
Stolze 4000 bis 6000 Euro bezahlen Studierende aus Drittstaaten, also aus Nicht-EU-Ländern, für ein Masterstudium an der Technischen Universität München pro Semester. Das ist nicht nur in vielen Fällen ungerecht, sondern schadet vor allem dem Wirtschafts- und Forschungsstandort Deutschland.
In Baden-Württemberg wurden bereits zum Wintersemester 2017/2018 solche Gebühren eingeführt. Die Folge: Der Anteil internationaler Studierender fiel um 19 Prozent. Zwar gab es inzwischen auch wieder Anstiege, aber die Konsequenz ist eindeutig. Vierstellige Summen pro Semester kann schlicht nicht jeder aufbringen.
Wenn die Studierenden aus Nicht-EU-Ländern nun aber fernbleiben, fehlen ihre Kompetenzen in der deutschen Forschungslandschaft. Spitzenforschung lebt von internationaler Vernetzung - schwierig, wenn kaum mehr jemand aus dem Ausland kommen möchte.
Debatte um Studiengebühren: Wer in Deutschland studiert, bleibt häufig langfristig - und zahlt Steuern
Und auch auf dem Arbeitsmarkt fehlen die internationalen Studierenden. Laut einer Auswertung des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge bleibt die Hälfte der drittstaatsangehörigen Studierenden in Deutschland und wird größtenteils erwerbstätig. Es sind die Fachkräfte (und Steuerzahler) von morgen, darunter Software-Entwickler oder Ingenieure, die wir so dringend brauchen - und die wir nun mit Studiengebühren vergraulen. Deutschland würde damit vor allem eines tun: sich ins eigene Fleisch schneiden.
Die pauschale Einführung von Studiengebühren wäre insbesondere für die Menschen, die in Deutschland erwerbstätig werden und die Wirtschaft vorantreiben, ungerecht.
Gleichzeitig mischen sich in die Debatte Stimmen, die sagen, wer nach dem Studium wieder geht, sollte nicht von staatlichen Subventionen profitieren. An dieser Stelle lohnt sich ein Blick auf das Medizin-Studium: Um einen Studienplatz zu bekommen, verpflichten sich manche Studierenden, nach dem Abschluss eine gewisse Zeit als Mediziner in einer ländlichen Region tätig zu sein. Mit Blick auf die aktuelle Debatte würde das bedeuten: Menschen aus Drittstaaten müssen keine Studiengebühren bezahlen, wenn sie sich verpflichten, nach der Ausbildung eine gewisse Zeit in Deutschland zu arbeiten. Wer in Deutschland nur studieren möchte, begleicht die Gebühren. Es ist ein Kompromiss, der allen Seiten dient.


1 Kommentar
Wowo
Wieso soll Deutschland immer nur der Zahlmeister sein? Wieso erheben andere Länder dafür Gebühren und denen laufen die Fachkräfte nicht davon, bzw. werden soviel "Fachkräfte" gar nicht benötigt? Wieso haben wir immer die Ausrede "Fachkräftemangel" Sind unsere Jugendlichen zu blöd oder haben sie keine Lust und keinen Antrieb? Forschungsergebnisse können auch zu einem späteren Zeitpunkt ausgetauscht werden, wenn das Studium beendet ist und die Forschung beginnt. Falls z.B. der chinesische Student sich dann nicht mehr mit uns austauschen möchte, Wieso studiert er dann hier? Wenn wir auf der Welt nur noch als Zahlmeister gelten und keine eigenen Fachkräfte mehr haben, sind wir sowieso nicht mehr ernst zu nehmen.
13.03.2026 23:36 Uhr