
Bei aller Euphorie, die gerade bei den Olympia-Fans aufkommt: Der Weg zu Spielen in München ist noch endlos, ob die Stadt tatsächlich den Zuschlag erhalten wird, steht in den Sternen. Das IOC hat mehr als einmal bewiesen, dass bei ihm sachliche Argumente nicht immer die ausschlaggebende Rolle spielen.
Zumal noch mindestens ein Jahrzehnt ins Land gehen wird, ehe die Entscheidung für oder gegen Deutschland fällt. Und auch wenn es das bayerische Selbstbewusstsein für ausgeschlossen hält, ist nicht ausgemacht, dass im Fall der Fälle die Spiele in München stattfinden. Die drei Mitkonkurrenten sehen das nämlich anders.
Nicht das Geld hat die Münchner umgestimmt, Frankreich war es
Sehr viele Wenns also und eine sehr lange Zeitachse dazu. Trotzdem haben die Befürworter regelmäßig argumentiert, die Spiele sorgten für einen Impuls, der die Stadt voranbringen und teure Projekte wie die zweite Stammstrecke oder zwei neue U-Bahn-Linien beschleunigen werde. Sie haben die Milliarden angeführt, die fließen werden, und den Bauboom beschworen. Als ob München das nötig hätte.
Wer sich in der Stadt umhört, weiß, dass ganz andere Dinge die Mehrheit zu ihrem Ja-Wort bewogen haben. Ausgerechnet die Franzosen, die zu großen Teilen auf die Spiele vor einem Jahr hätten verzichten können, haben der Welt gezeigt, wie sich die Olympische Idee beleben lässt. Sie haben den Spielen jene Leichtigkeit und Nachhaltigkeit zurückgegeben, zu der Diktaturen und Autokratien nie fähig sein werden.
Die nutzen die olympische Bühne zur Selbstdarstellung und missbrauchen den Sport als Deckmantel für ihre Demokratie- und Menschen-verachtenden Regime. Es ist tragisch, dass die internationalen Verbände sich immer seltener dagegenstemmen und stattdessen kaufen lassen.
Niemand ist so naiv zu glauben, nach Paris seien die Verbände geläutert. Sport ist ein Milliardengeschäft, bei dem viele mitverdienen wollen. Er wird es bleiben, auch nach Paris. Auch Frankreich hat Milliarden investiert und nur einen Teil des Geldes wieder zurückbekommen. Das Land hat freilich Maßstäbe gesetzt nach der Gigantomanie in Peking oder Rio de Janeiro. Oder, analog, nach den Fußballweltmeisterschaften etwa in Russland oder Katar.
München kann einen Kontrapunkt setzen zur Gigantomanie
Sollten die vielen Wenns am Ende also doch auf der Münchner Seite in der Waagschale landen, wird die Stadt, wird das Land Olympische Spiele zelebrieren ganz im Sinne der Ur-Idee: als ein Ereignis für die Sportler und die Zuschauer, nicht als eines für Diktatoren und Autokraten. Es wird um viel gehen, um Medaillen, um Prestige auch, vor allem aber um Spaß.
München kann an Paris anknüpfen; es kann nachhaltige Spiele ausrichten, fröhliche, gelassene Wochen organisieren, mit dem Sport im Mittelpunkt. Das allein ist die Bewerbung schon wert, als Kontrapunkt zur Gigantomanie anderer. In Frankreich ist die Rechnung aufgegangen: Am Ende waren die Olympia-Gegner neidisch auf jene, die dabei sein durften. München, Bayern kann das auch schaffen. Wenn es denn darf.

1 Kommentar
Korrekturleser
zweite Stammstrecke, neue U-Bahn-Linien...:
Entweder das ist alles notwendig, dann muss gebaut werden. Oder es ist nicht notwendig, dann kann man es sich sparen. Was soll eine Veranstaltung über ein paar Wochen daran ändern?
„...Franzosen, die zu großen Teilen auf die Spiele vor einem Jahr hätten verzichten können...“
Warum die Franzosen aber die Deutschen nicht?
27.10.2025 14:40 Uhr