
Ein Blick in das Programm der Berlinale reicht aus, um festzustellen: Das weltbekannte Filmfestival ist eine hochpolitische Angelegenheit. Die über 200 gezeigten Filme handeln unter anderem von Krieg, Armut, Diskriminierungen, Rassismus und familiärer Gewalt. Niemand kann also dem Veranstalter unterstellen, er würde irgendwelche Probleme ausblenden. Alle heiklen Themen werden angesprochen.
Trotzdem haben sich 80 Vertreterinnen und Vertreter der Branche, darunter internationale Stars wie Tilda Swinton und Javier Bardem, in einem offenen Brief „entsetzt“ gezeigt über das „institutionelle Schweigen“ der Berlinale. Sie sind der Meinung, solidarische Stimmen mit dem palästinensischen Volk würden nicht ausreichend Raum erhalten.
2024 wurde die Berlinale von pro-palästinensischen Aktionen dominiert
Da reibt man sich schon ein wenig die Augen. War da nicht etwas? 2024 nutzten gleich mehrere Preisträger die Bühne, um den Staat Israel heftig zu kritisieren. Aktivisten trugen pro-palästinensische Botschaften auf ihrer Kleidung und auf Bannern. Das Massaker der terroristischen Hamas an Hunderten von Israelis vom 7. Oktober 2023 bei einem Musikfestival und die anschließende Geiselnahme sogar von Kindern und Alten wurden dabei regelmäßig ausgeblendet.
Daraus zogen die Berlinale-Verantwortlichen die richtige Konsequenz. Sie machten klar, dass sie solch zugespitzte Äußerungen im offiziellen Programm nicht mehr dulden wollen. Denn es kann ja nicht sein, dass eine Seite die Bühnen für ihre Botschaften kapert und sich damit dem durchaus differenzierter denkenden Publikum aufdrängt.
Immer wieder beweist die Kulturszene, insbesondere auch im Bereich der bildenden Kunst, dass sie unter „Solidarität“ vor allem versteht, sich auf eine Seite zu stellen und dabei nicht mal vor primitivem Antisemitismus zurückschreckt. Siehe den Eklat auf einer der wichtigsten Kunstausstellungen der Welt, der Documenta im Jahre 2022, wo Karikaturen das üble Klischee vom geldgierigen Juden transportierten.
Veranstalter von solchen Großereignissen müssen sich in unseren aufgeheizten, nervösen Zeiten davor wappnen, politisch vereinnahmt zu werden oder sich in vorauseilenden Gehorsam freiwillig vereinnahmen zu lassen. Jury-Präsident Wim Wenders, hat recht, wenn er sich gegen Zensurvorwürfe verwahrt. Filmemacher sind politisch wach, sensibilisieren uns über ihre Geschichten für das Unrecht auf der Welt, sie sind aber keine Aktivisten.
Filmfestival wurde mit zurückhaltendem Auftreten seiner Verantwortung gerecht
Die Berlinale trägt eine Verantwortung, die weit über das wenige Tage dauernde Festival hinaus reicht. Sie repräsentiert weltweit Deutschland und die deutsche Kultur. Dem ist sie mit ihrem zurückhaltenden Auftreten gerecht geworden. Wem das nicht passt, der kann jede Menge anderer Foren und Bühnen finden, auf denen er sein einseitiges Verständnis der Nahost-Politik vertreten darf.

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