Nürnberg - Einen schönen Start in die Restsaison hatten sie sich beim HC Erlangen fest vorgenommen. Im Heimspiel gegen die TSV Hannover-Burgdorf kommen beide Teams schleppend in Fahrt, ehe die Spannung überkocht und der HCE einen Punkt hauchzart verpasst.
10.02.2026 22:00 Uhr

Der HC Erlangen hatte entschlossen dagegengehalten. Er hatte die Hoffnung auf einen erfolgreichen Spielausgang über die Tore von Yannik Bialowas in leuchtendem Rot unter das Hallendach projiziert. Dass der Videowürfel die positiven HCE-Eindrücke in Nürnberg nicht bis zur letzten Sekunde teilte, spiegelte sich nach dem bitteren 29:30 (11:12) gegen die TSV Hannover-Burgdorf in enttäuschten Gesichtern.

Der Start ins Spiel war dem HCE allenfalls schleppend gelungen. DHB-Spaßvogel Justus Fischer blockte einen Wurf von Viggó Kristjánsson und erzielte Hannovers ersten Treffer humorlos. Kristjánsson misslang zu Beginn einiges. Dass es der Topscorer des HCE war, der Marek Nissen den ersten Erlanger Torerfolg ermöglichte, war trotzdem konsequent. Nissens spektakuläre Wurfgewalt hatte den Handballclub auf den Videowürfel gebracht. Notieren sollte dieser auch in der Folge aber kaum etwas.

Nach rund zehn Minuten war die Partie immer noch zerfahren, von wenig Tempo und vielen Schlampigkeiten geprägt, auf beiden Seiten. Der HCE hatte sich warmgearbeitet. Für das Heimpublikum galt das bei ausdauernder Unterstützung ebenso. Dass Antonio Metzner nun auf der Platte war, sollte die Stimmung in der Folge anheizen. Metzners schöner Stemmwurf aus zentraler Position verantwortete Erlangens erste Führung, sein unnachahmlicher Zug zum Tor ergab auch das 5:4 (12.).

Im Abnutzungskampf, der sich bei intensiver Zweikampfführung entwickelt hatte, setzte Metzner den HCE nach Øverjordets Zuspiel auch später ins Vordertreffen. Dass Justus Fischer, mit Uscins und Silber von der EM zurückgekehrt, am gegnerischen Kreis kaum noch Spaß hatte, hing mit Tobias Buck und Florian Scheerer zusammen, die Erlangens Abwehrzentrum konsequent verriegelten.

HC Erlangen - TSV Hannover-Burgdorf
Zu oft daneben: Kapitän Christopher Bissel hatte bei der ärgerlichen Heimniederlage gegen die Niedersachsen vielfach Wurfpech. © Sportfoto Zink / Daniel Marr

Davonziehen konnte der HCE aber nicht. Bissel drehte den Ball nach einer Hochgeschwindigkeitsaktion am Recken-Tor vorbei. Einen Zwei-Tore-Vorsprung hatten sich die Hausherren bald darauf nach einem weiteren Metzner-Treffer dennoch erarbeitet. Dass die Gäste in ihren vanillefarbenen Trikots auf Schlagdistanz blieben, ausglichen und mit 11:10 führten, konnte den Gastgebern nicht schmecken. „Kämpfen und siegen“, skandierten die HCE-Fans kurz vor der Pause. Nachdem Nissens Notwurf abgefälscht ins Toraus geflutscht war, war ein knapper Rückstand dennoch die rot-blaue Realität.

Erlangens Fallhöhe, Kristjánssons Stabilität aus sieben Metern und Ghedbane im Fokus

Im zurückliegenden Halbjahr hatte der HCE nicht nur gegen im Bundesliga-Betrieb seit einer gefühlten Ewigkeit ungeschlagene Magdeburger gepunktet, sondern in der besten Handball-Liga der Welt auch gegen Topteams ein Regal darunter gepunktet, mit einer Glanzleistung etwa beim Auswärtssieg in Hannover. Eine Fallhöhe definiert hatte das vielleicht beim ein oder anderen Beobachter.

Kompliziert blieb die Partie für den HCE auch nach Wiederbeginn. Als Leif Tissier für Hannover getroffen hatte, war ein 11:14 die unangenehme Konsequenz. Hallensprecher Axel Fischer rief zu Unterstützung auf, Kristjánsson brachte Erlangen mit einem verwandelten Siebenmeter ein Stück näher. Khalifa Ghedbane parierte wiederholt und musste Uscins‘ Gewaltwurf über die Finger streichen lassen.

Zur einer erhöhten Konsequenz im eigenen Abschluss blieb der HCE nun aufgefordert. Øverjordet, Steinert und mit hohem Luftstand Yannik Bialowas entsprachen der Anforderung vehement. Kompliziert sollte es aber auch in der Folge bleiben. Quenstedt, der für Ghedbane übernommen hatte, hatte Lattenglück. Der vierte und fünfte Treffer von Øverjordet bedeuteten das 22:22 (46.). Das Momentum pendelte bei intensivem Ringen hin und her. Ghedbane schrie seinen Jubel über eine weitere Parade heraus. Die Crunchtime hatte bereits vor Beginn der letzten zehn Minuten begonnen.

Gebala und Bialowas lassen die HCE-Fans jubeln - Michalczik verdirbt die Heimspiel-Party

Mehr als kompliziert war der Schlussspurt geworden, als Fischer eine Drei-Tore-Führung der Recken verantwortete. Als Fischer an Ghedbane gescheitert war und Nissen ins leere Gäste-Tor getroffen hatte, war die Partie wieder offen. Gebala glich kompromisslos zum 28:28 aus (59.). In der letzten Minute saß in der Arena keiner mehr und schien die Partie alles nachzuholen, was sie zuvor an Spannung und Dynamik ausgelassen hatte. August Pedersen traf für Hannover per Siebenmeter. Yannik Bialowas erzielte elf Sekunden vor Schluss im Jubelsturm den erneuten Ausgleich, ehe Marian Michalczik den HCE in letzter Sekunde mit Hannovers Siegtreffer schockte.

Dass die Herausforderungen für den Handballclub, in Lemgo am kommenden Sonntag (15 Uhr) und im Heimspiel gegen Flensburg am darauffolgenden Samstag (20 Uhr), auch in der nahen Zukunft sehr große sind, gilt ausdrücklich. Den tröstenden Beifall, den die HCE-Fans der Niederlage gegen Hannover entgegensetzten, minderte das nicht.

HC Erlangen: Ghedbane, Quenstedt; Metzner 5, Øverjordet 5, Kristjánsson 5/3 Bialowas 4, Nissen 3, Gebala 2, Gömmel 2, Bissel 1, Steinert 1, Rúnarsson 1.