Nürnberg - Seit Jahrzehnten beliebt sind Computerspiele wie „Sim City“, wo es darum geht, eine Stadt zu erbauen und zu managen. Von da aus ist es kein weiter Schritt zur Realität: Eine Software soll nun der Stadt Nürnberg beim Baustellenmanagement helfen.
26.02.2026 17:11 Uhr

Wer auf Nürnbergs Straßen unterwegs ist, braucht davon eine Menge: Geduld. Aufgerissene Fahrbahnen, Umleitungen, gesperrte Spuren – Baustellen gehören zum Stadtbild. Und in der Vergangenheit gab es auch verstärkt Kritik am Baustellenmanagement: Muss denn das alles gleichzeitig sein? Kann das nicht besser abgestimmt werden?

Die Stadt holt sich nun digitale Intelligenz zur Hilfe, um Planung und Koordination zu verbessern: Der Servicebetrieb Öffentlicher Raum Nürnberg (Sör) startet ein dreijähriges Pilotprojekt mit einer neuen Software für ein optimiertes Baustellenmanagement.

Computer soll die Stadt abbilden und genaue Prognosen zulassen

Oberbürgermeister Marcus König, Bürgermeister und Erster Sör-Werkleiter Christian Vogel sowie Sasan Amini vom Softwarehersteller Transcality unterzeichneten nun einen entsprechenden Vertrag. Ziel ist es, Baustellen künftig noch besser aufeinander abzustimmen und ihre Auswirkungen auf den Verkehr frühzeitig transparent zu machen. Das ist die Hausaufgabe der neuen Software.

Bis zu 12.000 Einzelmaßnahmen koordiniert Sör nach eigenen Angaben pro Jahr im Stadtgebiet, rund 3000 davon auf Hauptverkehrsachsen. Neben städtischen Projekten an Straßen, Brücken und Leitungen kommen zahlreiche private Bauvorhaben hinzu. Die Herausforderung: Überschneidungen vermeiden, Engpässe reduzieren, den Verkehr möglichst flüssig halten.

Oberbürgermeister Marcus König (Mitte), Bürgermeis
Oberbürgermeister Marcus König (Mitte), Bürgermeister und Erster Sör-Werkleiter Christian Vogel (links) und Sasan Amini, Co-Founder des Softwareherstellers Transcility (rechts) haben am Donnerstag, 26. Februar 2026, den Vertrag zum Pilotprojekt unterzeichnet. © Tim Koß

Wie kann die Software helfen? Sie bildet das Straßennetz digital als „Zwilling“ ab und analysiert Verkehrsströme, geplante Maßnahmen und zeitliche Abläufe. Unterschiedliche Bauphasen lassen sich so simulieren, Auswirkungen prognostizieren, Abhängigkeiten zwischen Projekten erkennen. Szenarien lassen sich also erstmal „durchspielen“. So soll eine fundiertere Entscheidungsgrundlage entstehen – bevor der erste Bagger anrollt.

König spricht von einem strategischen Schritt: Nürnberg setze seit Jahren konsequent auf Digitalisierung in der Verwaltung. KI-gestützte Werkzeuge könnten helfen, Bauabläufe präziser zu planen. Davon profitierten Bürgerinnen und Bürger ebenso wie die Wirtschaft.

„Wir wollen die Einschränkungen in jedem Fall so gering wie möglich halten“

Auch Vogel sieht im Pilotprojekt einen Mehrwert. Natürlich gebe es bereits ein Baustellenmanagement, doch angesichts der Vielzahl an Maßnahmen stoße selbst ein eingespieltes System an Grenzen. Ziel bleibe, Einschränkungen für Verkehrsteilnehmende so gering wie möglich zu halten.

Während einer dreijährigen Pilotphase will Sör das System intensiv prüfen und auswerten. Entscheidend wird sein, ob sich Planungsprozesse tatsächlich beschleunigen und Belastungen spürbar reduzieren lassen. Wie genau kann das System die einzelnen Ströme berechnen? Kann es das Verhalten der Nürnberger Verkehrsteilnehmer und auswärtiger Pendler tatsächlich „vorhersehen“? Dies alles wird man überprüfen und einem Praxistest unterziehen. Erst danach fällt die Entscheidung über eine dauerhafte Einführung.

Von diesem Planungswerkzeug wird man nach außen hin kaum etwas mitbekommen. Für viele Nürnbergerinnen und Nürnberger dürfte das Projekt vor allem an einer Frage gemessen werden: Wird der Weg zur Arbeit, zur Schule oder ins Wochenende künftig ein Stück berechenbarer und einfacher? Dann kann es sein, dass der Baustellenmanager aus dem Computer ein guter Berater war.