
Wahrscheinlich hat Trump sich das mit dem Iran so vorgestellt wie zu Jahresbeginn bei der Entführung von Nicolas Maduro aus Venezuela - „wie eine Fernsehshow“, schwärmte er damals, als er die Aktion am Bildschirm verfolgte. „Einfach nur zum Spaß“ will er nun „vielleicht noch einmal zuschlagen“ gegen Iran. Krieg als Unterhaltung? Man fasst es nicht.
Blöd nur, dass dieser Krieg sich nicht nach dem Drehbuch des US-Präsidenten richtet und länger dauert als gedacht - falls Trump jemals ein Konzept gehabt hat, wonach es leider nicht aussieht. Im Gegenteil: Trump hat offenbar keinerlei Plan, seine Aussagen über die Ziele des Einsatzes wechseln täglich bis stündlich - und die Folgen des losgetretenen Krieges stürzen die halbe Welt in eine veritable Wirtschafts- und Energiekrise.
Moskau half Teheran wohl beim Aufspüren von US-Zielen in der Region
Mehr noch: Aktuell gibt es vor allem einen Mann, der sich als gar nicht so heimlicher Gewinner sehen kann und sein Glück wieder mal kaum fassen dürfte - Wladimir Putin. Sein Russland profitiert vom Krieg. Eine makabre, empörende Pointe.
Denn: Russland ist seit langem Partner des Iran. Teheran lieferte Moskau Drohnen und Raketen für den Krieg gegen die Ukraine und half beim Bau einer Drohnenfabrik in Russland. Jetzt, nach dem Angriff der USA und Israels auf Iran, stellte Putin dem Mullah-Regime laut CNN Zieldaten zur Verfügung, mit denen Iran amerikanische Truppen und Einrichtungen im Nahen Osten angreifen konnte.
Russland stützt also Trumps Gegner. Und - wird von Trump belohnt. Der US-Präsident hob die Sanktionen gegen russisches Erdöl auf. Das ist für die Ukraine dramatisch. „Einen Ajatollah in Teheran töten, einem anderen Ajatollah in Moskau helfen“, so ein Sprecher von Präsident Selenskyj.
Allein der gestiegene Ölpreis spült Russland einige Milliarden in die zusehends leeren Kassen. Die Aufhebung der Sanktionen hilft Putin noch mehr aus der Patsche. Auch militärisch nützt ihm der neue Krieg. Denn die USA brauchen nun alles an Waffen für diesen Militärschlag. Da bleibt erst mal nichts mehr übrig für die Ukraine.
Den Krieg gegen die Ukraine dürfte Trump nun wohl bald ganz vergessen
Ohnehin gerät Putins Krieg aus dem Blick - dabei führt er ihn mit aller Härte und immer neuen Angriffen gegen Zivilisten weiter. Und fühlt sich im Recht. Denn seine Argumentation lautet nun: Die USA und Israel taten doch dasselbe wie Russland mit ihrem Angriff - dass alle Aggressoren dabei Völkerrecht verletzten, spielt in deren Denken keine Rolle mehr.
Trump hat bisher also dies erreicht: dramatische Preissprünge bei fossilen Energien, die auch ihn unter Druck setzen - gerade vor den näher rückenden Zwischenwahlen. Düpierte Noch-Partner im Rest des Westen, darunter auch Kanzler Merz, der Trumps brandgefährliche Abenteuer wenigstens kritisiert. Und: Der Präsident, der den Ukraine-Krieg mal binnen eines Tages beenden wollte, dürfte diesen Krieg wohl bald vergessen - weil der Mann, der den Friedensnobelpreis will, einen noch brisanteren Krieg losbrach. Was für eine Bilanz!

3 Kommentare
Samoth
Tja, so langsam versteht die amerikanische Administration vermutlich wie es sich anfühlt, wenn man ohne Freunde dasteht. Und der Donald wundert sich. Israel bezieht kein Öl vom Golf, die Chinesen machen lieber einen eigenen Deal mit dem Iran für ihre Tanker und Frachtschiffe und Europa verweigert die Gefolgschaft, denn das ist kein Nato Bündnisfall. Amerika und Israel führen einen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg. Wer in Sichtweite der iranischen Küste mit Kriegschiffen patroliert, der liefert vor allem hochwertige Ziele. Spätestens seit der Versenkung der Moskwa ist klar: Ein Angriff mit relativ billige Seedrohnen gefüllt mit Sprengstoff ist ein kritisches Risiko für Zerstörer und Fregatten. Und ein Supertanker gefüllt mit Brennstoff ist bei einer ernsthaften Attacke mit Drohnen kaum zu verteidigen. Da sollen die Amis mal selbst zusehen, wie sie jetzt aus der misslichen Lage wieder rauskommen.
16.03.2026 12:24 Uhr