
Kein Zeitplan, der den globalen Ausstieg aus fossilen Energien regelt. Das ist die zentrale Enttäuschung des 30. Weltklimagipfels, der in Belém zu Ende ging. Anders formuliert: Die Koalition der ölfördernden Staaten hat den Rest der Welt dominiert. Was nun passiert, ist das übliche Schönreden eines schlechten Ergebnisses.
Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) sei nur ein „bisschen enttäuscht“, mag aber „in keiner Weise einen Rückschritt“ erkennen, sondern spricht von einem „Zwischenschritt“.
Man mag das so werten, allerdings können derartige Floskeln nicht über den Kern des Belém-Dilemmas hinwegtäuschen: Immer wieder gelingt es den Bremsern, die aus ihrer Sicht ökonomische Gründe anführen (ein Ölstaat ohne Ölförderung steht vor Herausforderungen), die ökologischen Aspekte (je mehr fossile Energien gefördert werden, desto schneller steigt die Erderwärmung) auszublenden.
Am Ende schneidet sich jeder Akteur, ober über Öl-, Gas- oder sonstige Reserven verfügen mag, ins eigene Fleisch. Jahr für Jahr wird dieser Planet ein Stück unbewohnbarer. Die nächsten Jahre dürfen wir als Vorgeschmack werten, was unseren Kindern und Enkeln dereinst dräut. Kurzum: Diese Klimapolitik ist schlicht unverantwortlich, sie lässt jeglichen Weitblick vermissen und steht für das Paradoxon, dem politisches Handeln offenbar weltweit unterliegt. Wirklich langfristige Entscheidungen - also nachhaltige Politik - finden mehr in Sonntagsreden denn in Beschlüssen auf Gipfelkonferenzen Ausdruck.
Es geht voran, aber kleine Schritte helfen nichts
Belém steht dafür ebenso wie die Vorgängerveranstaltungen. Es ist nicht so, dass es nicht weiterginge, kleine Fortschritte sind unverkennbar. Leider aber helfen kleine Schritte nichts. Wer sich die Diskussion über die Erderwärmung vor Augen führt, kann sich an wirklich entschiedene Appelle und Warnrufe erinnern, das 1,5-Grad-Ziel keinesfalls zu reißen. Und heute? Ist klar, dass unser Planet sich um mehr als jene 1,5 Grad erwärmt hat, mit all den Folgen, Kipppunkten, die damit einhergehen.
Was nun folgt, sind Verzweiflungstaten: Die freiwillige Basis soll in den Mittelpunkt rücken, die Koalition der Willigen das Bündnis der Ewiggestrigen überzeugen. Das ist eine gewagte Wette auf die Zukunft, mit offenem Ausgang. Am Ende, auch das ist Teil der Klimarealität, liegt es an uns. Solange keine breite Mehrheit bereit ist, für entschiedene Umweltpolitik auch persönliche Einschränkungen zu akzeptieren, so lange geht nach dem Belém-Prinzip weiter.
Und derzeit, siehe Deutschland, sind wir weit von einer solchen Mehrheit entfernt. Die schwarz-rote Bundesregierung hat dem Wachstum eindeutig Vorrang vor der Ökologie eingeräumt. Und sie darf bei diesem Punkt auf große Rückendeckung setzen. Klimapolitik ist offenbar nicht mehr mit ambitionierten Zielen zu verbinden, sondern ausschließlich mit dem kleinsten gemeinsamen Nenner. Das ist zu wenig für die nächsten Generationen!

1 Kommentar
M95L
...dem Weltklima ist es einerlei, ob sich die Staaten einigen. Je später, desto schwer wiegender die Folgekosten. Die fossilen Betonmischer werden dann in Erklärungsnot sein. Sie sind es ohnehin, Leugnung sinnlos...
23.11.2025 15:54 Uhr