
Los ging die kuriose Geschichte, als einer Streifenwagenbesatzung der Verkehrspolizei Ansbach am Donnerstagvormittag, 5. November, auf der Autobahn 6 in Fahrtrichtung Nürnberg ein Kleintransport aufgefallen war, der auf einem Anhänger einen weiteren Kleintransporter transportierte. Bei der Kontrolle gegen 9 Uhr stellten die Polizisten fest, dass das Zugfahrzeug mit einer großen Menge an Kartons mit Schaumwein beladen war. Wie Polizeisprecher Frank Heller berichtet, ergaben sich Anhaltspunkte für eine Überladung.
Also nahmen die Einsatzkräfte das Fahrzeuggespann genauer unter die Lupe und begleiteten dieses für eine Verwiegung zur Polizeidienststelle. Die Polizisten sollten richtig liegen: der Verdacht bestätigte sich. „Das Zugfahrzeug war um 35 Prozent, der Anhänger um mehr als 15 Prozent und das Fahrzeuggespann um knapp 25 Prozent überladen“, erklärt der Polizeisprecher.
Am Steuer des Kleintransporter-Gespanns saß ein 49 Jahre alter Mann aus Litauen, der erklärte, er habe den Schaumwein, also Champagner und Sekt, aus Frankreich eingeführt. Sein Ziel: Litauen. Die Polizisten vermuteten jedoch, dass gegen Einfuhrbestimmungen sowie zollrechtliche Vorschriften verstoßen worden war. Deshalb sollte die komplette Ladung, also alle Kisten Schaumwein, aus dem Fahrzeug entladen werden, um zu sehen, wieviel es wirklich war.
Eine schwarze Plastiktüte zwischen mehr als 200 Liter Schaumwein aus Frankreich
Doch dabei gab es eine Überraschung: Die Polizisten entdeckten eine schwarze Plastiktüte. Ein Beamter öffnete die Tüte und plötzlich „stiegen unmittelbar ätzende Gase daraus hervor“, erklärt Frank Heller. „In der Tüte befand sich eine Plastikflasche mit einer zunächst unbekannten Flüssigkeit, die augenscheinlich undicht war.“
Dass es sich um eine giftige Substanz handeln könnte, war sofort klar, denn der Polizist klagte unmittelbar darauf über Hustenreiz und Schmerzen im Bereich des Halses. „Bei einer Untersuchung im Krankenhaus Ansbach wurde eine Reizung der oberen Atemwege und der Schleimhäute festgestellt“, erklärt der Polizeisprecher. Der Beamte sei nicht weiter dienstfähig gewesen.
Doch was war in der mit der Plastiktüte umwickelten undichten Plastikflasche drin? Der 49-jährige Fahrer gab an, es handele sich bei der Flüssigkeit um Schwefelsäure, die er in verdünnter Form für Reinigungsarbeiten eingesetzt habe. „Zur verlässlichen Einordnung der Flüssigkeit und für weitere erforderliche Maßnahmen wurde die Feuerwehr Ansbach verständigt“, berichtet Heller. Ein Rettungsdienst kam zur Dienststelle und Experten des Gefahrguttrupps des Polizeipräsidiums Mittelfranken eilten herbei.
Kurz darauf stand fest: es war Salzsäure. Die stark ätzende und giftige Flüssigkeit wurde in ein geeignetes Behältnis umgefüllt und sichergestellt. Eine endgültige chemische Analyse soll das Bayerische Landeskriminalamt liefern.
Gegen den Litauer wurde ein Ordnungswidrigkeitenverfahren wegen Verstößen gegen gefahrgutrechtliche Bestimmungen und wegen der Überladung seines Fahrzeuggespanns eingeleitet, ebenso ein Strafverfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung. Um die mehr als 200 Liter Schaumwein aus Frankreich kümmert sich nun die zuständige Zollbehörde.
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