
Den Anfang machten 1924 Margarete und Julius Volz mit ihrer gediegenen Villa im Anwesen Hallerstraße 26. Herr Volz hatte 1919 zusammen mit seinem Compagnon Gutmann das Elektromotorenwerk „Vogun“ (ein Akronym aus den Nachnamen der Inhaber) gegründet. Nachdem Gutmann im Jahr des Hausbaus aus der Gesellschaft ausgeschieden war, firmierte das Unternehmen in „Fränkische Elektra, Elektro-Motorenwerk Julius Volz“ um.
Die Villa Volz ist ein typisches Beispiel des Villenbaus der Zwischenkriegszeit. An dem kompakten zweigeschossigen Bauwerk mischen sich Elemente des steifen Neoklassizismus mit Elementen des Neubarock in Gestalt dorischer Kolossalpilaster mit Kanneluren, stockwerksübergreifenden Profilrahmen um die Fenster und einem Wintergarten mit rundbogig geschlossenen Fenstern und Kompositpilastern an der Gartenseite. Die sich nach unten verjüngenden Schürzen der Hochparterrefenster und die verfremdeten Rosetten spazieren deutlich in Richtung des modischen Expressionismus. Die Fabrik, die fast bis zur Einmündung der Bielingstraße heranreichte, ist heute verschwunden; an ihrer Stelle stehen nun typische Mietshäuser der 1960er Jahre.
Gegenüber kaufte sich bald darauf ein Nürnberger Bauunternehmer-Duo ein. In den Kunststeingewänden der Hauseingänge prangt noch heute die Inschrift „H u B“. Hinter diesen Initialen verbergen sich der Architekt Josef Heinrich und der Ingenieur Georg August Berner, die in der Schweppermannstraße 55 ein gemeinsames Büro unterhielten. Zwischen 1927 und 1930 errichteten sie die Wohnanlage Hallerstraße 23-27 mit Sandrartstraße 26/28. Für das Projekt wählte Heinrich die Sprache des vom Neubarock beeinflussten, betulichen Heimatstils mit Mansarddächern. Die ungewöhnlich hohen Erdgeschosszonen mit Rustika sorgen dafür, dass die Baukörper trotz ihrer Massigkeit harmonisch proportioniert wirken.
Dem Erscheinungsbild des Gebäudeäußeren entsprachen die Wohnungen drinnen, die sich an wohlhabenderes Mieterklientel richteten. Unter ihnen waren Hugo Mosbacher, seine Frau Clementine und seine Schwester Frieda. Nach der gemeinsamen Flucht in die Niederlande wurden sie verhaftet und 1943 in den Konzentrationslagern Auschwitz und Sobibor ermordet. Tochter Rosi, damals 26, blieb allein zurück, nachdem sie 1939 ins sichere Großbritannien ausgewandert war. Seit 2015 erinnern drei „Stolpersteine“ vor der Hallerstraße 27, die Gunter Demnig im Auftrag der Nachkommen verlegt hat, an die Mosbachers und ihr Schicksal.
Das Ensemble in St. Johannis aus den 1920er und 1930er Jahren hat sich wunderbar erhalten
Mit der Liberalisierung der Wohnungspolitik trat schließlich die 1928 ins Leben gerufene „Freibau GmbH“ mit Sitz in der Burgschmietstraße 15 auf den Plan. Ihr Markenkern war die „Erbauung beschlagnahmefreier Wohn- und Geschäftsräume“, die nicht von der staatlich gelenkten Wohnraumbewirtschaftung betroffen waren. Ihre 1930 vollendete Wohnanlage Hallerstraße 19 mit Sandrartstraße 25 kommt im Vergleich zu den anderen Vorkriegsbauten an der Kreuzung avantgardistisch daher: Hier peppen typische Merkmale der Neuen Sachlichkeit und des Expressionismus wie die querrechteckigen Fenster, die durchlaufenden Gesimsbänder und die Treppenhaus-Achsen mit ihrer betont vertikalen Gliederung die konventionellen Kubaturen auf. Die Straßenecke akzentuiert ein großer polygonaler Erker mit Helm.
Obwohl allein die Villa Volz heute Denkmalschutz genießt, hat sich das beeindruckende Ensemble der 1920er und 1930er Jahre wunderbar bis in unsere Zeit erhalten. Wollen wir hoffen, dass es so bleibt.
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