Erlangen/Landkreis Erlangen-Höchstadt - Mit dem Redaktionsbus des VNP unterwegs: In den nächsten Wochen machen wir an Plätzen halt, um mit Lesern und Interessenten über Probleme in Erlangen und Erlangen-Höchstadt zu diskutieren, etwa über eine mögliche Umbenennung der Erwin-Rommel-Straße.
02.02.2026 13:55 Uhr

Mit dem Redaktionsbus des Verlages Nürnberger Presse, kurz VNP, ins neue Jahr: In den nächsten Wochen sind wir, die Redaktion der Erlanger/Nordbayerischen Nachrichten, mit unserem rot-weißen Verlagsbus erneut in unserem Verbreitungsgebiet unterwegs, um mit Ihnen, liebe Leserin, lieber Leser, ins Gespräch zu kommen.

Passend zur anstehenden Kommunalwahl haben wir uns Orte und Themen ausgesucht, über die sicherlich auch die nächsten Stadt- beziehungsweise Gemeinderäte und die künftigen Bürgermeister und Bürgermeiserinnen in Stadt und Landkreis noch (heftig) diskutieren werden. Ob es um den Parkplatzmangel in Erlangen geht oder um die pannenträchtige Gräfenbergbahn, um nur zwei Beispiele zu nennen: Wir wollen mit Ihnen über Themen reden, die Ihnen unter den Nägeln brennen. Die genauen Daten unserer Tour, die uns durch Erlangen und Erlangen-Höchstadt führt, geben wir rechtzeitig bekannt.

Ein besonders heißes Eisen gehen wir am Dienstag, 3. Februar, von 14 bis 17 Uhr, an: Dann stehen Redakteurin Sharon Chaffin und der stellvertretende Redaktionsleiter, Marcel Staudt, in der Erwin-Rommel-Straße - genauer gesagt, auf dem Parkplatz an der Cafeteria Südblick des Wohnheims des Studierendenwerkes in der Erwin-Rommel-Straße 51a. Dort wollen wir mit Vertretenden der Erlanger Universität und des Studierendenwerkes, Studierenden selbst sowie Anwohnerinnen und Anwohnern über das Für und Wider einer möglichen (Teil-)Umbenennung der nach dem umstrittenen Nazi-General benannten Straße sprechen.

Erwin-Rommel: Streit über Straßenumbenennung in Erlangen

Diese Diskussion beschäftigt Stadt, Universität und Studentinnen und Studenten ja schon seit mehreren Jahren, hat aber insbesondere 2024 und 2025 an Dynamik gewonnen. Auslöser sind aus Sicht der Friedrich-Alexander-Universität (FAU) zunehmende Zweifel daran, ob der frühere Nazi-Generalfeldmarschall Erwin Rommel als Namensgeber einer zentralen Verkehrs- und Campusachse noch tragbar ist. Rommel war eine prominente Figur der NS‑Propaganda, die ihn als „Goebbels‘ Lieblingsgeneral“ stilisierte – ein Image, das auch nach dem Ende der Nazi-Diktatur lange unkritisch weitergetragen wurde. Die Stadt verweist darauf, dass sowohl Rommels historische als auch die spätere Mythisierung nicht mehr mit heutigen Vorstellungen einer Ehrung mit einer Straße vereinbar seien.

Besonders sichtbar wird die Problematik dort, wo wir mit unserem Bus stehen - eben am Südcampus der FAU, der unmittelbar an der Straße liegt. Hier konzentrieren sich Einrichtungen der Technischen Fakultät, Internationale Begegnungszentren, die Südmensa sowie mehrere große Studierendenwohnheime. Uni‑Leitung, Studierendenwerk und Studierendenvertretung haben in den vergangenen Jahren wiederholt deutlich gemacht, dass der Name Erwin Rommel aus ihrer Sicht nicht zu einem weltoffenen, internationalen Wissenschaftsstandort passt.

Bereits 2021 hatte FAU‑Präsident, Prof. Joachim Hornegger, eine Umbenennung angeregt; als Alternative schlug die Universität damals vor, die Straße nach Dixie Lee Bryant zu benennen – der ersten Frau, die 1905 an der FAU promovierte.

Erwin Rommel: Wie geht Erlangen mit Straßennamen um?

Politisch hat die Debatte im Mai 2025 einen entscheidenden Schritt gemacht. Der Kultur- und Freizeitausschuss gab damals grünes Licht für eine offizielle Prüfung im Rahmen der „Kritischen Überprüfung Erlanger Straßenbenennungen“. Die Verwaltung wurde beauftragt, eine Bürgeranhörung vorzubereiten und anschließend eine Empfehlung zum weiteren Vorgehen vorzulegen.

Während Befürworterinnen und Befürworter der Umbenennung vor allem den historischen Hintergrund und die Verantwortung eines modernen Wissenschaftsstandorts betonen, verweisen manche Kritikerinnen und Kritiker auf Rommels spätere Distanzierung vom NS‑Regime. Zudem gibt es praktische Einwände, vor allem von Anwohnerinnen und Anwohnern, die Aufwand und Kosten durch eine Adressänderung befürchten. Am 3. Februar wollen die Erlanger/Nordbayerischen Nachrichten am Redaktionsbus beide Seiten hören und miteinander ins Gespräch bringen.