Berlin - Es war eine mit Spannung erwartete Rede. Donald Trump sagte sehr viel - aber kaum Neues. Was auf die Welt zukommt, das formulierte ein anderer brillant - der kanadische Premier Mark Carney. Ein Kommentar von Alexander Jungkunz.
21.01.2026 17:52 Uhr

Opa erzählt mal wieder vom Krieg. Von den achtPLUS Kriegen, die er beendet hat. So könnte man Trumps Rede in Davos zusammenfassen. Aber das kann nicht verdecken, dass es der mächtigste Mann der Welt ist, der da prahlt, lügt, Länder verwechselt und andere demütigt.

Ein narzisstischer Egomane will die Welt nach seinen wirren Vorstellungen umbauen. Ist da niemand, der wie das Kind im Märchen von „Des Kaisers neuen Kleidern“ aufsteht und sagt: „Aber er hat ja gar nichts an“?

„Ein paar Knieschoner für alle Staats- und Regierungschefs“

Ein paar trauen es sich. In den USA und auch in Davos. Dort sagte Trumps wortmächtigster Gegner, der kalifornische Gouverneur Gavin Newsom: Er hätte „ein paar Knieschoner für alle Staats- und Regierungschefs mitbringen sollen“ - weil sie teils immer noch glauben, Trump durch Unterwürfigkeit disziplinieren zu können. Es sei aber „Zeit, aufrecht und standhaft zu sein“. Das muss Newsom zwar seiner eigenen Partei auch vermitteln - aber für Trump gilt, was auch über Putin gesagt wird: Beide verstehen nur die Sprache der Stärke.

Kanadas Premier Mark Carney hielt in Davos eine Gegenrede zu Trumps Gerede - an die Adresse seiner Kollegen, außer Trump: „Hören Sie auf, sich auf die ,regelbasierte internationale Ordnung‘ zu berufen, als ob sie noch so funktionieren würde, wie es immer dargestellt wird.“ Carney beschrieb, was zu tun ist: „Mittlere Mächte müssen gemeinsam handeln, denn wer nicht mit am Tisch sitzt, landet auf der Speisekarte.“ Und er skizzierte die Vision einer Welt, die trotz Trump zusammenwächst: „Aus der Zerrissenheit heraus können wir etwas Besseres, Stärkeres und Gerechteres aufbauen. Das ist die Aufgabe der Mittelmächte, die in einer Welt der Festungen am meisten zu verlieren und in einer Welt echter Zusammenarbeit am meisten zu gewinnen haben.“

Soweit die Theorie. In der Praxis hat die EU vor Trumps Monolog bewiesen, dass sie mehrheitlich dazu nicht willens ist: Das Vertagen von Mercosur ist ein Desaster. Denn auch wirtschaftliche Stärke ist zentral, um den Autokraten Gegendruck bieten zu können. Immerhin: Trump will Grönland also nicht mit Gewalt erobern. Besitzen will er das „Stück Eis“ aber schon.

Davos war nicht das Ende der Nato - es könnte sogar Trumps Abstieg forcieren

Wird die sehr große Mehrheit der Vernünftigen die Kraft haben, Trumps Attacken standzuhalten? Nach Mercosur wachsen die Zweifel. Aber es ginge, mit Argumenten: Die USA können laut bestehenden Verträgen schon jetzt auf Grönland fast alles tun, was sie wollen. Ohne die Axt an die Wurzeln der Nato zu legen. Und die Europäer könnten Trumps Zoll-Drohungen mit ähnlichen Waffen kontern. Wenn sie geschlossen und hart bleiben.

Davos war nicht, wie befürchtet, das Ende der Nato, nicht das Ende der Welt. Es könnte sogar Trumps in US- Umfragen ablesbaren Abstieg forcieren: Lasst ihn reden - und durch Standhaftigkeit ins Leere laufen. Dass Trump nun die Zolldrohung gegen acht Staaten - darunter Deutschland - zurücknahm, zeigt: Der Mann ist wankelmütig und reagiert auf Druck. Das lässt hoffen.