
Jeden Montag versammeln sich hunderte Menschen in der Nürnberger Innenstadt bei verschiedenen Demonstrationen. Woche für Woche ist die Polizei gefordert, die unterschiedlichen politischen Lager voneinander zu trennen - nicht immer gelingt es ihnen. Mittlerweile greifen sich die Demonstrierenden auch körperlich untereinander an. Die Polizei wendet bei jeder Demonstration „unmittelbaren Zwang“ an, geht also auch mit Schlagstöcken und Pfefferspray gegen die Menschen vor.
Wer demonstriert jeden Montag in der Nürnberger Innenstadt und wofür steht das „Team Menschenrechte“?
Die Demonstrierenden nennen sich „Team Menschenrechte Nürnberg“. Diese Gruppe ist aus den Kritikerinnen und Kritikern der Corona-Maßnahmen hervorgegangen, die sich einst unter den Namen „Querdenken911 Nürnberg“ und „Corona-Rebellen“ zusammengefunden hatten. Die rund 100 Teilnehmenden versammeln sich jeden Montag in der Nürnberger Innenstadt und wollen nach eigenen Angaben den „Staatsstreich beenden“.
Diese Kundgebungen haben verstärkt junge Männer und Frauen genutzt, die nationales Gedankengut propagierten. Im Demonstrationszug skandierten sie regelmäßig: „Wer Deutschland nicht liebt, soll Deutschland verlassen“. Die Gruppe von rund 20 Personen, die dem rechtsextremen Spektrum zuzuordnen ist, wird in Teilen vom bayerischen Verfassungsschutz beobachtet. Der Einsatz der jungen Neonazis als Ordner beim „Team Menschenrechte“ fand erst ein Ende, als sich Mitte Mai einer der führenden Köpfe des Nachwuchses in einem Livestream eines AfD-Lokalpolitikers während der Demo in Nürnberg äußerte, man brauche wieder „einen kleiner Hitler“ und er finde die „Demokratie zum Kotzen“. Die Organisationsleitung trennte sich daraufhin öffentlich von ihm „und seinem Umfeld“.
Trotzdem beobachtet der bayerische Verfassungsschutz seit Ende Mai das gesamte „Team Menschenrechte Nürnberg“, da nicht erkennbar sei, dass sich die Gruppe „effektiv von rechtsextremistischer Ideologie und rechtsextremistischen Organisationen wie der Partei ‚Die Heimat‘ abgrenzt“. Direkte Folgen hat dies aber nicht: Das „Team Menschenrechte“ kann weiterhin uneingeschränkt demonstrieren.
Wer ist die andere Gruppe, die montags in Nürnberg protestiert?
Der Gegenprotest zu den Versammlungen des „Team Menschenrechte“ wird von verschiedenen Organisationen und Gruppen angemeldet und besteht meist aus rund 300 Personen. Seit vergangenem Sommer organisiert jede Woche die Nürnberger Ortsgruppe der „Omas gegen rechts“ eine Mahnwache. Sie stehen dann mit Transparenten, Fahnen und Schildern dem „Team Menschenrechte“ gegenüber.
Regelmäßig nehmen an den Gegenprotesten unter dem Motto „Kein Platz für Nazis in Nürnberg“ Mitglieder der Gruppe „Rote Jugend Mittelfranken“ und Anhängerinnen und Anhänger des „Nürnberger Bündnis Nazistopp“ teil. Einige von den Aktivistinnen und Aktivisten versuchen wöchentlich mit Sitzblockaden den Demonstrationszug des „Team Menschenrechte“ aufzuhalten. Diese Blockaden werden dann größtenteils von der Polizei aufgelöst.
Wie sicher ist es am Montagabend in der Nürnberger Innenstadt - was tut die Polizei?
Die Polizei ist jede Woche mit einem Großaufgebot vor Ort. Teilweise werden Plätze in der Innenstadt mit Metallgittern abgesperrt, um ein Aufeinandertreffen der beiden politischen Lager zu verhindern. Auch für Passanten, die durch die Stadt bummeln wollen, gibt es dann meist kein Durchkommen mehr.
Zwischen den beiden Lagern ist es in den vergangenen Wochen immer wieder zu körperlichen Angriffen gekommen, es laufen mehrere Ermittlungsverfahren bei der Polizei und der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth.
Dieser Text wurde zuletzt am 5. Juni 2025 aktualisiert.



1 Kommentar
Norisbub
Können diese Veranstaltungen rechtlich, Güter abwägend nicht aus der Innenstadt verlagert werden? Die Medien sorgen doch für große Resonanz. Viele Menschen haben Anspruch auf eine friedliche Innenstadt, die ist keine parmanente Demostätte.
28.04.2025 08:15 Uhr