Nürnberg - Linke, Grüne und SPD starten Koalitionsverhandlungen in Berlin - trotz vieler Warnungen auch aus den eigenen Parteien. Alexander Jungkunz plädiert in seinem Contra-Kommentar gegen ein solches Bündnis - weil es die Extreme stärkt.
19.10.2026 13:32 Uhr

Allen Warnungen zum Trotz wollen sie es wagen: Linke, Grüne und SPD starten also doch Verhandlungen über eine Koalition in Berlin. Das ist aus einer ganzen Reihe von Gründen ein Wagnis nicht nur für die Hauptstadt, sondern fürs ganze Land - mit so großen Risiken, dass sie es lieber gleich sein lassen sollten.

Risiko eins: Die Berliner Linke hat nach wie vor ein Antisemitismus-Problem, ein massives. Wie wird sie umgehen mit der Abgeordneten Vanessa Emde, die Staaten - und sie meint natürlich Israel - das Existenzrecht abspricht? Wie mit jenen 120 Mitgliedern, darunter 17 Bundestagsabgeordnete, die in der Vereinbarung gegen Antisemitismus einen „schweren Fehler“ sehen und Hinweise darauf als „mediale Hetzkampagne“ abtun?

Weniger Sicherheit, noch mehr Gewalt droht

Risiko zwei: Etliche Linke haben Verbindungen zu Clan-Kriminellen in Berlin. In Verbindung mit linken Forderungen nach weniger Polizei und einer Abschaffung des Verfassungsschutzes droht da weniger Sicherheit und noch mehr Gewalt bei ohnehin zu oft eskalierenden Demos in der Hauptstadt.

Risiko drei: Die Koalition setzt trotz aller Warnungen auf Vergesellschaftung und Enteignung großer Immobilienkonzerne. Die Folge: eine Prozesslawine, Rechtsunsicherheit, Rückgang bei Neubauten - und erst mal keine einzige neue Wohnung, aber milliardenschwere Kosten für die Entschädigung.

Risiko vier: der Verlust und die Preisgabe der politischen Mitte, in der weite Teile der Sozialdemokratie und auch der Grünen eigentlich verankert sind. Man kann mit Linken regieren, ja - mit Pragmatikern wie Bodo Ramelow oder der Linken in Mecklenburg-Vorpommern geht das. Und die Partei hat sich auch gegenüber der Bundesregierung mehrfach als staatstragend erwiesen. Aber, so warnt etwa der grüne Realo Cem Özdemir, die Berliner Linke sei „ein Sonderfall“.

Risiko fünf: eine weitere Polarisierung. In der SPD träumen manche von Rot-Grün-Rot im Bund - mit einer Kanzlerin Manuela Schwesig. Das aber wäre zum einen ein außen-, sicherheits- und wirtschaftspolitisches Risiko. Und zum anderen: ein Kurs ganz nach dem Fahrplan der AfD, die auf diese Spaltung der Demokraten der Mitte setzt. Die Union würde dazwischen zerrieben. Deutschland braucht eine stärkere Mitte, keine Stärkung der Extreme.