
Ist es ein Skandal, wenn der Staat drei Buchhandlungen aus dem linken Spektrum Preise und damit Fördermittel verweigert? Zunächst mal darf und muss der Staat selbst entscheiden, wen er mit Geld unterstützt, klar. Und ob es Sache des Staates ist, Buchhandlungen mit Preisen zu stützen - darüber darf man streiten, klar.
Aber bisher war das eben genau so geregelt: Das Kultur-Staatsministerium zeichnete kleine Buchhandlungen aus, die eine unabhängige Jury für preiswürdig erachtet hatte. Die Liste wurde so immer akzeptiert. Nun aber will das von Wolfram Weimer geleitete Ressort drei linke Buchläden streichen - wegen nicht näher erläuterter Bedenken des Verfassungsschutzes.
Damit wird der Staat zum Zensor, er beschränkt die Kunst- und Meinungsfreiheit
Damit aber wird der Staat zum Zensor. Er schaltet sich ein in die Kunst- und auch Meinungsfreiheit - und schränkt sie ein. Eine inakzeptable Grenzüberschreitung. Wohin so etwas nämlich führen kann, das zeigen illiberale Demokratien wie Ungarn und zusehends auch die USA. Die Liste der in viel zu vielen amerikanischen Bundesstaaten verbotenen Bücher - um nur ein Beispiel zu nennen - ist inzwischen lang.
Wie bei allen Trends aus den USA schwappt leider auch dieser Kulturkampf zu uns über. Kürzlich hatte Wolfram Weimer eigentlich vor, die Leiterin der Berlinale zu entlassen - weil sie empörende Aussagen auf dem Filmfest hinnahm. Über die darf, ja muss man sich aufregen, streiten, sie als antisemitisch zurückweisen - aber auch da sind Eingriffe der Politik heikel, die Weimer nach wie vor erwägt.
Er wolle die „die Korridore des Sagbaren, Erkundbaren und Darstellbaren möglichst weiten“, schrieb Weimer zu Beginn seiner Amtszeit. Und: „Der Staat kann daher als Mäzen auftreten, sollte sich aber inhaltlicher Einmischung enthalten. Er degradiert sonst die Künste zur Platzanweiserin der jeweiligen politischen Korrektheit.“
Genau das aber tut und tat er nun mehrfach. Ein bedenklicher Trend, dem auch andere folgen. Man kann vielleicht noch schmunzeln darüber, wie sich CSU-Größen über den angeblich destruktiven Spott am Nockherberg mokieren. Da hat (milde) Satire offenbar zusehends Gereizte getroffen, die Kritik längst für Majestätsbeleidigung halten.
Skandalös aber sind inflationäre Anzeigen gegen vermeintliche Beleidigungen von Politikern und das Vorgehen gegen offenkundig satirisch gemeinte Beiträge. „Heißen die jetzt Generation Hoffnung oder Generation Deutschland erwache?“ - das schrieb der Kolumnist Jan Fleischhauer über die neue AfD-Nachwuchsorganisation. Nun wird ihm - wie zuvor auch anderen - die Verwendung einer SA-Parole („Deutschland erwache“) vorgeworfen. Da überzieht der Staat oft maßlos - und sieht zugleich zu, wie in den sozialen Netzwerken tatsächliche Grenzüberschreitungen wuchern.
Da gäbe es genug Handlungsbedarf für den von Merz geholten Kanzler-Freund Weimer. Statt Kulturkampf zu betreiben sollte er für Kultur, Medienvielfalt und Meinungsfreiheit kämpfen.


2 Kommentare
hoffnungsfroh
Mit Bücherverbieten bis -verbrennen fing schon mal eine schlimme Phase in Deutschland an. An Kiosken oder im Internet werden unsägliche Sachen vermittelt , was vielleicht verfassungsfeindlich oder moralisch stark verwerflich ist. Bei Grenzen für Kinder und Jugendliche traut man sich nicht, die Herausgeber scheußlichsten Inhalts zu reglementieren, aber bei Buchhandlungen schon. Man sollte dann wenigstens genau sagen, was man diesen Ausgewählten genau vorwirft, wo sie sich verfassungsfeindlich verhalten haben. Und nun verbietet Herr Weimer auch noch den geplanten Erweiterungsbau für Deutsche Nationalbibliothek. Goethes Faust oder Heines Gedichte fliegen aus dem Bildungskanon. Man muss vorwärts denken, aber die Wurzeln sollten auch nicht gekappt werden. Digitalisierung braucht immer mehr Platz und Energie oder will Herr Weimer, dass alles in den Clouds der größten und reichsten Unternehmer/n landet und diese alles abschalten könnten, wie sie wollen?
15.03.2026 10:48 Uhr