Theilenhofen/Weißenburg - Experten aus dem Fachzentrum Triesdorf informierten in Wachstein über Anpassungsstrategien an den Klimawandel in der Landwirtschaft. Manuel Westphal, Landrat im Kreis Weißenburg-Gunzenhausen, betonte dabei, dass es vor allem Kooperationen brauche.
14.01.2026 12:00 Uhr

Der Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen lud zwei Experten des Fachzentrums für Energie und Landtechnik Triesdorf zu einem Vortrag über Klimaresilienz in der Landwirtschaft ein. Landrat Manuel Westphal begrüßte Norbert Bleisteiner und Georg Schauer, die vor interessiertem Fachpublikum aus der Region praxisnahe Anpassungsstrategien für den Klimawandel vorstellten. Die beiden Experten berichteten ausführlich über ihre Erfahrungen aus der Praxis und erklärten detailliert, wie die Landwirtschaft trotz veränderter klimatischer Bedingungen nachhaltig bestehen kann.

Bleisteiner, der in Triesdorf die Abteilung Landtechnik/Bauwesen und Energie leitet, schilderte zunächst die aktuelle Ausgangslage. Die Wetterlage verändere sich kontinuierlich in der Region. Wetterextreme nähmen in Altmühlfranken deutlich zu und zeigten eine immer größere Spannbreite. Starkregenereignisse wechselten sich vermehrt mit länger anhaltenden Trockenphasen ab und stellten Landnutzer vor wachsende Herausforderungen. Der Klimawandel betreffe nicht nur Land- und Forstwirtschaft, sondern auch Siedlungsflächen und Gewässer. Starkregen und längere Trockenperioden brächten landwirtschaftliche Flächen, die Vegetation und den gesamten Landschaftswasserhaushalt zunehmend unter Druck.

Klimawandel kostet EU-Landwirtschaft 28 Milliarden Euro jährlich durch Extremwetter

Westphal betonte nachdrücklich, dass Klimaresilienz in Altmühlfranken kein Top-Down-Projekt sein solle, sondern eines, das von unten nach oben wächst und bei dem sich alle Akteure beteiligen sollen. Man müsse das Thema Wasser grundlegend neu überdenken, Ressourcen sparen und wirkungsvoll handeln. Eine erfolgreiche Umsetzung der Klimaanpassungsmaßnahmen erfordere dabei die enge Zusammenarbeit zwischen Landwirten, Kommunen und Fachbehörden.

Bleisteiner stellte fest, dass der Klimawandel nicht mehr geleugnet werden könne und die Folgen die Landwirtschaft schon jetzt deutlich zu spüren bekomme. An erster Stelle stehe Trockenheit mit 54 Prozent, gefolgt von Hagel, Starkregen und Frost. Er zitierte eine aktuelle Studie im Auftrag der Europäischen Investitionsbank, der zufolge die EU-Landwirtschaft jährlich mehr als 28 Milliarden Euro allein durch schlechtes Wetter verliere. Landwirte stünden vor immer größeren Herausforderungen und müssten mit Extremwetter, Hitze- und Trockenstress, mehr Schädlingen und Pflanzenkrankheiten zurechtkommen. Unsichere Erträge, ein höherer Pflanzenschutzaufwand und steigende Produktionskosten seien weitere gravierende Folgen.

Triesdorfer Experten empfehlen Fruchtfolge mit Erbsen und Gerste gegen Klimaextreme

Als mögliche Strategie stellte der Triesdorfer Experte eine richtige Fruchtfolgengestaltung vor. In den Trockenmonaten könnten beispielsweise Erbse, Winter- und Sommergerste angebaut werden. Die strengen EU-Vorgaben würden die Probleme der Landwirte zusätzlich verschärfen. Deshalb müssten Landwirte ganzheitliche Ansätze verfolgen und sich vom Wunsch der Spitzenerträge verabschieden.

Sein Kollege Georg Schauer warf ein, dass man dazu übergehen müsse, das Risiko zu splitten und nicht alles auf eine Karte zu setzen, wenn Ackerböden durch die Klimaextreme ihre wichtige Speicher- und Pufferfunktion einbüßen. Hier könne eine konservierende Bodenbearbeitung, Mulch- und Direktsaat sowie ein gezielter Humusaufbau mit Zwischenfrüchten eine wirksame Antwort sein. Schauer führte aus, dass durch gezielte Düngung generell eine Ertragssteigerung möglich sei, sich aber beim Weizen kaum auswirke. Er plädierte dafür, dass man das Beste aus zwei Welten, der ökologischen und der konventionellen Landwirtschaft, kombiniere, um zum Erfolg zu kommen. Zusätzlich empfahl er den verstärkten Einsatz moderner Sensortechnik zur Bodenfeuchtigkeit und digitaler Planungstools für eine präzisere Bewirtschaftung.

Landrat Westphal sieht komplexe Herausforderungen für Landwirte

In der anschließenden Diskussion mit den Anwesenden, darunter Vertreter der Landwirtschaft, von Behörden und Verbänden sowie des Kreistags wurden die aktuellen Entwicklungen im Bereich der Landwirtschaft angesprochen. Die Teilnehmer fragten gezielt nach der Einschätzung der Triesdorfer Experten.

Landrat Westphal sprach das zusammenfassende Schlusswort. Man müsse als Landwirt verschiedenste Tools nutzen, um am Ende zu bestehen, was immer komplexer und schwieriger werde, auch weil es etliche Zielkonflikte gebe. Auch er sei der Ansicht, dass es keinen Königsweg gibt, sondern einen Weg, der sich aus vielen kleinen Bausteinen zusammensetzt, die zum Ziel führen. Jeder Landwirt müsse sich deshalb diese zentrale Frage stellen: „Was ist für mich die beste Lösung?“ Die Fachveranstaltung in Wachstein mit den beiden Triesdorfer Experten war aus seiner Sicht „ein Abend, der sich auf alle Fälle gelohnt hat“.