Nürnberg - Brotbacken, Bügeln, aber auch Körperteile abschneiden und Bewohner einsperren - das kann der Haushaltsroboter „Cassandra“ in der gleichnamigen Netflix-Serie. Im Zukunftsmuseum Nürnberg ist der weibliche „Thriller-Star“ ab jetzt zu sehen.
25.11.2025 09:42 Uhr

Es ist die gefürchtete Dystopie vieler Science-Fiction-Autoren: Ein Roboter wendet sich gegen seine Nutzer. In der Netflix-Serie „Cassandra“ ist es gleich ein ganzes intelligentes Haus und die elektronische Haushaltsgehilfin, die die Bewohner tyrannisiert.

Cassandra kann Wäsche waschen und Rasen mähen, aber sie kann auch die passenden Aufsätze für ihre rot-glänzenden Roboterarme wählen, um Finger abzuschneiden. Mit ihr wird der Traum vom Leben auf dem Land für die neu eingezogene Familie zum Albtraum.

Cassandra im Zukunftsmuseum: Wie viel Kontrolle darf Künstliche Intelligenz haben?

Seit Februar läuft die sechsteilige Thriller-Serie des deutschen Regisseurs Benjamin Gutsche beim US-Streamingdienst Netflix. Nun können Besucherinnen und Besucher die Roboter-Frau im Nürnberger Zukunftsmuseum sehen. Sie steht hinter Glas in der Dauerausstellung „Arbeit und Alltag“, im Bereich „Kontrolle“. Auf einem Bildschirm können die Gäste mit dem Programm interagieren.

„Der humanoide Roboter in 1970er-Jahre Retroästhetik erlangt eine faszinierende Präsenz zwischen Mensch und Maschine“, teilt das Museum mit. „Sein kompakter mechanischer Körper aus glänzendem Metall, mit Armen, die an Küchengeräte erinnern, ist verbunden mit einem lebendigen weiblichen Gesicht, eingespielt auf einem Röhrenbildschirm.“

Während die Serienfolgen erst ab 16 Jahren empfohlen sind, kann sich im Museum jeder selbst fragen, wie viel Hausarbeit Maschinen übernehmen könnten - und zu welchem Preis. „Mit Cassandra holen wir ein Objekt aus der Science-Fiction in unsere Ausstellung, in der wir mit utopischen und dystopischen Ideen zum Nachdenken über unsere Zukunft anregen,“ sagt Museumsleiterin Marion Grether.

Der fiktive Haushaltsroboter hat ein Bewusstsein. Cassandra denkt, fühlt und trifft eigene Entscheidungen – nicht immer zum Besten ihrer Besitzer. „Die Installation lädt zur Reflexion über Mensch-Maschine-Beziehungen sowie über Verantwortung und Kontrollverlust in einer zunehmend automatisierten Welt ein“, schreibt das Museum. „Was passiert, wenn künstliche Intelligenz nicht länger Werkzeug ist, sondern zur selbständigen Akteurin wird?“ Es geht um Macht, Empathie und Identität.

Roboter als Haushaltshilfe, für Gespräche und sogar für Sex

„Cassandra erweitert unseren Bestand humanoider Roboter: Während ,Ameca‘ als Gesprächspartnerin mit menschengleicher Mimik verblüfft und der Sexroboter Harmony grundsätzliche Fragen zu Intimität, Autonomie und Projektionen menschlicher Wünsche aufwirft, konkretisiert sich bei Cassandra die Diskussion zu KI und Kontrolle“, sagt Marion Grether.

Welche Rollen Roboter zukünftig einnehmen sollen - ob Haushaltshilfe, Freundin, Richter, Therapeutin - können die Museumsgäste über Magnetkärtchen an einer Pinnwand zum Ausdruck bringen. Der Name Cassandra ist an die Seherin Kassandra aus der griechischen Mythologie angelehnt, deren Warnungen kein Gehör finden - sich dann aber bewahrheiten.