
Die problematische Nutzung sozialer Medien sei zwar real, jedoch nicht mit klinischer Abhängigkeit zu vergleichen: So äußerte sich Instagram-Chef Adam Mosseri vor Gericht in Los Angeles. In dem wegweisenden Prozess müssen sich die Verantwortlichen mehrerer Tech-Firmen derzeit den Vorwürfen stellen, dass sie das Wohl ihrer Konzerne über die Gesundheit der Nutzer stellten und dass ihre Plattformen darauf ausgelegt seien, die Nutzer süchtig zu machen.
Um junge Menschen zu schützen, fordert die SPD nun ein Social-Media-Verbot für Kinder unter 14 Jahren - und macht damit einen dringend notwendigen Schritt in die richtige Richtung. Die Aussagen von Mosseri im Gerichtsprozess sind gewissermaßen entlarvend. Denn auch wenn (noch) keine Abhängigkeit vorliegt, so ist die „problematische Nutzung“, besonders bei Kindern, eben genau das: problematisch.
Ein Social-Media-Verbot soll Kinder schützen - es geht nicht darum, ihnen etwas wegzunehmen
Die DAK-Gesundheit und das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf zeigten 2025 auf, dass etwa jeder Vierte zwischen 10 und 17 Jahren soziale Medien auf eine „als problematisch eingestufte Weise“ nutzt, knapp fünf Prozent gelten als abhängig. Forschende weisen darauf hin, dass die Nutzung sozialer Medien die psychische Gesundheit und die Entwicklungschancen von junger Menschen erheblich beeinträchtigen kann.
Wenn Tech-Unternehmen junge Menschen selbst nicht ausreichend schützen können oder wollen, ist Eingreifen notwendig. Nicht, um Kindern und Jugendlichen etwas wegzunehmen. Sondern um sie zu schützen. Das passiert bei Alkohol, Drogen oder Glückspiel längst.
Es wird höchste Zeit, dass das im digitalen Raum ankommt. Denn genau dort bewegen sich junge Menschen: Laut einer Studie sind es knapp vier Stunden täglich bei 12- bis 19-Jährigen. Über die Hälfte der Befragten gab an, häufig mehr Zeit am Handy zu verbringen als ursprünglich geplant. Das zeigt zwar, dass viele die eigene Mediennutzung kritisch sehen. Aber eben auch, dass sie sich der Sogwirkung dennoch nicht erwehren können. Und dass es sie Zeit kostet. Zeit, die sie nicht mit Freunden oder Hobbys verbringen und die ihnen später auch niemand mehr zurückgeben kann. Zeit, die sie im schlimmsten Fall in einen süchtig machenden Algorithmus zieht, aus dem sie sich nicht selbst befreien können.

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