Berlin - Männer zerstören die Welt. Darf man das sagen? Ist das nicht allzu pauschal? Harald Baumer belegt diese These in seinem Kommentar.
03.09.2025 11:16 Uhr

Nein, der folgende Leitartikel ist weder männer- noch altersfeindlich. Das wäre schon deswegen höchst unwahrscheinlich, weil der Verfasser selbst ein Mann ist, sich nicht mehr in seinen jüngsten Jahren befindet und mit beiden Attributen durchaus nicht hadert. Er ist gerne Mann und möchte auch keine 30 oder 40 mehr sein.

Aber trotzdem wird hier eine These aufgestellt, die nicht sehr freundlich mit bestimmten Vertretern dieser Geschlechts- und Altersgruppe umgeht. Und die lautet: Alte Männer zerstören die Welt.

Längst überholte Männerideen

Einer von ihnen will die USA immer offener zu einer Autokratie umbauen, in der die Gewaltenteilung nichts mehr zählt - Donald Trump (79). Ein anderer führt mitten in Europa einen Angriffskrieg gegen ein anderes Land und hat nach eigenen Angaben noch sehr viel mehr Appetit auf Landgewinne - Wladimir Putin (72). Ein Dritter verfolgt das alles mit höchstem Interesse und hat längst auch ein Auge auf ein zu eroberndes Territorium geworfen, nämlich Taiwan - Xi Jingping (72).

Kann es Zufall sein, dass es sich um drei Männer handelt, die nach modernem Verständnis längst im Ruhestand sein sollten? Nein. Der windige Immobilienmogul aus New York, der Ex-Geheimdienstler aus Moskau und der altgediente Parteifunktionär aus Peking vertreten längst überholte Thesen, die sie von Jugend an verinnerlicht haben. Der Stärkste, der Ruppigste gewinnt, lautet das auf den Punkt gebracht. Alles andere zählt für sie nicht.

Dass die Welt vernetzt ist und ein Handelskrieg a la Trump allen schadet, auch den USA, ist dem Urheber der Idee nicht bekannt. Dass ein Krieg Hunderttausende von Menschen das Leben kostet und schlimmstenfalls zum atomaren Untergang für alle führt, juckt einen Putin vergleichsweise wenig. Diese Männer sehen nur sich und ihren Machtanspruch.

Wie sehr würde man sich wünschen, dass ihre Staaten von Frauen regiert werden, die im Zweifelsfalle lieber noch einmal überlegen, ehe sie eine Entscheidung treffen. Wie wohltuend wäre es, wenn mal nicht das Adrenalin die Weltpolitik bestimmt.

Der Gewinner schnappt sich alles

Frauen sind nicht die besseren Menschen. Aber sie wurden häufiger als Männer nicht Zeit ihres Lebens auf das Motto „The winner takes it all“ („Der Gewinner schnappt sich alles“) hin trainiert. Das ist schon mal ein großer Fortschritt. Junge Regierungschefinnen in Skandinavien, im Baltikum und anderswo auf der Welt gaben und geben ein wunderbares Beispiel dafür, wie eine bessere Zukunft aussehen könnte.

Tragisch übrigens, dass in den USA die eine Alterssturheit - nämlich das allzu lange Beharren des senilen Joe Biden auf seiner Kandidatur - der anderen Alterssturheit zum Sieg verhalf. Und so wird Trump, der mächtigste Mann des Globus, bald seinen 80. Geburtstag feiern. Kaum zu erwarten, dass sich irgendetwas bei ihm zum Besseren wendet. Eher das Gegenteil. Die anderen beiden, Putin und Xi, sind sowieso auf Lebenszeit Präsidenten. Es kann also noch lange so weitergehen wie jetzt.