Nürnberg - Nürnbergs Denkmalliste ist in diesem Jahr um einige Einträge reicher geworden. Ein städtebaulich besonders prominentes und architekturgeschichtlich spannendes Objekt stellen wir heute vor: die Berufliche Oberschule im Stadtteil Maxfeld.
01.11.2026 17:00 Uhr

Nürnberg war in den Weimarer Jahren nicht der Nabel der Welt. Aber auch in der Noris brachten – wie Alexander Schmidt in seiner reichhaltigen Doktorarbeit nachwies – Kunst und Kultur Spannendes hervor. Dazu gehören gerade Werke der Architektur. Eines davon steht seit Neuestem auf der Denkmalliste: die städtische Berufliche Oberschule (BON) in der Rollnerstraße 15/17.

Erbaut wurde der mächtige, vierstöckige Kubus mit zurückgesetztem Treppenhausturm, Fenster- und Türgewänden aus Kunststein und einem Flachdach mit Attikageschoss im Kern 1931 bis 1932. Sein Schöpfer war vermutlich der Architekt Christian Ruck, der in jenen Jahren durch seine Kirchenneubauten in Leyh, Großreuth bei Schweinau und Gebersdorf von sich reden machte. Auch hier plante er im Auftrag eines geistlichen Auftraggebers, des „Vereins zur Erhaltung der Höheren Töchterschule“, Träger der Wilhelm-Löhe-Schule. Mit einer Zwangspause, bedingt durch den Kampf des Nazi-Regimes gegen kirchliche Schulen, hatte sie bis zum Umzug auf die Deutschherrnwiese 1980 hier ihren Sitz.

Altbau
<p>Bis 1931 stand an Stelle des Schulhauses dieses Mietwohngebäude, das Baumeister Jean Maurer 1873 bis 1874 errichtet hatte und das das Institut Lohmann später als Internat nutzte.</p> © Postkarte: Verlag August Zerle/Sammlung Sebastian Gulden

Wer durch das Tor einen Blick auf den Nebenflügel im Hof erhascht, erkennt, dass der Monumentalbau im Stil der Neuen Sachlichkeit nicht der Keim der Anlage ist. Der breite, aber wenig tiefe so genannte „Gartenbau“ mit der Inschrift „NON NOBIS“ (eine Verkürzung des Cicero-Zitats „Non nobis solum nati sumus,“ zu Deutsch: „Wir sind nicht für uns allein geboren“) entstand 1902, als Elise und Frieda Lohmann auf dem Gelände ihre Lehranstalt für Mädchen im Alter von 13 bis 16 Jahren unterhielten. Schließlich aber mussten sie wegen hoher Kosten und mangelnder Nachfrage ihre Schule aufgeben. Schon 1920 hatten sie das Lehrgebäude Friedrichstraße 24 wegen Personalmangels als Beamtenwohnhaus an das Land Bayern vermieten müssen.

BON_1955
<p>Nach ihrem Ausbau zeigte sich das Schulhaus um 1955 mit einem zeittypischen Anstrich in zartem Rosa, der allerdings nicht dem ursprünglichen Erscheinungsbild entspricht. </p> © unbekannt/Stadtarchiv Nürnberg, A 55 Nr. A55-III-23-5-2

Portal
<p>Dieses Portal mit Kassettentür und Inschrift im Oberlichtgitter gehört zu den vielen reizvollen historischen Details, die sich am Schulhaus erhalten haben. </p> © Sebastian Gulden

Im Zweiten Weltkrieg erlitt das moderne Schulgebäude kaum Schäden, während das 1873/74 erbaute Eckhaus Rollnerstraße 17 nebenan in Flammen aufging. Das war am Ende so ungünstig nicht, da die Schule ohnehin einen Ausbau ihrer knappen Lehrsäle plante. Nun würde man annehmen, dass man nach dem Krieg weder Zeit noch Geld darin stecken wollte, den gerade 20 Jahre alten Bau stilgerecht zu erweitern. Doch genau das tat die Bauabteilung der Evangelisch-Lutherischen Gesamtkirchenverwaltung: Wäre nicht die Jahreszahl „1951“ im Ziergitter am Nebeneingang zur Pirckheimerstraße, man könnte Alt und Neu mit bloßem Auge nicht auseinanderhalten.

Heuer steht dem Denkmal ein neuerlicher Wandel ins Haus: Im Herbst 2026 verlässt nun auch die Berufliche Oberschule die Gemäuer und bezieht Räume im Schulzentrum an der Breslauer Straße in Langwasser. Doch das schulische Leben in der Rollnerstraße wird weitergehen: Nach Auszug der BON werden die Mittelschüler und Lehrkräfte der Friedrich-Staedtler-Schule, die diesen Sommer durch Starkregen schwer beschädigt wurde, hier eine neue Bleibe finden.

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