
Schmerzen, Erschöpfung und die Einnahme vieler Medikamente: So sieht der leidvolle Alltag von Menschen mit schweren Autoimmunerkrankungen aus. Jetzt schöpfen Patientinnen und Patienten Hoffnung. Mit einer einmaligen Infusion könnten Erkrankungen wie systemischer Lupus erythematodes, systemische Sklerose oder autoimmune Muskelentzündung gestoppt werden, ohne dass eine weitere Medikamententherapie notwendig wäre. Das sind die Ergebnisse der nach eigenen Angaben weltweit bislang größten Studie zur Behandlung von Autoimmunerkrankungen mit CAR-T-Zellen, die das Uniklinikum Nürnberg und die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) durchgeführt haben.
„Viele unserer Patientinnen und Patienten haben bereits eine lange Leidensgeschichte hinter sich und haben auf zahlreiche vorherige Therapien nicht ausreichend angesprochen“, erklärt Dr. Melanie Hagen, Oberärztin und Leiterin der Studienambulanz der Medizinischen Klinik 3 (Rheumatologie und Immunologie) des Uniklinikums Erlangen in einer Pressemitteilung. „Dass wir nun sehen, wie sich die Erkrankung nach einer einmaligen Behandlung deutlich beruhigt, ist für die Betroffenen und für uns als Behandelnde beispielslos.“
Universitätsklinikum Erlangen behandelt Autoimmunerkrankungen mit CAR-T-Zellen
In der so genannten CASTLE-Studie erhielten Menschen mit verschiedenen Autoimmunerkrankungen eine Therapie mit CAR-T-Zellen. 24 schwer erkrankte Patientinnen und Patienten, die vor der CAR-T-Zelltherapie auf keine Behandlung mehr angesprochen hatten, konnten in einen andauernden, therapie- und krankheitsfreien Zustand gebracht werden. „Diese Studie zeigt eindrucksvoll, wie Erkenntnisse aus der Krebsmedizin auch anderen Patientengruppen zugutekommen können“, sagt Professor Fabian Müller, Oberarzt und Leiter der CAR-T-Zell-Einheit an der Medizinischen Klinik 5 (Hämatologie und Internistische Onkologie). „Die enge Zusammenarbeit zwischen den Fachdisziplinen war entscheidend, um diese innovative Therapie so erfolgreich umzusetzen.“
In der CASTLE-Studie werden bestimmte Immunzellen, sogenannte T-Lymphozyten, aus dem Blut der Patientinnen und Patienten isoliert und außerhalb vom Körper mit einem chimären Antigenrezeptor (CAR) ausgestattet. Diese CAR-T-Zellen erkennen nach der Rückgabe in die Patientin bzw. in den Patienten andere Immunzellen im Körper, die an der Autoimmunerkrankung beteiligt sind, und töten diese ab. „Das Prinzip der CAR-T-Zell-Therapie ist in der Behandlung von Blut- und Lymphdrüsenkrebs bereits seit mehreren Jahren fest etabliert. Da Zellen als Medikament funktionieren, spricht man in diesem Fall auch von einem lebenden Medikament“, sagt Professor Andreas Mackensen, Direktor der Medizinischen Klinik 5.
Selbst ein Jahr nach der Behandlung mit CAR-T-Zellen blieben die positiven Effekte bestehen, ohne dass diese wieder Kortison oder andere Medikamente einnehmen mussten. „Unser Ziel ist es, von einer lebenslangen Unterdrückung des Immunsystems wegzukommen“, erklärt Professor Georg Schett, Direktor der Medizinischen Klinik 3. Die CAR-T-Zell-Therapie eröffne erstmals eine positive Perspektive mit der Chance auf tatsächliche Heilung dieser schwer verlaufenden Erkrankungen, heißt es weiter in der Presseerklärung. „Für viele Betroffene bedeutet diese Entwicklung vor allem eines: neue Hoffnung – auf mehr Energie im Alltag, weniger Medikamente und eine bessere Lebensqualität“, sagt Schett.

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