
Man müsse endlich mit Russland reden. Verhandeln mit Putin. Sonst gebe es keinen Frieden: So fordern es die AfD und das BSW nahezu im Gleichklang. Und diese Botschaft kommt auch bei Menschen gut an, die keine Anhänger dieser Parteien sind. Verständlich: Wer sehnt sich nicht nach einem Ende dieses verdammten Krieges, den Putin seit mehr als vier Jahren gegen die Ukraine führt?
Nach jahrelanger Sendepause trafen sich nun am Rande der Vollversammlung der Vereinten Nationen der deutsche Außenminister Johann Wadephul und sein russischer Kollege Sergej Lawrow - für gut 20 Minuten. Wenig Zeit. Aber es war eine Begegnung, die sehr wohl sehr viel aussagte.
Russland begann das Treffen mit einer Provokation
Denn die russische Seite begann schon mit einer Provokation: Auf dem Platz von Wadephul lag ein Dokument mit dem Titel „Die Erben von Goebbels: Die Fälschung der Ereignisse in Butscha und die blutigen Inszenierungen des Kiewer Regimes“. Zur Erinnerung: Es waren nachweislich die russischen Invasoren, die im ukrainischen Butscha kurz nach Beginn des Kriegs ein Massaker an der Zivilbevölkerung verübten. Moskau leugnet das, kontert mit Lügen und Propaganda - und ist zynisch genug, genau das dem Westen und Deutschland vorzuwerfen, garniert mit dem Goebbels-Vergleich.
Wer mit solch einer Grundlage in ein Gespräch geht, zeigt von Anfang an, dass er genau dies nicht will: ein Gespräch. Trotz aller angeblichen Verhandlungsbereitschaft. Deutschland tat nun, was viele fordern; Wadephul formulierte das so: „Allen, die immer wieder sagen, Deutschland muss verhandeln, Deutschland muss mal mit Russland reden, denen erwidere ich jetzt: Das tun wir.“
Und die Erkenntnis des Treffens: Russland will nicht verhandeln. Moskau gibt stattdessen anderswo sehr klare Antworten auf die Frage, ob es den Krieg beenden wolle: Es weitet ihn immer brutaler aus. Zuletzt mit massiven Attacken vor allem auf zivile Ziele. In Nürnbergs Partnerstadt Charkiw wurden 29 Menschen bei einem Angriff auf ein Wohnhaus verletzt, darunter zehn Minderjährige. Auch die Hauptstadt Kiew steht unter Beschuss. Es sieht aus, als wolle Russland vor dem Winter möglichst viel Schaden und Zerstörung anrichten, um die Bevölkerung zu zermürben.
Wer da allen Ernstes dem Westen und Deutschland Kriegstreiberei vorwirft, verwechselt ganz bewusst Ursache und Wirkung: Die Ukraine wehrt sich mit westlicher Hilfe dagegen, als Staat ausgelöscht zu werden. Denn sollte das dem Kreml gelingen, der den Westen längst mit hybridem Krieg überzieht, wäre die Gefahr neuer Aggressionen groß.
„Sag deinem Chef, es reicht.“ Aber es reicht Putin nicht
Polen investiert daher massiv in Abschreckung. Außenminister Radosław Sikorski machte diese Linie zuletzt auch vor den UN deutlich. Er wandte sich direkt an Sergej Lawrow, der schon gegangen war: „Hört auf, Russlands Zukunft zu zerstören. Sergej, ich weiß, dass du zuhörst. Sag deinem Chef, es reicht.“ Wadephul dürfte ähnliches diplomatischer formuliert haben. Aber: Es reicht Putin nicht.

2 Kommentare
Wowo
Man gebe jedem der von M95L Genannten und auch den nicht Genannten (angedeutet und nicht angedeutet) je ein Stück Land auf der Erde, (oder auch auf dem Mond, der mir da aber jetzt schon leid tut) dazu aus jeder dieser Nationen 1000 Freiwillige als Untertanen, bei denen die Genannten ihre Machtgefühle ausleben können. Dann könnte die Menschheit in Frieden glücklich miteinander leben........zumindest solange bis sich aus dieser Menschheit wieder neue Tyrannen entwickeln, die die Welt beherrschen wollen.
29.09.2026 12:46 Uhr