
Es hält sich in der Allgemeinheit hartnäckig die Vorstellung, dass mittelalterliche und frühneuzeitliche Städte mehr oder minder durch Zufall ihre Form erhalten hätten. Tatsächlich ist diese Annahme immer falsch und in der Mehrzahl der Fälle steckte schon damals eine planende Hand hinter der scheinbar organischen, malerischen Anmutung unserer Altstädte.
Am Maxplatz im Westen der Sebalder Altstadt kann man besonders gut erkennen, dass hier die Nürnberger Stadtbaumeister mit Lineal und Zirkel zugange waren. Seit Ende des Mittelalters schloss die letzte Stadtmauer dieses Quartier ein, das unter dem vielsagenden Namen „Neuer Bau“ bekannt war. Anfangs bezeichnete man damit die gesamte westliche Stadterweiterung auf beiden Seiten der Pegnitz. Später ging dieser Name auf besagten Platz am Hallertürlein über, der ab dem 15. Jahrhundert seine jetzige Umbauung erhielt. Von ihr haben sich die Häuser Nr. 25, 27, 46 und 46 a sowie das mächtige Eckhaus Weißgerbergasse 37 erhalten, wenngleich allesamt später verändert. 1446-48 entstand in der Südostecke der Weinstadel, noch heute einer der größten Fachwerkbauten Deutschlands.
Ihre längsrechteckige Anlage prädestinierte die Fläche für eine Neugestaltung im Sinne barocker Prachtentfaltung, für die man sich – ganz unbescheiden – wohl die Piazza Navona in Rom zum Vorbild nahm. So ließ die Reichsstadt 1687-88 gleich drei Brunnen in der Platzmitte errichten. Von ihnen ist nur der größte, der Tritonbrunnen mit der Skulptur des griechischen Meergottes geblieben. Geschaffen hat ihn Johann Leonhard Bromig II., ebenfalls eng orientiert an einem römischen Vorbild, der Fontana del Tritone von Gian Lorenzo Bernini. Den zum Betrieb nötigen Wasserdruck stellte ein Hochbehälter neben der nahen Nägeleinsmühle bereit. Wasser durfte man aus dem Triton übrigens nicht entnehmen: Dafür waren die beiden anderen, kleineren Brunnen da.
Der Wiederaufbau nach 1945 machte den Maxplatz in Nürnberg klotziger und „verkehrsgerechter“
Als man den mittlerweile auf den bayerischen König Max I. Joseph umgetauften Platz 1820-21 neu gestaltete, bekam der einsame Triton wieder Gesellschaft: Östlich davon errichtete die Stadt nach Entwurf von Carl Alexander Heideloff einen klassizistischen Brunnen, dessen Reliefs Nürnbergs größtem Sohn Albrecht Dürer und seinem Förderer und Freund, dem Humanisten Willibald Pirckheimer gedenken. Zahlreiche Gebäude am Platze erhielten im 19. Jahrhundert ein Facelift im Sinne des Neubarock und des spätgotisch-renaissanten Nürnberger Stils, den Gasthof „zum goldenen Reh“ (Nr. 7) hat man 1840 im modischen Rundbogenstil gar völlig neu aufgebaut. Seit 1901 bildet der Koloss des Sozialgerichtsgebäudes, ein Entwurf von Joseph Förster und Ferdinand Miller im Stil der Neorenaissance, die östliche Platzwand.
Der Wiederaufbau nach 1945 zeigt sich hier im wahrsten Sinne des Wortes als zweischneidiges Schwert: Während man auf der Südseite die historische Reihenbebauung, inklusive Lochfassaden, Traufhöhe und Dachausrichtung wiederaufgriff, klotzte man um 1964 im Nordosten neben die erhaltenen Altbauten drei versetzt angeordnete Wohnblocks (Nr. 28-34) mit Balkonfront gegen den Platz. Die Ruinen der von Heinrich Wallraff und Friedrich Wanderer entworfenen Musikschule und der Klinik Dr. Koch, die seit 1882 bzw. 1894 eine malerische Torsituation gebildet hatten, mussten dem „verkehrsgerechten“ Ausbau des Hallertors weichen. Hübsch ist unser Maxplatz dennoch, mit oder ohne Schnee, sommers wie winters.
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