
Es ist ein besonderes Bauprojekt mitten in der Schwabacher Altstadt: Die Gewobau saniert derzeit das historische Gebäude Spitalberg 11 direkt an der Schwabach. Unter besonderer Berücksichtigung des Denkmalschutzes entstehen hier vier Wohnungen in historischen Mauern. Ziel sei es, die besondere Geschichte und Bausubstanz des Hauses zu bewahren und zugleich zeitgemäßen Wohnraum zu schaffen, teilt das städtische Wohnungsbauunternehmen mit.
Das Gebäude blickt auf eine lange und wechselvolle Geschichte zurück. Nach Angaben der Schwabacher Stadtheimatpflegerin Ursula Kaiser-Biburger geht es auf den ehemaligen Getreidespeicher zurück, der zur mittelalterlichen Hospitalanlage von 1375 gehörte. Bereits für das Jahr 1820 ist eine Sanierung des Gebäudes überliefert.
Eine besondere soziale Bedeutung erhielt das Haus ab 1867, als es als sogenanntes Rettungshaus genutzt wurde. Insgesamt wurden dort im Laufe der Zeit 86 Kinder von einem Rettungshausvater und weiteren Personen betreut. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts lebten jeweils zwischen zehn und zwanzig Kinder in dem Gebäude. 1905 wurde die Einrichtung in „Städtisches Waisenhaus“ umbenannt. Diese Nutzung endete am 1. Oktober 1930. Ab diesem Zeitpunkt wurden die Kinder im Reichswaisenhaus und im städtischen Kinderheim untergebracht.
Historisches Fachwerk in Schwabach - aber versteckt hinter Putz
Auch die äußere Erscheinung des Hauses ist eng mit seiner Geschichte verbunden. Das Gebäude wurde in der damals üblichen Fachwerkbauweise errichtet. Fachwerk bedeutete jedoch nicht automatisch, dass das Holzgerüst sichtbar bleiben sollte. Zum Schutz der Konstruktion wurden die Gefache und das Holz, insbesondere auf der Wetterseite, häufig verputzt beziehungsweise mit einer Kalkschlämme versehen. Auch im Inneren hatte man schon Kalk oder Kalkfarbe zum Schutz verwendet.
„Grundsätzlich muss man sagen, dass das sichtbare Fachwerk anders als im Südbayerischen Raum mit den üblichen größeren Dachüberständen ohne Putz oder wenigstens einer Schlämme, einer entsprechenden Kalkfarbe nicht geschützt gewesen wäre“, unterstreicht Kaiser-Biburger.
Im 18. und 19. Jahrhundert kam die Fachwerkbauweise aus der Mode. Im Barock, im Rokoko und später im Klassizismus bevorzugte man das Aussehen massiver Bauten, so die Stadtheimatpflegerin. Zwar wurden Fachwerkbauten weiterhin errichtet, aber diese wurden dann so verkleidet, dass sie wie Massivbauten wirkten. Erst Ende des 19. Jahrhunderts wurde das Fachwerk wieder beliebter, schließlich war es eine günstige Bauweise. Historische Aufnahmen belegen, dass auch das Gebäude Spitalberg 11 zu Beginn des 20. Jahrhunderts vollständig verputzt war.
In der NS-Zeit sollte das typisch Deutsche in allen Bereichen betont werden. Daher forderte und veranlasste 1938 der damalige NSDAP-Kreisleiter und Bürgermeister Wilhelm Engelhardt die Freilegung des Fachwerks in der Innenstadt, um die angeblichen „Sünden der Vergangenheit“ wieder wettzumachen. Daher wurde auch zu dieser Zeit das Fachwerk des Rathauses wieder freigelegt. Dieses war wie das Gebäude am Spitalberg 11 über mehrere Jahrhunderte voll verputzt gewesen. Eine Fotoaufnahme aus dem Jahr 1908 beweist, dass auch das Haus am Spitalberg 11 vor der NS-Zeit gänzlich verputzt gewesen war.
Die Fassade orientiert sich wieder am historischen Erscheinungsbild
Im Zuge der jetzigen denkmalgerechten Sanierung wird deshalb ein historischer Zustand wieder aufgegriffen: Die Fassade des Spitalberg 11 wird wieder verputzt und orientiert sich damit an dem Erscheinungsbild, das das Haus im 19. und frühen 20. Jahrhundert prägte.
Während die historische Identität des Gebäudes erhalten und wieder stärker sichtbar gemacht wird, entstehen im Inneren vier moderne und komfortable Wohnungen. In diesem Zuge erfolgt die Errichtung einer Balkonanlage sowie dreier Dachgauben. Die Wärmeversorgung erfolgt über eine Luftwärmepumpe. So lasse sich moderner Wohnkomfort behutsam in die historische Bausubstanz integrieren, schreibt die Gewobau. Das Projekt wird im Bund-Länder-Städtebauförderungsprogramm „Sozialer Zusammenhalt“ mit Mitteln des Bundes, des Freistaats Bayern und der Stadt Schwabach gefördert.



Keine Kommentare