
Schon ungefähr eine Stunde vor dem Anstoß sang sich der bereits voll besetzte Unterrang der Nordkurve ein, richtig laut wurde erstmals gegen 12.45 Uhr – als beide Mannschaften kurz nacheinander zum Aufwärmen erschienen. Die Gäste liefen erst mal schnurstracks vor ihre Fan-Blöcke, um sich von außen nochmal richtig heiß machen zu lassen.
Der Trainerwechsel unter der Woche sollte ja ein Wendepunkt sein in einer bislang selten zufriedenstellenden Saison und das folgende Franken-Derby am Sonntagnachmittag erst recht; mehr Chance als Risiko wollten sie auch beim 1. FC Nürnberg hineininterpretieren in den 275. Vergleich mit dem Nachbarn und ließen wenig unversucht.
Stefanos Tzimas, Finn Jeltsch, Caspar Jander und Janis Antiste schickten bereits am Samstag Videobotschaften und der beliebte Franzose auch noch sich selbst ins Max-Morlock-Stadion. „Gämmer, Männer“, sagte er vorab ins Mirkofon des Moderators, sogar das Christkind schaute kurz vorbei und hoffte natürlich: auf einen Club-Sieg.
Aus dem wurde es nichts, weil des Christkinds Lieblingself selbst zwei Führungen nicht reichten zum dritten Derby-Sieg in Folge. Nach der Pause ging es Schlag auf Schlag, vier Tore in 13 Minuten, Endstand nach einer zumindest rassigen zweiten Halbzeit 2:2 (0:0).
Die Trainer setzten wenig überraschend auf Erfahrung; Miroslav Klose bot mit Robin Knoche (33) und Adriano Grimaldi (34) zwei Routiniers auf und stellte Berkay Yilmaz ins linke Mittelfeld, Heiko Vogel ersetzte Lukas Reich rechts hinten durch den erfahrenen Jannik Dehm, blieb aber größtenteils beim System seines Vorgängers.
Für den ersten Aufreger nach zehn Minuten brauchte es allerdings eine Rudelbildung und zwei frühe Gelbe Karten; ansonsten war die erste Halbzeit wahrscheinlich eine der schlechtesten in den vergangenen Jahren oder gar Jahrzehnten, vor allem vom 1. FC Nürnberg kam gegen die schwächste Defensive der zweiten Liga herzlich wenig.
Lochoshvili trifft für den 1. FC Nürnberg
Zwei halbherzige und komplett ungefährliche Abschlüsse von Berkay Yilmaz und Tim Janisch, mehr hatte der Club im letzten Drittel nicht zu bieten vor der Pause. Eindeutig besser drin die Spielvereinigung, wenngleich sich auch die Gäste lange in Zurückhaltung übten und erst nach etwa einer halben Stunde offensiv auffällig wurden.
Die beste Möglichkeit für Fürth bis dahin hatte ein Nürnberger; Luka Lochoshvili wäre per Kopf fast ein Eigentor unterlaufen, der famos reagierende Jan Reichert konnte mit einem überragenden Reflex Schlimmeres verhindern und wenig später auch einen scharfen, aber nicht besonders platzierten Abschluss von Aaron Keller parieren.
Ansonsten sahen die knapp 48.000 Zuschauer unzählige Fehlpässe und Missverständnisse, aber kaum Risiko oder gar ansehnlichen Sport – beiden Teams merkte man den immensen Druck an, wobei das Kleeblatt insgesamt kompakter wirkte. Nur eine Minute Nachspielzeit sagt auch viel über die Qualität des Dargebotenen aus - die sich nach dem Seitenwechsel allerdings zügig bessern sollte.
Die Gastgeber bauten umgehend Druck auf und belohnten sich bereits drei Minuten nach Wiederbeginn mit dem 1:0, als Luka Lochoshvili nach Flanke von Julian Justvan aus wenigen Metern per Kopf erfolgreich war. Aber Fürth schlug kurz darauf zurück, und wie: Felix Klaus lenkte eine scharfe Hereingabe von Noah Keller, die Tim Janisch nicht verhindern konnte, abgezockt ins lange Eck.
Das Derby ging jetzt richtig ab; Mohammed Zoma legte nach feiner Einzelleistung weitere drei Minuten später die erneute Club-Führung nach, seinen Schuss fälschte Philipp Ziereis noch unglücklich ab, aber erneut hatte das Kleeblatt die passende Antwort. Nach flüssigem Ballvortrag vollendete Aaron Keller eine finale Überzahlsituation erstaunlich freistehend zum 2:2 (61.).
Es ging plötzlich hin und her, mit optischen Vorteilen für 1. FC Nürnberg; Mohammed Zomas 3:2 zählte wegen eines vorangegangenen Fouls von Luka Lochoshvili an Felix Klaus zurecht nicht, Adriano Grimaldi hatte ein paar Minute später das 3:2 auf dem Kopf, kam aber nicht richtig hinter den Ball (70.). Der Club, der bei beiden Gegentoren im Verbund nicht gut aussah, warf jetzt fast alles nach vorn.
Glück hatte Torhüter Timo Schlick mit einem Abstoß, der aus kurzer Distanz Adriano Grimaldi abschoss, die Kugel prallte vom bulligen Körper des Nürnberger ins Seitenaus. Nach einer Freistoßvariante kam Fabio Gruber einen Schritt zu spät, die dritte Club-Führung am Sonntagnachmittag wäre längst verdient gewesen, beinahe wäre es aber die erste der Fürther geworden.
Felix Klaus scheiterte im Nachschuss aus fünf Metern an Jan Reichert (82.), die Möglichkeit schlechthin zum Derby-Sieg, mit dem es auch in der fünfminütigen Nachspielzeit nichts mehr werden sollte, für keine der beiden Mannschaften, Endstand 2:2.
Nürnberg: Reichert; Janisch, Gruber, Knoche, Lochoshvili, Yilmaz – Janisch (60. Drexler), Becker, Markhiev, Yilmaz – Becker - Justvan (85. Maboulou), Grimaldi (85. Scobel), Zoma.
Fürth: Schlieck; Dehm, Ziereis, Münz, Itter - Dietz, Green - Klaus, Keller – Hrgota (85. Sillah) Futkeu (76. Srbeny).
Schiedsrichter: Erbst (Gerlingen). – Zuschauer: 47.150. – Tore: 1:0 Lochoshvili (48.), 1:1 Klaus (53.), 2:1 Zoma (56), 2:2 Keller (61.). – Gelbe Karten: Janisch, Becker / Futkeu, Dehm.




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