Nürnberg - Von Bratwurst bis Karpfen: Die Metropolregion Nürnberg hat anlässlich ihres Jubiläums den Wunsch bekräftigt, als erste deutsche Region zum Welterbe Agrarkultur ernannt zu werden. Im Fokus steht das agrarkulturelle Erbe mit historischen Systemen.
05.11.2025 15:48 Uhr

Seit 20 Jahren besteht die Metropolregion Nürnberg. Darin zusammengeschlossen haben sich 23 Landkreise und elf kreisfreie Städte. Und diese bilden auch eine Agrarkultur. Dieser soll eine einzigartige Ehre zuteilwerden.

Anlässlich des Jubiläums bekräftigte die Initiative - ein Zusammenschluss aus Kommunen, Landwirtschaftsverbänden, Kulturinstitutionen, Universitäten und zivilgesellschaftlichen Gruppen - ihre Ambition, sich um den Titel Welterbe Agrarkultur bewerben zu wollen. Die Metropolregion Nürnberg wäre die erste Region Deutschlands, der der Titel verliehen werden könnte. Im Mittelpunkt der Initiative steht das agrarkulturelle Erbe der Region – eine Verbindung von traditioneller Landwirtschaft, regionaler Ernährungskultur und nachhaltiger Pflege der Kulturlandschaften.

Agrarerbe
Sie werben für die Metropolregion als Welterbe Agrarkultur (v.l.): Martin Schöffel (Staatssekretär im Ministerium der Finanzen und für Heimat), Christa Standecker (Geschäftsführerin Metropolregion Nürnberg), Günther Felßner (Präsident des Bayerischen Bauernverbands), Klaus Peter Söllner (Landrat Landkreis Kulmbach) und Marcus König (Oberbürgermeister Stadt Nürnberg). © RUDI OTT

Mit dem Vorhaben möchte die Region ein Zeichen setzen: „Für den Erhalt historisch gewachsener, nachhaltiger Agrarsysteme – und für deren Wert für eine zukunftsfähige Ernährung und Landnutzung. Die Region blickt auf eine jahrhundertealte Agrargeschichte zurück: vom Nürnberger Knoblauchsland über die Karpfenteichwirtschaft bis hin zu Weinbergen, Hopfenanbau und Streuobstwiesen“, heißt es in einer Mitteilung. Diese Kulturlandschaften seien nicht nur ökologisch wertvoll, sondern Ausdruck einer tief verwurzelten bäuerlichen Kultur, die bis heute das Leben, die Esskultur und die Identität der Menschen in Franken und der Oberpfalz präge.

Damit ist eine Grundvoraussetzung für das GIAHS-Programm erfüllt. GIAHS ist die Abkürzung für Globally Important Agricultural Heritage, der offizielle Titel von Welterbe Agrarkultur. Die FAO, die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen, würdigt damit seit 2002 weltweit landwirtschaftliche Systeme, die durch ihr traditionelles Wissen, ihre ökologische Resilienz und ihre kulturelle Bedeutung herausragen. Dabei geht es um Anbausysteme, die von bäuerlichen Betrieben über Generationen hinweg entwickelt wurden, um Lebensmittel zu produzieren, kulturelle Traditionen zu bewahren und Ressourcen zu schützen.

Die Agrarkultur in der Metropolregion gibt rund 100.000 Menschen Arbeit. „Unsere Agrarkultur ist ein lebendiges Erbe – an Traditionen, Handarbeit und Wissen, das von Generation zu Generation weitergegeben wird. Mit der Bewerbung wollen wir diesen Schatz bewahren und international sichtbar machen“, erklärt Klaus Peter Söllner, Landrat von Kulmbach und Sprecher des Beirats Welterbe Agrarkultur.

Metropolregion Nürnberg will Welterbe-Titel: „Unser Tisch ist reich gedeckt“

Über die Jahrhunderte habe sich rund um die Städte eine vielfältige Landwirtschaft entwickelt, wirbt auch Nürnbergs Oberbürgermeister Marcus König. Dazu gehöre unter anderem das Nürnberger Knoblauchsland, das größte zusammenhängende Gemüseanbaugebiet im urbanen Raum. „Es ist der Gemüsegarten der Metropolregion und sorgt für Ernährungssouveränität“, sagt König. „Unser Tisch ist reich gedeckt: Wir haben allein 170 regionale Spezialitäten in der Metropolregion, vom Aischgründer Karpfen über das Bamberger Hörnla bis zur Nürnberger Bratwurst.“

Auch der Präsident des Bayerischen Bauernverbands, Günther Felßner, unterstützt das Vorhaben mit Nachdruck: „Unsere bäuerliche Landwirtschaft ist ein lebendiges Kulturerbe – sie verändert sich, weil sich die Menschen, ihre Ansprüche und die Rahmenbedingungen verändern. Entscheidend ist, dass die unternehmerische Kraft der Familienbetriebe, die unsere Landschaft und Kultur gestalten, auch künftig erhalten wird und Raum für Entwicklung hat. Es geht nicht darum, Asche zu bewahren, sondern dieses Feuer weitergeben zu können. Die Bewerbung um das Welterbe Agrarkultur kann und muss auch einen Beitrag dazu leisten.“ Doch das System stehe unter Druck: Flächen gingen für die Landwirtschaft verloren und der Selbstversorgungsgrad gehe laut Bauernverband zurück.

Bereits im Vorfeld wurde der Nürnberger Ansatz mit der FAO intensiv diskutiert. Für 2026 sei ein FAO-Besuch vor Ort geplant. Bei positiver Bewertung könnte die Region in das GIAHS-Netzwerk aufgenommen werden. Mit dem Titel ist keine finanzielle Förderung verbunden.