Nürnberg - Der Auftakt des Super-Wahljahrs 2026 beginnt für die CDU alarmierend: Sie hat sich den lange sicher geglaubten Sieg in Baden-Württemberg wohl auf den letzten Metern nehmen lassen. Was die erste Landtagswahl noch aussagt, kommentiert Alexander Jungkunz.
08.03.2026 18:23 Uhr

Friedrich Merz und seine CDU haben sich den Start ins Wahljahr 2026 ganz anders vorgestellt. Die Wahl in Baden-Württemberg galt als die am leichtesten zu nehmende Hürde vor den weiteren Abstimmungen in Rheinland-Pfalz (22. März), Sachsen-Anhalt (6. September), Mecklenburg-Vorpommern und Berlin (beide 20. September).

Lange hatte die CDU in Umfragen gut zehn Prozentpunkte Vorsprung im Südwesten - jahrzehntelang Stammland der Union, bis Winfried Kretschmann vor 15 Jahren der erste und bis zum Wahltag auch einzige grüne Ministerpräsident der Bundesrepublik wurde. Nun wird Cem Özdemir wohl der zweite - und sein Kontrahent Manuel Hagel hat der Union den Auftakt des Wahljahrs verhagelt.

Da trat ein alter Hase gegen einen weitgehend unerfahrenen Neuling an

Warum? Hagel ist nicht der alleinige Verantwortliche, aber gerade in den letzten Wochen zeigte er Schwächen (seine alten und neuen Auftritte in Schulen) und wurde nervös. Zudem konnte er den Bekanntheits-Vorsprung von Cem Özdemir nie aufholen: Da trat ein weitgehend unerfahrener Neuling gegen einen alten Hasen an.

Und: Wahlsieger Özdemir tat alles, um möglichst wenig grün zu wirken. Auf seinen Plakaten fand sich gar keine Partei, er sprach von den Bundes-Grünen als „Schwesterpartei“, tat so, als sei er eine Art CSU innerhalb der Grünen - und deutete auch an, den Ex-Grünen Boris Palmer zum Minister zu machen. Der Tübinger OB ist ebenso polarisierend wie populär - und holte eher bei Bürgerlichen Stimmen als im linken Lager.

Aber auch die Bundes-CDU machte es Hagel schwer. Spät erkannte man dort, dass es nicht gut ankommt, wenn man vom Kanzler abwärts der eigenen Bevölkerung viel zu pauschal Faulheit unterstellt. „Lifestyle-Teilzeit“ hat Chancen aufs Unwort des Jahres. Auch solche unnötig polarisierten Debatten sorgten dafür, dass der CDU in ihrem bisherigen Kerngebiet, der Wirtschaft, weniger Kompetenz zugetraut wird - zumal sie von Reformen mehr redet als sie umsetzt.

Nun wird sie wohl erneut nur Juniorpartner der Grünen mit ihrem Sonderweg im Südwesten - dessen Erfolg auch die Bundesspitze hellhörig machen wird: Mehr Pragmatismus, weniger moralinsaure Oberlehrerhaftigkeit würden der gesamten Partei kaum schaden.

Die SPD spielt im Süden des Landes kaum eine Rolle mehr und wird auch nicht gebraucht

Die SPD? Spielt im Süden des Landes kaum eine Rolle mehr und stürzte gewaltig ab. In manchen Kommunen schon, siehe Bayern. Aber sie wird weder hier noch in Baden-Württemberg gebraucht, spielt in der Lebenswelt kaum noch eine Rolle. Ihre Spitzenkandidaten sind im Bundesland selbst weitgehend unbekannt.

Die FDP hat es nicht einmal in ihrer einstigen Hochburg Baden-Württemberg mehr in den Landtag geschafft. Die Liberalen müssen nun ihre neue, ebenfalls kaum bekannte Spitze in Frage stellen, wollen sie überleben.

Und die AfD? Schnitt weniger stark ab als prognostiziert. Sie hat selbst im Westen inzwischen einen harten Kern an Stammwählern, denen auch die jüngsten Familienfilz-Skandale egal sind. Aber: Es sieht so aus, als habe sie bundesweit ihren Zenit erreicht.