Nürnberg - Ein Weihnachtsbaum gehört für die allermeisten zum Fest ebenso dazu wie Geschenke. Im Jahr 2025 wirkt dieser vermeintlich nachwachsende Rohstoff als Weihnachtsschmuck aber aus der Zeit gefallen, schreibt Roman Schuster in seinem Contra-Kommentar.
20.12.2025 08:59 Uhr

Jahr für Jahr stellte ich mir im Dezember zumindest ein kleines Nadelbäumchen in die eigene Wohnung, um in den Adventsvibe einzutauchen. Wie für so viele in diesem Land gehörte das weihnachtliche Grün für mich ganz selbstverständlich dazu. In diesem Jahr wird es zum ersten Mal anders sein, meine Wohnung zieren nun Plastikzweige.

Niemand wird bestreiten, dass es sich bei einem Baum um einen nachwachsenden Rohstoff handelt. Doch „nachwachsend“ ist kein Freifahrtschein. Tatsächlich ist die Christbaumproduktion geprägt von Monokulturen, intensiv bewirtschafteten Plantagen. Sieht aus wie Wald, ist aber keiner.

Ein natürlicher Wald ist über lange Zeit gewachsen, lebt von Artenvielfalt und Kreisläufen. Christbaumplantagen hingegen sind auf Gleichförmigkeit und schnelle Verwertbarkeit ausgelegt. Dazu braucht es manchmal Pestizide und Düngemittel, unter denen Böden, Gewässer und angrenzende Ökosysteme leiden können.

Weihnachtsbäume wachsen heran, um ein paar Wochen im Advent als Dekoration zu dienen

Bio-Betriebe, die die Kriterien des ökologischen Landbaus oder des ökologisch ausgerichteten Waldbaus erfüllen und auf derartiges verzichten, sind deutschlandweit noch in der Minderheit. Aber auch deren Weihnachtsbäume wachsen acht bis zehn Jahre heran, um dann für ein paar Wochen eine dekorative Funktion zu erfüllen. Anschließend landen sie im Häcksler auf dem Wertstoffhof, werden kompostiert oder energetisch verwertet.

Auch wenn das Umweltbundesamt darauf hinweist, dass die Umweltbelastungen von Weihnachtsbäumen im Vergleich zu anderen Konsumgütern als gering einzustufen seien: Die rund 30 Millionen Stück in Deutschland werden jährlich produziert, transportiert und entsorgt – doch nicht aus Notwendigkeit, sondern aus Gewohnheit. Warum halten wir an einem Brauch fest, der echte Bäume zur Wegwerfdekoration macht?

Das geschmückte Nadelholz steht für ritualisierten Konsum und offenbart ein erstaunlich unkritisches Verhältnis zu natürlichen Ressourcen. Vielleicht tut es ja auch ein Ersatz aus Kunststoff. Der mag weniger weihnachtlich nach Nadelwald riechen, nicht gepflanzt und gewachsen sein. Aber er verliert keine Nadeln, hält ewig - und endet nicht jährlich als Biomüll.