Berlin - Nun droht Trump acht europäischen Staaten mit Strafzöllen, wenn sie sich seinen Grönland-Plänen widersetzen. Das kann die EU nicht hinnehmen. Nötig ist eine klare, einhellige Antwort - samt dem Werben für eine Lösung, kommentiert Alexander Jungkunz.
18.01.2026 10:14 Uhr

Es könnte so einfach sein: Die USA bauen ihren ohnehin schon vorhandenen, 1951 eingerichteten Stützpunkt auf Grönland aus - so, wie sie es für erforderlich halten. Dagegen regt sich keinerlei Protest, weder in Dänemark noch in Grönland noch in der EU. Denn alle wissen um die tatsächlich enorme strategische Bedeutung der größten Insel der Welt.

Es ist aber unglaublich schwierig, ja explosiv: Denn Donald Trump beharrt bisher kompromisslos darauf, dass die USA Grönland besitzen müssen. Entweder durch den Kauf des Territoriums oder notfalls auch mit militärischer Gewalt.

Eine Abstraf-Aktion gegen Partner, die nicht unterwürfig sind

Nun hat er diesen Anspruch drastisch untermauert: Trump will acht EU-Staaten, darunter auch Deutschland, schon ab Februar mit einem Strafzoll von zehn Prozent belasten, sollten sie sich seinen Einverleibungsplänen widersetzen. Ab Juni würden dann sogar 25 Prozent fällig.

Das ist nackte Erpressung. Eine Abstraf-Aktion gegen Partner, die nicht willfährig, ja unterwürfig sein wollen. Willkürlich ausgewählt - eigentlich müsste Trump fast die gesamte EU ins Visier nehmen, weil sie sich seinen Annexionsplänen widersetzt.

Kann sein, dass er nun überreizt hat. Auch in den USA gibt es Protest gegen seine Drohung. Nicht nur von Demokraten, auch von jenem Rest der Republikaner, der noch den Mut zum eigenen Denken und Reden hat. Sie sehen, was Trumps Manöver bewirken kann: eine Schwächung und Spaltung der Nato, sehr zur Freude von Russland und China. Denn deren Geschäft betreibt Trump.

Wenn nämlich ein - und zwar das mit Abstand wichtigste - Nato-Mitglied ein anderes bedroht und womöglich besetzt, dann ist er da: der Frontalangriff auf das gemeinsame Bündnis. Dann könnte es passieren, dass die EU mutig genug ist, eine Art europäische Nato ins Leben zu rufen. Experten wie Herfried Münkler denken in diese Richtung - als Signal an die USA und Lebenszeichen Europas.

Trump steht unter wachsendem Druck

Trump selbst steht unter wachsendem Druck, seine Umfragewerte sind schlecht. Hohe Preise ärgern viele Amerikaner, seine imperialistischen Anwandlungen kommen gerade bei der Maga-Bewegung nicht gut an - dort setzen viele darauf, dass sich Amerika raushält statt einmischt.

Deswegen braucht es nun klare, unmissverständliche Antworten. Notfalls kann die EU ihre Zoll-Politik gegenüber den USA aufkündigen und selbst Zollschranken errichten. Besser wäre es, ihr Gegenmodell zu Trumps Brechstangen-Politik machte Schule: Freier Handel erhöht den Wohlstand, nicht Abschottung - das endlich unterzeichnete Mercosur-Abkommen setzt da ein Zeichen.

Mehr internationale Kooperation kann ein Weg sein, um die US-Abhängigkeit zu verringern. Der Besuch von Friedrich Merz in Indien ist ein Ansatz.

Es braucht ebenso rasche wie klare Antworten auf Trumps Wildwestpolitik. Mit dem Angebot einer gemeinsamen Lösung für Grönland. Und: Es wäre keineswegs das erste Mal, dass der irrlichternde US-Präsident dann seinen Kurs (sofern vorhanden) ändert.