
Ein „Mini-Atomkraftwerk“ kann sich Markus Söder im Freistaat vorstellen. Mit dieser Aussagen punktet Bayerns Ministerpräsident, in Zeiten exorbitant steigender Spritpreise. Zumindest auf den ersten Blick. Söder, der seit jeher einen feinen Sensus für Stimmungen hat, wählte dieses Mal ein Boulevardmedium, um seine seit längerem wieder aufflammende Begeisterung für die Kernenergie kundzutun.
Vielleicht schlug er diesen Weg ein, um unbequeme Rückfragen zu vermeiden. Denn wo ein solchen AKW 2.0. entstehen könnte, dazu sagte der Nürnberger kein Wort. Wahrscheinlich eher nicht um seine Heimatstadt Nürnberg herum, vielleicht aber auch nicht dort, wo vor kurzem die letzten Kühltürme der ersten Atomkraftwerksgeneration gesprengt wurden - nur: Wo dann?
Söders Atomkurs ist leicht erklärbar
Eine von vielen offenen Fragen, zu deren Beantwortung es nie kommen dürfte. Denn, Söder weiß sehr genau, dass ein Ministerpräsident nicht einfach so ein AKW in seinem Land errichten lassen kann. Dazu bedarf es einer Entscheidung auf Bundesebene, die mit der SPD nie zustande käme. Selbst die CDU wäre dazu derzeit nicht bereit: „Unumkehrbar“, so Kanzler Friedrich Merz (CDU), sei der Ausstieg aus der Atomkraft, der nach der Reaktorkatastrophe im japanischen Fukushima beschlossen wurde. Eine der treibenden Kräfte damals hieß Markus Söder. 2023 ging mit Isar 2 nahe Landshut der letzte Reaktor in Bayern vom Netz.
Söders Atomflirt ist leicht erklärbar: Wie viele Politiker steht er vor der misslichen Lage, die Benzin- und Dieselpreisexplosion nicht allzu lange der Bevölkerung zumuten zu wollen. Also sucht er nach Auswegen. Nur: Die Atomkraft zählt sich nicht dazu. Solange die Frage der Atommüll-Endlagerung in Deutschland nicht gelöst ist - Bayern schließt Söder übrigens aus - sollte es keine seriöse Debatte über neue AKWs geben.
Seriöse Politik sollte stattdessen in der Lage sein, Ideen gutzuheißen, auch wenn die geistige Urheberschaft ehemals beim politischen Gegner lag. Denn die Energiedebatte könnte auch ohne Uran gelöst werden - indem der Einsatz regenerativer Energien konsequent weiter ausgebaut wird. Denn dann sänke die Abhängigkeit der deutschen Verbraucher von Ölkrisen, wie sie derzeit durch den Iran-Krieg ausgelöst wurde. Die Grünen haben dazu viele Ideen gehabt. Aufgrund handwerklicher Fehler sind sie jedoch an der Wahlurne zurecht abgestraft worden.
Söder und die Grünen
Söder ist einer derjenigen gewesen, der daran Anteil hatte: Sein Grünen-Bashing ist legendär. Dabei wäre es für ein Volkspartei wie die CSU klug, sich die inhaltlichen Filetstücke grüner Programmatik herauszuschneiden. Dazu zählt eine konsequente Energiewende. Ganz unideologisch betrachtet: Es gibt gar keine Alternative. Doch wer auf längere Laufzeiten von Verbrennern setzt, wer Mini-AKWs als Bereicherung unseres Energie-Mix betrachtet, der verschließt offenbar immer noch die Augen vor der Realität. Dabei stünde grüne Energie auch den Schwarzen gut zu Gesicht!

3 Kommentare
nomue1
Wer sich über hohe Energiepreise beschwert, der sollte das Thema Atomstrom nicht ernsthaft in Erwägung ziehen.
16.03.2026 17:49 Uhr