
Die Harpyie ist ein Mythos. Der womöglich stärkste Greifvogel der Welt wird dort, wo er ursprünglich lebt, regelrecht verehrt - vor allem in den Regenwäldern Südamerikas. Doch die Tiere sind massiv bedroht, mancherorts gelten sie sogar als konkreter Kandidat für eine ausgestorbene Art. Deshalb betont der Nürnberger Tiergarten, wie wichtig die Zucht der Harpyien sei - und welchen Stellenwert neuer Nachwuchs in dem Zoo hat.
Bereits im Oktober 2023 schlüpfte ein Küken in Nürnberg, das erste seit mehr als 20 Jahren, weshalb der Zoo von einem „großen Zuchterfolg“ spricht. „Das junge Weibchen mit dem Namen Amaya wurde von seiner Mutter Evita fürsorglich aufgezogen und hat sich sehr gut entwickelt“, heißt es in einer Pressemitteilung. Nachdem das Küken hinter den Kulissen auf dem Betriebshof des Tiergartens gelebt hatte, ist es nun seit einigen Tagen in einer Voliere des Zoos und damit vor Publikum zu sehen.
Erfolg für den Nürnberger Tiergarten
„In den ersten Tagen war natürlich alles neu für sie. Sie hat viel nach ihrer Mutter gerufen und musste sich erst an die neue Umgebung, an die Besucherinnen und Besucher sowie an ihre neuen Nachbarn, die Andenkondore und Harpyien-Männchen Domingo, gewöhnen“, sagt Tierpflegerin und stellvertretende Revierleiterin Stefanie Krüger. „Inzwischen ist sie aber angekommen, frisst gut und zeigt auch Interesse an Domingo.“
Ein Leichtgewicht ist die vermeintlich kleine Harpyie aber nicht: Inzwischen bringt Amaya mehr als sieben Kilogramm auf die Waage und ist damit bereits jetzt so schwer wie ihre Mutter. Vor dem Umzug wurde der Greifvogel mit einem speziell angefertigten Ring ausgestattet. Ein integrierter Beschleunigungssensor zeichnet dreidimensionale Bewegungsdaten auf, mit denen das Verhalten der Tiere ausgewertet wird. Der Tiergarten will damit seinem Forschungsauftrag nachkommen.
Die Harpyie ist durch die Zerstörung ihres Lebensraums stark bedroht - insbesondere durch Abholzung der natürlichen Habitate. Experten halten deshalb das Erhaltungszuchtprogramm, das vor etwa einem Jahr ins Leben gerufen wurde, für essenziell wenn es um das Überleben der Art geht. Nürnberg spielt dabei eine Schlüsselrolle: Insgesamt werden in vier europäischen Zoos derzeit nur zehn Harpyien gehalten, allein sechs davon im Tiergarten.
Mit Lorenzo von Fersen wurde folgerichtig ein handfester Experte für Harpyien zum Koordinator des Erhaltungszuchtprogramms berufen. „Die äußerst prekäre Situation der Tiere im natürlichen Lebensraum und die weitere Zerstörung ihres Lebensraums machen die Etablierung einer Exsitu-Population (ein Fachbegriff für nicht im ursprünglichen Habitat gehaltene Tiere, Anmerkung der Redaktion) enorm wichtig“, erklärt er. „Ziel ist es, alle Tiere, die in Menschenobhut leben, zu registrieren, um weltweit koordiniert Zucht zu betreiben.“
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