Nürnberg - Erst die gute oder erst die schlechte Nachricht? Okay. Die Gute: Nürnberg hat beim Fahrradklimatest 2024 besser abgeschnitten als zuvor. Und die Schlechte: Von einer fahrradfreundlichen Stadt wollen die Verantwortlichen dennoch nicht sprechen.
17.06.2025 18:54 Uhr

Nürnberg holt auf beim Fahrradklima – aber viele Probleme bleiben. Der ADFC-Fahrradklima-Test 2024 bescheinigt deutliche Verbesserung für Nürnberg. Die Sicherheit und die Radwegequalität seien jedoch weiterhin kritisch zu sehen.

Im bundesweiten ADFC-Fahrradklima-Test 2024 gelingt Nürnberg ein spürbarer Schritt nach vorn. Mit einer Gesamtnote von 3,99 (2022 waren es noch 4,16) zählt die Stadt zu den sogenannten „Aufholern“ unter den deutschen Großstädten – eine Auszeichnung für positive Entwicklung. Dennoch ist die Mängelliste lang.

Vielen Autofahrern ist der nötige Abstand beim Überholen noch immer unklar

Die größten Probleme jedoch sind bekannt – und bleiben bestehen. Darunter sind zu schmale oder zugeparkte Radwege, mangelhafte Kontrollen von Falschparkern und ein von vielen Fahrradfahrern bestätigtes unsicheres Gefühl im Straßenverkehr. Insbesondere der zu geringe Überholabstand von Autos ist für viele Radfahrerinnen und Radfahrer ein ständiges Ärgernis und ein Grund zur Sorge. 78 Prozent der bayerischen Teilnehmenden berichten, sie würden häufig zu eng überholt – eine Erfahrung, die sich insgesamt mit der drastischen Note 4,6 niederschlägt.

Noch 2020 lag Nürnbergs Bewertung bei 4,15 – seitdem zeigt sich der Trend zur Verbesserung. Damit steigt Nürnberg auf der bundesweiten Platzierung unter den Städten mit über 500.000 Einwohnern von Platz 10 auf Platz 8 von insgesamt 15 Platzierungen und liegt nun im Mittelfeld.

ADFC-Landesvorsitzende Eva Mahling lobt die Fortschritte, mahnt jedoch zugleich, Nürnberg dürfe jetzt nicht nachlassen. Entscheidend sei, ob es bauliche Verbesserungen gebe. In der mangelnden Sicherheit sieht der ADFC deutliche Hindernisse, die dafür sorgen, dass für viele ein Umstieg auf das Fahrrad erst gar nicht infrage komme. Mahling: „Wer sich auf dem Rad nicht sicher fühlt, steigt gar nicht erst auf. Damit schließen wir ganze Gruppen vom Radverkehr aus – Kinder, ältere Menschen oder ungeübte Fahrer und Fahrerinnen.“

Zu schmale Wege, enge Überholmanöver und fehlende Trennung vom Autoverkehr erhöhen den Stress der Fahrradfahrer im Alltag. Dass oft nicht einmal bekannt ist, dass innerorts 1,5 Meter Überholabstand vorgeschrieben sind, verschärfe laut Fahrradclub das Problem. Der ADFC versucht, mit anschaulichen Materialien gegenzusteuern. Positiv bewerten die Radfahrenden in Nürnberg – wie im Rest Bayerns – die gute Erreichbarkeit der Innenstadt mit dem Rad sowie die Öffnung von Einbahnstraßen in Gegenrichtung.

Beim Fahrraddiebstahl liegt Nürnberg bundesweit im Mittelfeld

Negativ dagegen: Die Kontrolle von Falschparkern auf Radwegen erfolge zu selten oder zu nachlässig. Auch die Radmitnahme im ÖPNV kann nicht punkten. Beim Winterdienst auf Radwegen zeigt sich eine leichte Verschlechterung. Beim Fahrraddiebstahl bewegt sich Nürnberg im bundesweiten Mittelfeld.

Insgesamt haben 31.994 Menschen aus Bayern am ADFC-Fahrradklima-Test 2024 teilgenommen, bundesweit waren es rund 213.000. Die vorliegenden Bewertungen basieren auf 27 Fragen zu Infrastruktur, Sicherheit, Verkehrsklima und subjektiver Zufriedenheit. Die Ergebnisse gelten als nicht repräsentativ, haben aber durch die breite Beteiligung eine hohe Aussagekraft.

Für Nürnberg zieht der ADFC somit ein klares Fazit: Die Richtung stimmt, aber der Weg ist noch lang. Der ADFC fordert daher von Stadtpolitik und Verwaltung, den eingeschlagenen Kurs konsequent weiterzugehen – und vor der Kommunalwahl 2026 klare Signale für eine sichere, komfortable und moderne Radverkehrspolitik zu setzen..


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