
Seit dem 1. Januar stellt die dänische Post keine Briefe mehr zu. Als erstes Land in Europa ist man diesen Schritt gegangen und will sich fortan nur noch auf die Zustellung von Paketen konzentrieren. Klingt zunächst sinnvoll und konsequent angesichts immer weniger Briefe, die versendet werden. Auch in Deutschland nimmt die Briefpost seit Jahren zusehends ab. Laut Bundesnetzagentur ging die Zahl der Briefsendungen seit 2019 von knapp 13,6 auf nur noch rund 10,3 Milliarden Briefe zurück. Kann Dänemark also ein Vorbild sein?
Vermutlich noch lange nicht. Die Dänen sind den Deutschen nämlich erstens einen entscheidenden Schritt voraus: Die Digitalisierung ist dort viel weiter fortgeschritten als hier. Ein Blick in den Briefkasten zeigt: Briefe kommen vor allem von Firmen oder Behörden – laut Angaben der Bundesnetzagentur machen sie mittlerweile 95 Prozent der Briefpost aus. Es liegt also nicht an den Bürgerinnen und Bürgern an sich, dass zwar immer weniger, aber doch noch Briefpost in Deutschland verschickt wird, sondern daran, dass die digitale Infrastruktur in geschäftlichen und behördlichen Bereichen vielfach noch gar nicht ausreicht, um auf den klassischen Brief zu verzichten.
Zweitens, und vielleicht viel wichtiger: Der Verzicht auf Briefpost würde gleichzeitig auch die Ausgrenzung vieler Menschen bedeuten. Seniorinnen und Senioren jenseits der 80 zu zwingen, sich auf digitale Kanäle umzustellen, ist schon fast eine Respektlosigkeit dem Alter gegenüber. Natürlich gibt es Tablet-Kurse, Computer-Nachhilfe, Beratungsangebote, aber reicht das? Nein, das wird es nicht, und auch nicht jeder ist noch fit genug, um diese Transformation mitmachen zu können.
Die klassische Briefpost wird sich natürlich, wie in Dänemark, eines Tages auch bei uns erledigen. Heute aber ist die drängendere Frage doch noch, ob wir einen Teil der Bevölkerung weiter abhängen und ausgrenzen wollen, der sich durch die Digitalisierung in vielen Bereichen - sei es Online-Banking, die Abschaffung des klassischen Katalogs bei Warenhäusern oder das Retro-Telefonbuch - ohnehin schon ausgegrenzt fühlt. Wir vergeben uns nichts, wenn wir für Senioren erst einmal weiter Postboten durch das Land schicken.

1 Kommentar
Fahrende
Und wieder ein Beispiel für die Halbwahrheiten die unsere Medien fleißig teilen ohne selbst zu recherchieren. Die dänische Post wurde in den letzten Jahren so teuer das man als Briefschreiber lieber auf privat Anbieter zugreift. Und man kann in Dänemark weiter Briefe versenden eben durch diese privaten Anbieter . Es ist nicht alles digital nur weil es manche predigen und es dabei eigentlich nur um Kürzungen von zu teuer gewordenen Arbeitsplätzen geht.
13.01.2026 12:53 Uhr