Nürnberg - Dänemark hat zum Jahreswechsel die Briefzustellung eingestellt. In Deutschland noch undenkbar - dabei sollten wir dem Beispiel unseres Nachbarlandes folgen, schreibt Uwe Wuttke in seinem Pro-Kommentar.
11.01.2026 11:00 Uhr

Bekommen Sie noch Briefe, abgesehen von Weihnachten oder ungeliebten Rechnungen? Ich eher selten - und ich kann mich auch nicht daran erinnern, in letzter Zeit einen richtigen Brief geschrieben zu haben. In Dänemark haben sie jetzt reagiert. Die dortige Post hat die Briefzustellung zum 1. Januar abgeschafft – und das ist gut so.

Die Dänen sind uns in Sachen Digitalisierung sowieso weit voraus. Oder versuchen Sie mal, im Urlaub dort so etwas Analoges wie Bargeld loszuwerden. Selbst Kaugummis werden im Norden mit Kreditkarte bezahlt. Dort ist seit 2000 das Briefaufkommen um 90 Prozent gesunken, das Porto beträgt inzwischen vier Euro. Bei uns ist es noch nicht so weit. Aber nach Meinungsumfragen schreibt immerhin jeder elfte Bundesbürger keine Briefe mehr, das Porto – aktuell 95 Cent - steigt seit Jahren und wird es weiter tun.

Ein Ende der Briefzustellung ist nicht zuletzt nachhaltig

Deshalb die Frage: Ist es notwendig, Glückwünsche, Grüße, Kündigungen von Verträgen oder Behördenanträge analog per Post zu schicken? Nein! Hand aufs Herz: Viele dieser Alltäglichkeiten erledigen wir längst per Handy, Mail oder anderweitig online. Die Digitalisierung hat auch andere Vorteile: kein ewiges Warten auf wichtige Post, keine nervige Werbepost, Ämter werden entlastet, die Papierflut eingedämmt. Das ist sogar nachhaltig.

Halt! – werden jetzt viele sagen. Was machen ältere Mitmenschen? Sie gilt es zu unterstützen, damit sie den Umgang mit der Technik lernen. Zum Beispiel mit privatem Engagement: Meine Mutter hatte mit 75 ihren ersten Laptop - und auf einmal ihre Enkel viel öfter zu Besuch. Und mit öffentlichen Kursen oder Initiativen, bei denen jüngere Leute – etwa Schüler - den Älteren im Umgang mit Handy, Tablet, Laptop helfen.

Auch um die Zusteller muss sich niemand Sorgen machen. Angesichts der Flut an Paketen, die durch den immer größer werdenden Onlinehandel verschickt werden, werden sie auch in Zukunft Arbeit haben.

Natürlich ist es schade, wenn nach den Telefonzellen auch die gelben Briefkästen verschwinden. Gleichwohl ist ein Aus für die Briefzustellung eine nachhaltige, logische Konsequenz im Sinne der längst auch bei uns laufenden digitalen Transformation. Was die Dänen geschafft haben, sollten auch wir schaffen.