Nürnberg - Die angekündigten Warnstreiks im Nürnberger Nahverkehr treffen am Familientag des Frühlingsfestes Familien am 8. April 2026 besonders hart. Die Schausteller fordern nun schnelles politisches Handeln und bieten Unterstützung für Besucher in Nürnberg.
05.04.2026 15:34 Uhr

Mit scharfer Kritik reagieren die Schausteller auf die kurzfristig angekündigten Warnstreiks im Nürnberger öffentlichen Nahverkehr am Dienstag und insbesondere am Mittwoch (7.4. und 8.4.2026). „Heute ist Sonntag – und in wenigen Tagen soll der Nahverkehr weitgehend stillstehen. Diese Kurzfristigkeit und die Auswirkungen sind nicht nachvollziehbar“, sagt Jürgen Putzer, Geschäftsführer des Süddeutschen Schaustellerverbandes in Nürnberg, laut Pressemitteilung.

Besonders schwer wiegt der Zeitpunkt: Der Mittwoch gilt als Familientag und zählt traditionell zu den umsatzstärksten Tagen des Nürnberger Volksfests. Zudem fällt dieser Tag in die Ferien und ist für viele Familien eine fest eingeplante Freizeitaktivität. „Getroffen werden vor allem sozial schwächere Familien, die gezielt den Familientag nutzen, um ihren Kindern trotz knapper Kasse eine Freude zu machen. Genau diese Menschen werden nun zusätzlich belastet oder sogar von einem Besuch abgehalten.“

ÖPNV-Streik: Nürnberger Schausteller schlagen Alarm

Auch wirtschaftlich trifft die Situation die Schaustellerbranche empfindlich. Diese kämpft bereits seit Monaten mit steigenden Lebenshaltungskosten, höheren Betriebsausgaben und zuletzt massiv gestiegenen Spritpreisen. Dennoch habe man bewusst auf Preiserhöhungen verzichtet, um die Besucher nicht zusätzlich zu belasten. So bleibt etwa der Bierpreis mit 11,90 Euro auf dem Niveau von 2024. „Viele Menschen steigen aufgrund hoher Spritpreise bewusst auf Bus und Bahn um – und werden jetzt faktisch wieder ins Auto gedrängt. Das ist weder sozial noch verkehrspolitisch sinnvoll“, so Jürgen Putzer weiter.

Das Streikrecht als solches stellen die Schausteller nicht in Frage. Kritisiert werden jedoch der konkrete Zeitpunkt und die fehlende Rücksicht auf die weitreichenden Folgen: „Ein solches Mittel muss mit Augenmaß eingesetzt werden. Aktuell wird eine Branche massiv in Mitleidenschaft gezogen, die selbst unter enormem wirtschaftlichen Druck steht und nicht Teil des Tarifkonflikts ist.“ Der Süddeutsche Schaustellerverband bezeichnet das Vorgehen als „nicht nachvollziehbar“ – sowohl für die Betriebe als auch für viele Bürgerinnen und Bürger.

Nürnberger Schausteller suchen selbst nach Lösungen

Unabhängig vom weiteren Verlauf der Streiks arbeitet der Schaustellerverband an Lösungen, um den Besuchern den Volksfestbesuch dennoch zu ermöglichen. Mit folgenden Maßnahmen: Einrichtung zusätzlicher bewachter Fahrradabstellflächen, der historische Bus fährt trotz Streik weiterhin kostenlos vom Hauptbahnhof direkt zum Volksfestplatz, Besucher werden gebeten, die S-Bahn zu nutzen, die nicht vom Streik betroffen ist (Haltestelle Dutzendteich). Zudem loben sie ein Gewinnspiel aus: Für alle, die mit dem Auto anreisen müssen, werden 20 mal 50 Euro Volksfesttaler verlost. (Teilnahme: E-Mail-Adresse auf das Parkticket schreiben und in die Boxen beim Maisel-Biergarten oder am Stadl einwerfen)

Angesichts der akuten Lage richten die Schausteller einen dringenden Appell an die Nürnberger Politik: „Ist es vertretbar, einen der wichtigsten Tage des Volksfests – und einen zentralen Ferientag für Familien – derart zu beeinträchtigen?“ Die Schausteller fordern kurzfristige Lösungen und ein klares politisches Signal. Die Zeit drängt – und die wirtschaftlichen wie sozialen Folgen sind absehbar.