Nürnberg - Nach dem Winter-Chaos streiken am Montag Busse und Bahnen in vielen Städten. Das trifft viele - aber ein Streik, der nicht schmerzt, verfehlt seinen Zweck, kommentiert Alexander Jungkunz. Es geht auch um einen leistungsfähigen öffentlichen Dienst.
30.01.2026 14:08 Uhr

Am Montag fahren Busse, Straßen- und U-Bahnen also nicht. Na und, werden manche sagen: Das war doch die vergangenen Tage auch schon so, als in vielen Städten der öffentliche Nahverkehr durch die Schneemassen teils lahmgelegt wurde.

Nun aber sind es Warnstreiks, die dafür sorgen, dass Pendler oder Schüler auf andere Fahrtgelegenheiten für den Weg zur Arbeit oder in die Schule ausweichen müssen. Also mutwillige Behinderungen des öffentlichen Nahverkehrs (ÖPNV): Es soll spürbar werden, wenn die Gewerkschaft Verdi zur Arbeitsniederlegung aufruft.

Die Beschäftigten sollen Anschluss halten können

Sie kämpft darum, dass ihre Beschäftigten Anschluss halten an die Einkommensentwicklung anderer Branchen. Es wird zusehends schwierig, etwa Busfahrer zu finden - was bei manchen Fahrten auch schon zu merken ist. Natürlich sind die Forderungen zunächst hoch, wie immer. Gefragt ist ein Kompromiss, der rasch Tarifsicherheit und damit Berechenbarkeit für alle bringt.

Denn gerade die Schnee-Tage haben auch gezeigt, wie wichtig ein funktionierender ÖPNV ist - und ein leistungsfähiger öffentlicher Dienst: Nur wenn das Räumen klappt, können Busse und Straßenbahnen ausrücken. Insgesamt lief es angesichts der Wucht des Wintereinbruchs passabel, viele leisteten weit mehr als Normalmaß. Aber es zeigten sich auch Schwächen.

All die Stimmen vor allem aus der CDU, die kürzlich nach weniger Teilzeit und mehr Arbeit riefen, sollten gemeinsam für einen besseren öffentlichen Dienst kämpfen. Denn vor allem viele Frauen arbeiten nicht oder Teilzeit, weil sie Kinder oder Angehörige betreuen müssen. Zu oft fehlen Kitas oder Ganztagsschulen und maßgeschneiderte Pflege-Angebote. Und ein attraktiver ÖPNV macht es auch für Menschen ohne Auto leichter, ihren Arbeitsplatz zu erreichen. Insgesamt profitieren also auch Arbeitgeber von guter Infrastruktur - die es oft nicht (mehr) gibt in Deutschland.

Sinnvoller und mutmachender als Arbeitnehmer-Beschimpfungen („Blaumacher“, „Faulenzer“) wäre daher eine gemeinsame Kraftanstrengung für bessere Arbeitsbedingungen: weniger Bürokratie und dadurch mehr Produktivität, mehr Flexibilität, aber Schutzgrenzen bei der Arbeitszeit - da ist die Koalition dran. Weniger Belastung der Beschäftigten durch Senkung der Abgaben und Steuern auf den Faktor Arbeit könnte ebenfalls Arbeit attraktiver machen.

Gefragt: Ein Reform-Paket, das allen etwas abverlangt

Um das finanzieren zu können, wäre es ein Signal der Gerechtigkeit, auch sehr hohe Vermögen und - durch sozial austarierte Korrekturen bei der Besteuerung - Erbschaften etwas stärker zur Finanzierung des Gemeinwohls heranzuziehen. Dafür müssten CDU und CSU über ihren Schatten springen. Die SPD täte sich im Gegenzug leichter, Einschnitte wie etwa beim Bürgergeld zu verteidigen: Ein Reform-Paket, das allen etwas abverlangt, damit das Land die Wende zum Wachstum schaffen kann - wirklich unvorstellbar?

Ein Warnstreik kann da ein Ärgernis sein, ja. Aber auch ein Impuls für eine bessere Republik, die machbar ist.