzureißen. Wer sich duzt, begegnet sich sprachlich weniger distanziert, und das kann gerade im Team guttun. Eine gemeinsame „Du“-Anrede kann auch über Abteilungen und Hierarchiestufen hinweg Kommunikationshürden abbauen und das Gefühl stärken, gemeinsam an einer Sache zu arbeiten. So trägt das „Du“ zu einer Unternehmenskultur bei, die Vertrauen, Zugänglichkeit und Zusammenarbeit fördert.

Das gilt besonders für Unternehmen, in denen Menschen mit unterschiedlichen Muttersprachen zusammenarbeiten. Für viele ist das deutsche System aus „Sie“, „Du“, Vor- und Nachnamen unnötig kompliziert. Wer kann wann wen duzen? Wer bietet es wem an? Welchen Unterschied machen Alter, Hierarchie und Vertrautheit? Eine einheitliche „Du“-Kultur nimmt diese sprachlichen Hürden, erleichtert die Kommunikation und vermeidet Unsicherheit und Missverständnisse.

Das „Sie“ schafft nur Distanz, nicht Professionalität

Häufig wird attestiert, das „Du“ sei respektlos und unprofessionell. Doch seit wann steckt Respekt in der bloßen Anrede? Wer seinen Chef duzt, kann ihn trotzdem ernst nehmen. Und wer seine Kollegin siezt, kann ihr dennoch respektlos begegnen. Entscheidend ist, wie Menschen miteinander umgehen und wie sie zusammenarbeiten.

Natürlich sollte niemand zum „Du“ gezwungen werden. Wer lieber beim „Sie“ bleibt, etwa um Distanz zu betonen, sollte das dürfen. Daraus folgt aber nicht, dass das „Sie“ der bessere Standard ist.

Duzen sollte das Normalste der Welt sein – auch gegenüber der Chefetage. Denn eine gute Führungskraft braucht keine sprachliche Abgrenzung, um Autorität auszustrahlen. Das „Du“ schafft auch keine Hierarchielosigkeit. Es erinnert vielmehr daran, dass im Unternehmen hinter jeder Position ein Mensch steht und am Ende alle gemeinsam für dieselbe Sache arbeiten.