
Nun also doch: Die Politik reagiert auf den Anstieg der Spritpreise, die seit Beginn des Kriegs gegen Iran meist nur noch eine Richtung kennen. Der Benzinpreis ist so etwas wie der (immer noch) moderne Brotpreis. Wenn dieses Grundnahrungsmittel für viele zu teuer wurde, brachen einst schon mal Unruhen aus. Daher können Regierende kaum zusehen, wenn Tanken für viele zur Belastung wird - noch weniger in einem Jahr mit vielen Wahlen.
Daher drängte auch die SPD auf einen Schritt, den Wirtschaftsministerin Katherina Reiche nun ankündigte: Tankstellen dürfen nur noch einmal pro Tag - statt bisher oft stündlich - den Preis anheben. Das gilt in Österreich schon lange, dort verschärft man die Regel nun auf höchstens drei Preiserhöhungen pro Woche. Ob es hilft? Experten sagen, dass die Konzerne einfach auf eine noch massivere Anhebung pro Tag setzen können - als Puffer.
Bis die neue Regel greift, braucht es erst einen Parlamentsbeschluss
Bis die neue Regel greift, dauert es ohnehin noch: Es braucht einen Parlamentsbeschluss. Zugleich gab die Regierung einen Teil der deutschen Ölreserven frei - der Markt wird mit einem größeren Angebot geflutet, weil die Lieferungen aus dem Persischen Golf wegen der Blockade der Straße von Hormus stagnieren. Daher der Preissprung - der in Deutschland allerdings deutlich stärker ausfiel als in anderen Staaten.
Was der Spritpreis-Schock diesmal noch mehr zeigt als nach dem Beginn von Putins Krieg gegen die Ukraine: Wir sind zu abhängig von fossilen Energien. Das ist seit Jahrzehnten bekannt. Gegengesteuert wurde zu wenig. Und eine wankelmütige Politik bremste die auf den Weg gebrachte Energiewende mit dem Ausbau der Erneuerbaren mehrfach aus - zuletzt tat die aktuelle Koalition dies mit ihrem Aufweichen des Verbrenner-Verbots und dem Aushebeln des Heizungsgesetzes.
Was vermeintlich populär ist, verschärft die Probleme - und die Kosten: Öl und Gas werden teurer - durch die CO2-Bepreisung und durch ihre Anfälligkeit für Krisen. Die Leidtragenden einer verschleppten Energiewende sind aufs Auto Angewiesene und Mieter, auf die Vermieter die steigenden Kosten fossiler Heizungen umlegen.
Donald Trump und Benjamin Netanjahu haben es in der Hand, den Ölpreis sinken zu lassen - was nach Trumps Ankündigung eines schnellen Kriegsendes tatsächlich geschah. Sie legten die Lunte ans Ölfass Nahost. Ihr Krieg - für den Israel nachvollziehbarere Motive hat als die USA - erhöht aktuell viele Risiken. Tödliche für die Menschen in der Region - und (viel leichter zu ertragende) für Wirtschaft und Verbraucher in weiten Teilen der Welt.
Was die Belastung tatsächlich verringern könnte
Das Drängen auf ein Kriegsende und auf Stabilität in der Region ist daher kurzfristig das beste Rezept für Beruhigung an der Ölpreis-Front - und besser als erneute Tank-Rabatte, die dann alle Steuerzahler finanzieren. Und: Eine Politik, die den Ausstieg aus fossiler Energie verzögert, ist mit verantwortlich dafür, dass zu viele Verbraucher die aktuelle Krise derart massiv spüren.

2 Kommentare
M95L
...die beschleunigte und konsequente Energiewende ist die einzig vernünftige Antwort auf die Autokratiekriege der Wahnsinnigen dieser Welt...
12.03.2026 13:46 Uhr