Nürnberg - Die Zwischenwahlen haben die Mehrheitsverhältnisse in den USA umgekrempelt. Aber es war vor allem eine Abstimmung gegen den Amtsinhaber. Wohin Amerika nun steuert, ist offen. Alexander Jungkunz analysiert, was das für Deutschland und Europa bedeutet.
05.11.2026 13:57 Uhr

Wieder mal bewahrheitet sich ein simpler Spruch: „It‘s the economy, stupid“ - der Satz stammt aus dem Jahr 1992, geprägt hat ihn James Carville, der damalige Wahlkampfmanager des Demokraten Bill Clinton. Er gewann dann auch die Wahlen gegen Amtsinhaber George Bush senior.

Es kommt auf die Wirtschaft an, Dummkopf: Weil er mit voller Wucht alles tat, um diese simple Regel zu verletzen, bekam Donald Trump mehr als nur einen Dämpfer. Viele Wähler zeigten einem egomanischen Systemsprenger die Rote Karte, weil er die unter dem von ihm verhöhnten Joe Biden boomende US-Wirtschaft mit seinen irrwitzigen Zöllen und vor allem mit dem Krieg gegen Iran mit voller Wucht an die Wand fuhr.

Vor allem die Inflation machte frühere Anhänger wütend

Vor allem die Inflation machte frühere Anhänger wütend. Sie hatten noch seine Versprechungen im Kopf, er werde sich um die einfachen Menschen kümmern und das Leben erschwinglicher machen. Von wegen. Die Preise stiegen massiv.

Das Stichwort „Bezahlbarkeit“ wird zusehends zentral. Inzwischen führen es die meisten Parteien im Munde - auch in Deutschland. Ob ihre Politik allerdings tatsächlich dazu führt, dass elementare Grundbedürfnisse wie Gesundheit, Ernährung, Bildung, Mobilität und Wohnen vor allem für Ärmere und Normalverdiener wirklich bezahlbar werden: Das erkennen die Wählerinnen und Wähler offenbar ziemlich genau. Und Populisten müssen aufpassen, dass die Kluft zwischen leichtfertigen Versprechen und tatsächlichen Ergebnissen nicht zu groß wird.

Lohnend ist auch der Blick auf die erfolgreichen Kandidatinnen und Kandidaten der Demokraten. Sie setzten sich oft auch deshalb durch, weil sie sehr deutlich auf Distanz gingen zur menschenverachtenden, zusehends rassistischen Politik des Amtsinhabers. Dazu gehörte auch das brutale Vorgehen der Einwanderungsbehörde ICE. Trumps Gegner setzten statt auf Hass und Spaltung auf die Notwendigkeit von Regeln und Anstand für ein gedeihliches Zusammenleben.

Dazu gehört etwa für den Lehrer und Theologen James Talarico, der im eigentlich konservativen Texas gewann, auch christliches Verhalten. Allerdings nicht in jener evangelikal-fundamentalistischen Prägung, die andere ausschließt und auf die Dominanz weißer Männer setzt: Auf diese Kreise stützte sich Trump. Und vor allem sein Kriegsminister Pete Hegseth ist eher Kreuzritter als Politiker. Auch dieser unseligen Verknüpfung von Macht und Glauben erteilten die Wähler mehrheitlich eine Absage.

Das transatlantische Bündnis wird nie mehr das alte werden

Das sind Resultate, die Hoffnung machen. Ob sie bereits Politik verändern? Das hängt davon ab, wie und ob die neue Mehrheit mit Trump kooperieren kann - und wie und ob er sich darauf einlässt. Eine Hoffnung sollten sich Europäer und Deutsche aber abschminken: Das transatlantische Bündnis wird nie mehr das alte werden, auch die Demokraten legen den Schwerpunkt der US-Politik gen Pazifik. Die EU muss politisch, militärisch und ökonomisch endlich auf eigenen, stärkeren Beinen stehen, daran ändert sich nichts.