
Manche mag ein ungutes Gefühl beschlichen haben, als sie davon hörten, dass 13 deutsche Soldaten gemeinsam mit Vertretern anderer europäischer Armeen zu einer sogenannten „Erkundungsmission“ nach Grönland aufbrechen. Diese Unruhe dürfte ganz unterschiedliche Gründe haben.
Den einen wird es zu wenig sein, nach dem Motto: „Was soll eigentlich ein gutes Dutzend Bundeswehrangehöriger dort ausrichten? Das beeindruckt doch niemanden“. Den anderen ist es vermutlich bereits höchst unangenehm, dass sich Deutschland wieder mal irgendwo weit abseits der Landesgrenzen engagiert.
Die Erkundungsmission ist genau die richtige Maßnahme, nur viel zu spät
Dabei ist diese Erkundungsmission, so rätselhaft ihr Name auch sein mag, genau die richtige Maßnahme. Europäische Union und Rest-Nato (außer den USA) mussten dringend etwas unternehmen, um Donald Trump zu zeigen, dass sie kein zweites Venezuela sein wollen, in das man mal über Nacht eindringt. Ständiges Empörtsein - das können die Europäer besonders gut - reicht garantiert nicht aus, um den Präsidenten auch nur eine Sekunde zum Nachdenken zu bringen.
Wenn man überhaupt etwas kritisieren will an der Aktion, dann die Tatsache, dass sie um viele Monate zu spät kommt. Schon nach Trumps ersten Äußerungen zum „Appetithappen“ Grönland hätte sich Europa etwas einfallen lassen müssen. Vor allem hätte man dem Präsidenten Angebote machen müssen, wie man gemeinsam mehr für die Sicherheit dieser tatsächlich durch russische und chinesische Übergriffe bedrohten Region tun könnte.
Erst Venezuela hat viele auf dem alten Kontinent davon überzeugt, dass der alte Mann im Weißen Haus nicht nur daherschwadroniert, sondern es sehr ernst meint mit der Schaffung amerikanischer Sicherheitszonen allüberall. Grönland bietet ihm alles, was er will: geostrategische Bedeutung, verwertbare Bodenschätze und jede Menge „Make-America-Great-Again“-Symbolik.
Kann Europa verhindern, dass sich Trump trotz aller Kompromissangebote die größte Insel der Welt einfach unter den Nagel reißt? Nein. Die USA haben das militärische und politische Potenzial, Grönland zu besetzen. Niemand wird deswegen einen Krieg mit der Weltmacht wagen. Sie müssen einfach nur erklären, dass es nun ihnen gehört.
Informell könnten die Amerikaner Grönland ohne weiteres für sich vereinnahmen
Aber solche Aktionen wie jetzt die multinationale Präsenz zeigen wenigstens einen Hauch von Widerstand. Dem US-Präsidenten könnte ja klar werden, dass er die Insel informell „haben“ kann (oder sie sogar schon hat). Mit dem Einverständnis Europas wäre es sicher möglich, gemeinsame Truppen dort zu stationieren und trotzdem den Anschein zu wahren, Grönland sei nicht einfach so „kassiert“ worden.
Ein „Deal“ nach Trump´ scher Manier böte sich an. Aber es gibt viele Anzeichen dafür, dass er diese Phase überschritten hat. Er hat es einmal erfahren, dass er sich nehmen kann, was er will. Warum sollte er da nach seiner Logik noch mühsame Verhandlungen eingehen und Kompromisse schließen. Der Hunger des Potentaten nach Ländern scheint längst nicht gestillt.


1 Kommentar
Korrekturleser
Der Vergleich mit Venezuela hinkt gewaltig weil die Motivation eine völlig andere ist.
„Ständiges Empörtsein - das können die Europäer besonders gut...“
Und in Deutschland sind wir die besten in Europa.
„Die USA haben das militärische und politische Potenzial, Grönland zu besetzen.“
So ist es. Völlig egal, ob 13 oder 13.000 oder 130.000 Soldaten der besten Bundeswehr aller Zeiten nach Grönland geschickt werden.
„Mit dem Einverständnis Europas...“
Was bitteschön geht das „Europa“ an? Die Grönländer und Dänen müssen entscheiden, was in ihrem Land vor sich geht. Warum sollen z. B. Bulgarien, Malta oder Weißrussland (auch das liegt zweifellos in Europa!) da mitzureden haben?
16.01.2026 14:03 Uhr