Erlangen - Wenn internationale Studierende hohe Studiengebühren zahlen müssen, vergrault das die Fachkräfte von morgen, die Deutschland so dringend braucht. Dabei gibt es eine andere Lösung, schreibt Carolin Heilig in ihrem Contra-Kommentar.
12.03.2026 09:50 Uhr

Stolze 4000 bis 6000 Euro bezahlen Studierende aus Drittstaaten, also aus Nicht-EU-Ländern, für ein Masterstudium an der Technischen Universität München pro Semester. Das ist nicht nur in vielen Fällen ungerecht, sondern schadet vor allem dem Wirtschafts- und Forschungsstandort Deutschland.

In Baden-Württemberg wurden bereits zum Wintersemester 2017/2018 solche Gebühren eingeführt. Die Folge: Der Anteil internationaler Studierender fiel um 19 Prozent. Zwar gab es inzwischen auch wieder Anstiege, aber die Konsequenz ist eindeutig. Vierstellige Summen pro Semester kann schlicht nicht jeder aufbringen.

Wenn die Studierenden aus Nicht-EU-Ländern nun aber fernbleiben, fehlen ihre Kompetenzen in der deutschen Forschungslandschaft. Spitzenforschung lebt von internationaler Vernetzung - schwierig, wenn kaum mehr jemand aus dem Ausland kommen möchte.

Debatte um Studiengebühren: Wer in Deutschland studiert, bleibt häufig langfristig - und zahlt Steuern

Und auch auf dem Arbeitsmarkt fehlen die internationalen Studierenden. Laut einer Auswertung des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge bleibt die Hälfte der drittstaatsangehörigen Studierenden in Deutschland und wird größtenteils erwerbstätig. Es sind die Fachkräfte (und Steuerzahler) von morgen, darunter Software-Entwickler oder Ingenieure, die wir so dringend brauchen - und die wir nun mit Studiengebühren vergraulen. Deutschland würde damit vor allem eines tun: sich ins eigene Fleisch schneiden.

Die pauschale Einführung von Studiengebühren wäre insbesondere für die Menschen, die in Deutschland erwerbstätig werden und die Wirtschaft vorantreiben, ungerecht.

Gleichzeitig mischen sich in die Debatte Stimmen, die sagen, wer nach dem Studium wieder geht, sollte nicht von staatlichen Subventionen profitieren. An dieser Stelle lohnt sich ein Blick auf das Medizin-Studium: Um einen Studienplatz zu bekommen, verpflichten sich manche Studierenden, nach dem Abschluss eine gewisse Zeit als Mediziner in einer ländlichen Region tätig zu sein. Mit Blick auf die aktuelle Debatte würde das bedeuten: Menschen aus Drittstaaten müssen keine Studiengebühren bezahlen, wenn sie sich verpflichten, nach der Ausbildung eine gewisse Zeit in Deutschland zu arbeiten. Wer in Deutschland nur studieren möchte, begleicht die Gebühren. Es ist ein Kompromiss, der allen Seiten dient.