Nürnberg - Eine Steuer, die fast alle befürworten? Die gibt es, weil sie die Gesundheit fördern und den Krankenkassen Kosten sparen würde. Was hindert uns also daran, endlich eine Zuckersteuer einzuführen, fragt Armin Jelenik in seinem Kommentar.
01.04.2026 08:00 Uhr

So viel Einigkeit ist selten: Die Kommission zur Reform der Krankenkassenfinanzen hat neben vielen anderen Maßnahmen gerade erst die Einführung einer Zuckersteuer vorgeschlagen - und damit eigentlich nur das wiederholt, was Wissenschaftler und Ärzte seit vielen Jahren fordern. Auch die SPD, Teile der CDU, das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung und eine Mehrheit der Verbraucher haben sich für die Abgabe ausgesprochen.

Denn die Faktenlage ist eindeutig: Hoher Zuckerkonsum kann zu Diabetes und Herzerkrankungen führen, die Risiken für Adipositas, Schlaganfälle, Bluthochdruck und Fettleber können steigen. Das ist in zahlreichen wissenschaftlichen Studien gut belegt - ebenso die positive steuernde Wirkung, die eine gestaffelte Zuckersteuer vor allem auf Kinder hat, die Softdrinks trinken.

Zuckersteuer spart Milliarden an Gesundheitskosten

In Großbritannien beispielsweise wurde die Steuer 2018 eingeführt. Die Zuckermenge in Limonaden und Säften halbierte sich um die Hälfte, die Fettleibigkeit bei Mädchen um acht Prozent. Eine britische Studie kommt zu dem Ergebnis, dass eine Zuckersteuer binnen 20 Jahren vier Milliarden Euro Gesundheitskosten und 16 Milliarden Euro gesellschaftliche Folgekosten reduzieren könnte.

Weniger Zucker tut also nicht nur dem Einzelnen gut, sondern auch der Gesellschaft, die sich spätere Kosten spart. Also warum nicht auch in Deutschland „einfach mal machen, statt diskutieren“, wie es uns in Wahlkämpfen gerne versprochen wird?

Weil die Einigkeit und das Vertrauen in die Wissenschaft dort enden, wo wirtschaftliche Interessen bedroht sind. Bundeslandwirtschaftsminister Alois Reinhard (CSU) beispielsweise lehnt eine Abgabe auf das süße weiße Kristall mit dem Argument ab, dass Übergewicht bei Kindern ja auch von Bewegungsmangel herrühren könne. Stattdessen setzt er auf eine Selbstverpflichtung der Lebensmittelindustrie, Fett, Salz und Zucker zu reduzieren. Und der bayerische Verbraucherschutzminister Thorsten Glauber von den Freien Wählern sieht eher die Eltern in der Pflicht, den Softdrink-Konsum ihrer Kinder einzuschränken.

Widerstand gegen Zuckersteuer: Es gibt gleich drei Zuckerfabriken in Bayern

Möglicherweise hat die Zurückhaltung der beiden bayerischen Politiker aber auch damit zu tun, dass es in Deutschland im Wesentlichen nur drei große Zuckerproduzenten gibt. Und einer davon, Südzucker, betreibt alleine drei Fabriken in Bayern. Tausende von Bauern liefern dorthin ihre Rüben - ein gewichtiger regionaler Wirtschaftsfaktor.

Völlig von der Hand weisen lassen sich die Argumente der beiden Politiker dennoch nicht - auch wenn es eine Selbstverpflichtung der Industrie längst gibt, die bislang aber nahezu wirkungslos blieb. Natürlich kann eine Zuckersteuer nur ein erster Schritt sein: Bewegungsprogramme an Schulen, Initiativen für gesünderes Essen und, nicht zuletzt, ein Verbot von Werbung, die direkt auf höheren Zuckerkonsum von Kindern abzielt, sollten unbedingt folgen.