
Für SPD-Chef Lars Klingbeil führt kein Weg daran vorbei, doch die neuerliche Forderung der Sozialdemokraten nach einem Social-Media-Verbot in Deutschland greift schlicht zu kurz. Richtig ist: Plattformen wie TikTok und Instagram sind in ihrer jetzigen Form ein problematischer Ort für Jugendliche. Zu zahlreich sind die Falschmeldungen und grausamen Inhalte, zu vereinnahmend ist der Algorithmus, zu groß ist das Suchtpotenzial.
Aber: Statt die Freiheit der Jugendlichen per Verbot zu begrenzen, wäre es an der Zeit, die Plattformbetreiber selbst stärker in die Pflicht zu nehmen. Dazu gehört, dass sie offen legen, wie ihr Algorithmus funktioniert. Dazu gehört, dass sie effektiver gegen Falschmeldungen und Desinformation vorgehen.
Die SPD fordert ein Social-Media-Verbot bis 14 Jahre
Geht es nach dem Vorschlag der SPD, nutzen Jugendliche bis 14 die Plattformen künftig gar nicht mehr - und bis sie 16 sind, nur in einer abgespeckten Version. Darin soll es keine personalisierte Inhaltsausspielung und keine suchtverstärkenden Funktionen geben. Mit dem 16. Geburtstag öffnet sich dann die Büchse der Pandora - ab dann können die Personalisierungsfunktionen zugeschaltet werden: Je länger jemand beispielsweise ein zufällig eingespieltes Reel mit extremistischen Inhalten ansieht, desto höher die Chance, noch häufiger solche Propaganda zu sehen zu bekommen. Ohne entsprechende Vorbereitung sind auch 16-Jährige für diese Plattform-Dynamiken kaum gerüstet. Ein Verbot nach Vorstellung der SPD wäre primär also eine zeitliche Verschiebung des Problems.
Statt eine Verbotsdebatte zu führen, sollte die Politik die Medienkompetenz der Jugendlichen stärken und eine entsprechende Bildungsoffensive forcieren. So früh wie möglich und dabei altersgerecht sollten die jungen Menschen lernen, wie ein Algorithmus funktioniert, wie die ausgespielten Inhalte einzuschätzen sind und wie sie eine Falschmeldung identifizieren können.
Die sozialen Medien gehören zur neuen Lebensrealität dazu, das ist nicht mehr umkehrbar. Mit dem entsprechenden Rüstzeug können sie für Jugendliche ein Ort für Vernetzung und Information sein. Ein Verbot untergräbt diese Potenziale - und verkennt die Realität der jungen Menschen.
3 Kommentare
Wowo
Ganz ehrlich, wenn man große Teile seiner Zeit damit verbringt, das Posen und das künstliche, starre Lachen in den vielen geteilten Selfies oder Filmen oder das fotografierte Essen zu begutachten wundert es nicht, daß die psychische, physische und geistige Entwicklung Schaden nimmt. Zudem kommt noch, daß es ja gar nicht gewollt ist, daß man eine Medienkompetenz bekommt. Das Verbotene war schon immer interessant. Man will gar nicht "geschult" werden. Außerdem, wer sollte denn schulen? Selbst viele der "Erwachsenen" können und wollen nicht zwischen Fake und Wahrheit unterscheiden.Dazu kommen noch die Portale wie Shein und Temu und TikTok, die Daten abgreifen und nutzen (für China) ohne daß das bemerkt wird.
18.02.2026 23:04 Uhr