Berlin - Donald Trump ist wie viele populistische Politiker auf der Welt gegen jede Art von persönlichen Vorwürfen immun. Harald Baumer erläutert in seinem Kommentar, warum derartiges seine Fans nicht im Geringsten stört.
24.07.2025 12:20 Uhr

Blenden wir kurz zurück in das Wahlkampfjahr 2016. Damals zählte das sogenannte „Pizzagate“ zu den großen Aufregern in den USA. Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton wurde aus dem ultrarechten Lager allen Ernstes vorgeworfen, sie sei in einen Kinderpornoring verwickelt, der vom Keller einer Pizzeria in Washington aus agiere. Eine absolut krude Verschwörungstheorie, wie sich später herausstellte. Aber nicht wenige schenkten dem Glauben.

Und nun ins Jahr 2025. Da taucht ein Beleg nach dem anderen auf, der Donald Trump in die Nähe des rechtskräftig verurteilten, inzwischen gestorbenen Sexualverbrechers Jeffrey Epstein bringt. Trumps Name steht in den Akten, es gibt nach Recherchen des Wall Street Journal einen Geburtstagsbrief mit der von Hand gezeichneten Silhouette einer nackten Frau, auf Fotos sind beide mit sehr jungen Frauen zu sehen.

Trump und Epstein: Bisher blieb nichts hängen

Wohlgemerkt, all das sind noch keine Beweise. Aber es ist doch so viel mehr als das lachhafte Konstrukt, das Hillary Clinton damals ernsthaft schadete. Bei Trump scheint das nicht der Fall. Erstens mal kann er (zumindest den demokratischen Regeln zu Folge) sowieso nicht mehr gewählt werden, ihm kann also fast alles egal sein. Zweitens hat ihm bisher noch keine Geschmacklosigkeit, Unverschämtheit oder Obszönität geschadet.

Trump kann offensichtlich in den Augen von rund einer Hälfte der Amerikaner so gut wie alles machen, sich Flugzeuge schenken lassen, sein Präsidentenamt zur Bereicherung des Familienvermögens nutzen und vieles mehr. Er scheint immun gegen Vorwürfe jeglicher Art und zudem hat ihm ja das höchste Gericht auch noch eine komplette Immunität für das zugesichert, was er in seiner Amtszeit tut.

Damit nicht genug. Wenn der Präsident im Kreuzfeuer steht, dann zündet er sofort Blendgranaten. Er bezeichnet die Medien, die Vorwürfe gegen ihn erheben, als „Müllzeitung“ und droht mit zehn Milliarden Dollar Schadenersatz. Und er startet eine Kampagne gegen Ex-Präsident Barack Obama, der Wahlkampfmanipulationen betrieben haben soll. Alles sehr durchschaubar, aber innerhalb gewisser Grenzen funktioniert es immer wieder.

Donald Trump und die Populisten dieser Welt: Sie schütteln sich nur kurz

Das „Wunder“ der Immunität in persönlichen Angelegenheiten teilt Donald Trump mit den Populisten aller Länder. Wo im Lager der bürgerlichen Mitte ein einziger der unappetitlichen Vorwürfe reichen würde, um dauerhaft erledigt zu sein, da schütteln sich die betroffenen „Volkstribunen“ nur kurz und machen weiter bis zum nächsten Skandal.

Das Geheimnis dieser Herrschaften: Sie werden ja gar nicht erst gewählt, weil man sie für besondern integer hält. Sie werden gewählt, weil sie Störenfriede, Disruptoren und Vollstrecker einer völlig neuen staatlichen Ordnung sein sollen. Persönliche Verfehlungen zählen da nicht im Geringsten.


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