
Siezen Sie noch oder duzt du schon? Egal ob im Café oder bei der Arbeit: Meist gilt inzwischen zweiteres. Das „Du“ ist als Anrede omnipräsent. Wer cool ist, der duzt. Das „Sie“ gilt vielen hingegen als ewiggestrig. Dabei kann diese Form der Anrede ein Zeichen der Wertschätzung sein, das es gerade im beruflichen Umfeld zu bewahren gilt.
Natürlich ergibt es etwa in der direkten Zusammenarbeit, in kleinen Unternehmen, auf einer Hierarchieebene oder unter Kollegen und Kolleginnen, mit denen man sich gut versteht, Sinn, das „Du“ zu wählen. Wechselt man aber die Perspektive, kann das „Sie“ zur besseren Strategie werden.
Suggeriert wird durch das Duzen eine Form der Egalität, die in Wirklichkeit nicht existiert. Die Vorgesetzten sind nun mal die Personen, die über Gehalt, Urlaub, Beförderung oder Kündigung urteilen. Es sind die Menschen, die im Zweifelsfall unangenehme Entscheidungen treffen. Eine gesunde Distanz in dieser Beziehung kann beiden Seiten dienen, um falsche Erwartungen gar nicht erst entstehen zu lassen. Das „Sie“ ist da die ehrlichere und klarere Form der Ansprache.
Auf Du und Du mit dem Chef allein reicht nicht für eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe
Dass im Arbeitsumfeld dennoch immer häufiger konsequent geduzt wird, gilt als Ausdruck einer lockeren Unternehmenskultur und eines Miteinanders auf Augenhöhe. Aber Vorstände und Vorgesetzte, die ihren Mitarbeitenden nun reihenweise das „Du“ anbieten und meinen, damit sei in Sachen guter Zusammenarbeit alles getan, machen es sich zu leicht. Zum einen entscheiden die kleinen Worte „Du“ und „Sie“ allein nicht über ein gutes Miteinander. Vielmehr besteht die Gefahr, dass das „Du“ vorgeschoben wird und keine wirklichen Anstrengungen für eine echte, angenehme Unternehmenskultur unternommen werden.
Zum anderen läuft das „Du“ immer Gefahr, allzu lapidar beim Gegenüber anzukommen. Gerade vom Vorgesetzten zum Mitarbeitenden kann mit dem „Sie“ eine ernst gemeinte Wertschätzung transportiert werden, während das „Du“ auch als respektlos missverstanden werden kann.
Nicht zuletzt wird das „Du“ durch die inflationäre Benutzung nahezu wertlos. Nur, wer erst einmal siezt, kann durch das Anbieten des „Du“ eine größere Sympathie zum Ausdruck bringen - über alle Hierarchieebenen hinweg.

2 Kommentare
WRDM
Wenn man bedenkt, dass in der englischen Sprache das du praktisch ganz verschwunden ist und nur noch im alten Gedicht- und Liedtexten vorkommt. In Frankreich wird das du eher selten gebraucht, auch iñerhalb der Verwandtschaft ist durchaus da sie gebräuchlich.
07.10.2026 08:36 Uhr