Nürnberg - „Freude für alle“, die Weihnachtsaktion des Verlags Nürnberger Presse (VNP), macht Armut sichtbar, indem sie Einzelschicksale aus der Region vorstellt. Der verantwortliche Redakteur Max Söllner kommentiert, was ihn traurig stimmt.
21.02.2026 07:55 Uhr

Um auf Armut aufmerksam zu machen, bietet sich ein Blick auf aktuelle Zahlen an: 13,3 Millionen Menschen in Deutschland gelten laut dem Statistischen Bundesamt als armutsgefährdet - 200.000 mehr als noch vor einem Jahr. Es sind Alleinlebende mit weniger als 1.446 Euro netto im Monat. Für Familien mit jeweils zwei Erwachsenen und zwei Kindern liegt die Grenze bei 3.036 Euro.

„Freude für alle“, die große Spendenaktion dieses Medienhauses, wählt seit mehr als 50 Jahren einen andere Form der Sichtbarmachung. Wir berichten anhand von Einzelschicksalen, wie Menschen aus unserer Region in existenzielle Notlagen geraten - und welche Folgen das für ihr tägliches Leben hat. 33 solcher Fallgeschichten haben meine Kolleginnen und Kollegen Silke Roennefahrt, Irini Paul, Wolfgang Heilig-Achneck und ich im vergangenen Jahr vorgestellt.

Armut hat viele bedrückende Gesichter. Was für mich persönlich zuletzt mit am schwersten zu ertragen war: Wie Kindern ihre Zukunft erschwert wird, weil ihre Eltern wenig Geld haben. Armut wird über Generationen hinweg vererbt, ein gravierendes gesellschaftliches Problem, dem sich im vergangenen Herbst auch die sechste Nürnberger Armutskonferenz gewidmet hat.

Warum berühren uns die Schicksale junger Menschen so tief? Vielleicht, weil wir wissen, wie entscheidend die frühen Jahre sind. Wer ohne Rückzugsorte aufwächst, ohne Platz zum Lernen, ohne Möglichkeit, an Freizeitangeboten teilzuhaben, der trägt häufig einen schweren Rucksack mit sich.

Viele Eltern, die selbst kaum über die Runden kommen, stellen das Wohl ihrer Kinder an erste Stelle. „Hauptsache, sie haben es später einmal besser“ - diesen Satz höre ich oft, wenn Mütter oder Väter mir ihre Geschichte erzählen. Ihnen gebührt nicht nur Mitgefühl und Unterstützung, sondern auch Respekt. Denn sie stemmen nicht selten Unglaubliches, um den Kreislauf der Armut zu durchbrechen – und scheitern zu oft an einem Bildungssystem, dem es an echter Chancengleichheit mangelt.

Die Weihnachtsaktion „Freude für alle“ bezuschusst Tablets und Schreibtische

Man muss gar nicht erst in pädagogische Debatten einsteigen. Es genügt der Blick auf das, was „Freude für alle“ immer wieder bezuschusst: Tablets und andere Unterrichtsmaterialien, die Schulen voraussetzen. Oder Schreibtische, damit Kinder ihre Hausaufgaben nicht auf dem Fußboden machen müssen. Hier beginnt materielle Ungleichheit – und oft auch ein Gefühl des Ausgeschlossenseins.

Natürlich kann die Weihnachtsaktion nicht leisten, was Aufgabe der Politik wäre. Doch die von Pauschalisierungen geprägten sozialpolitischen Debatten der vergangenen Monate lassen kaum auf mehr Gerechtigkeit hoffen - im Gegenteil.

Umso wichtiger, dass „Freude für alle“ zumindest punktuell entlasten und Hoffnung verbreiten kann. Es ist der Verdienst tausender Spenderinnen und Spender, denen unser großer Dank gebührt.