
Wenn der markante Ruf des Kuckucks erklingt, ist der Frühling in Bayern in vollem Gange. „Sein namensgebender Ruf dient dem Männchen dazu, sein Revier abzustecken und ist in Bayern meist ab Anfang April zu hören, wenn die Kuckucke aus ihren Überwinterungsquartieren in Afrika zurückkehren“, weiß LBV-Vogelexpertin Angelika Nelson. Der bayerische Naturschutzverband LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz) lädt auch heuer wieder Interessierte ein, dieses Naturphänomen zur erleben und die eigene Beobachtung mit anderen zu teilen. Deshalb kann man jetzt den ersten Kuckuck des Jahres melden unter: www.lbv.de/kuckuck.
Sobald der Kuckuck aus seinem Winterquartier in Afrika zurückkehrt, besetzt das Männchen mit einem weit hörbarem „ku kuu“ sein Revier. Von einem hohen Punkt aus versucht es damit auch Kuckucks-Weibchen anzulocken. Üblicherweise ertönt der bekannte Ruf im Freistaat zwischen April und Juli. Besonders an sonnigen, windstillen Tagen sind Kuckucke aktiv. Dann sind ihre Rufe weithin zu hören und die Karte der ersten Kuckucksmeldungen auf der LBV-Webseite füllt sich rasch. „Es ist jedes Jahr wieder spannend mitzuverfolgen, wie sich die Meldungen von Süden nach Norden hin ausbreiten“, erklärt Nelson.
Der LBV ruft dazu auf, erste Kuckuck-Sichtungen des Jahres zu melden
Obwohl der Ruf des Kuckucks so charakteristisch scheint, ist vor der Meldung genaues Hinhören gefragt: „Der kurze prägnante Reviergesang kann manchmal mit dem ähnlich klingenden, langgezogenen Balzruf der Türkentaube verwechselt werden. Denn auch die Türkentauben sind zurzeit in Paarungsstimmung und lassen ihren Ruf weithin erklingen. Wer sich nicht sicher ist, von welchem Vogel die Laute stammen, dem hilft der LBV-Ruf-Check mit Hörbeispielen unter www.lbv.de/kuckuck.
Der Bestand des Kuckucks geht deutschlandweit zurück, warnt der LBV, in der Roten Liste der Brutvögel Deutschlands wird er seit 2020 als „gefährdet“ eingestuft. Die Ursachen dafür sind komplex. Verschiedene Faktoren im Brutgebiet, während des Vogelzugs sowie in den Rast- und Überwinterungsgebieten seien dafür verantwortlich. Einige wissenschaftliche Studien wiesen darauf hin, dass Singvögel, die kürzere Strecken als der Kuckuck ziehen, aufgrund Klimaveränderungen früher in ihre Brutgebiete zurückkehren und daher auch früher mit der Eiablage beginnen als in den letzten Jahrzehnten.
Der Kuckuck legt sein Ei gezielt in das Nest anderer Vogelarten – idealerweise der Art, von der er selbst aufgezogen wurde. Dabei muss das Ei zeitlich genau abgestimmt sein, sonst entwickelt sich der Kuckuck nicht rechtzeitig neben den Wirtsjungen. „Kommt der Kuckuck zu spät aus seinem Winterquartier in Afrika, findet er keinen passenden Wirtsvogel und seine Fortpflanzung ist gefährdet“, erklärt die Ornithologin.
Um besser zu verstehen, ob der Kuckuck auf andere Wirtsvogelarten ausweicht oder sein Verbreitungsgebiet verändern kann, sind langfristige und bayernweite Beobachtungen entscheidend. Mit der Meldung ihres ersten gehörten Kuckucks können so auch wachsame Bürgerinnen und Bürger dazu beitragen, eine Wissengrundlage mit Blick auf das Vorkommen des Vogels zu schaffen.

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